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ÖFB-U19 verpasst EM-Halbfinale, hofft aber noch auf WM

22. Juni 2022 · Lesedauer 4 min

Österreichs Fußball-Nachwuchs hat bei der U19-EM in der Slowakei einen herben Rückschlag hinnehmen müssen. Die ÖFB-Junioren unterlagen Israel am Mittwoch in Ziar nad Hronom mit 2:4 (1:2) und stehen nach zwei Gruppenspielen noch ohne Punkt da. Tore von Adis Jasic (24.) und Yusuf Demir (76.) waren zu wenig. Das Halbfinale ist bereits außer Reichweite. Verbliebenes ÖFB-Ziel ist das Play-off der beiden Gruppendritten um einen Startplatz bei der U20-WM 2023 in Indonesien.

"Das haben wir selber verhaut, das Spiel", sagte Österreichs U19-Teamchef Martin Scherb im ORF. "Wir haben die Intensität viel zu spät auf den Platz gebracht. Es ist uns nicht gelungen, den Rhythmus von Israel zu stören, zu brechen. Als wir dann die Bereitschaft durchzuziehen gehabt haben, hat es gepasst." Nach dem 2:4 durch Demir hätte man noch sehr gute Möglichkeiten gehabt. "Da hat die Mannschaft wirklich an sich geglaubt, aber es war zu spät."

Scherb hatte gegenüber dem 0:2 zum Auftakt gegen EM-Favorit England drei Änderungen in der Startelf vorgenommen. Beide Außenverteidiger-Positionen wurden neu besetzt. Salzburgs Justin Omoregie, Austrias Florian Wustinger und LASK-Stürmer Dominik Weixelbraun rückten ins Team, Jasic aus dem Zentrum rechts in die Abwehr zurück.

Bei der ersten Großchance der Israelis rettete Omoregie (4.), eine Minute später kam er aber zu spät ins Kopfballduell und es schlug bereits im ÖFB-Tor ein. Nach Flanke von Ariel Lugasi segelte ein Kopfball von Tai Abed lange Eck. Die Österreicher hatten bei 28 Grad und Sonnenschein zwar mehr Ballbesitz, die gefährlichere Mannschaft waren aber die Israelis. Ein Lugasi-Schuss landete im Außennetz (19.), auf der Gegenseite klopfte vorerst nur Weixelbraun aus der Distanz an (13.).

Die Österreicher agierten in der Offensive zu unkonkret, nach einem Einwurf gelang Jasic aber noch der Ausgleich. Das WAC-Talent versenkte den Ball vom Strafraumeck. Rapid-Hoffnung Demir hatte Israels Goalie Tomer Zarfati mit einem Kopfball-Versuch irritiert. Für Jasic war es bereits der vierte Treffer im U19-Nationalteam.

Unmittelbar nach einem Demir-Dribbling, bei dem nur der Abschluss nicht passte, lief die ÖFB-Auswahl neuerlich einem Rückstand hinterher: Einen Ballverlust von Leopold Querfeld nutzten die Israelis zu einer ihrer Umschaltsituationen, vor denen Scherb explizit gewarnt hatte. Oscar Gloch bediente Lugasi, der völlig unbedrängt einschoss (29.). Einen Kopfball von Wustinger parierte Zafati (45.+1).

Nach Seitenwechsel wurde Querfeld endgültig zum Unglücksraben: Der Rapid-Verteidiger brachte im Strafraum Roy Revivo zu Fall, den folgenden Strafstoß versenkte Israels Kapitän Ilay Madmon (52.). Zwei Minuten später legte Gloch nach: Nach einem Außenrist-Pass von Abed umkurvte der Spielmacher ÖFB-Goalie Elias Scherf und schupfte den Ball überlegt ins Netz. "Die Konter haben wir schlecht verteidigt", kritisierte Scherb.

Israel vergab durch Abed sogar die Chance auf den fünften Treffer (63.), auf der Gegenseite sorgte der eingewechselte Hoffenheim-Legionär Jakob Knollmüller für Betrieb. Wirklich gefährlich wurden die Österreicher aber erst, nachdem Demir seine Klasse gezeigt und einen Freistoß zum 2:4 im rechten Kreuzeck versenkt hatte. Die ÖFB-Elf schnürte die Israelis am eigenen Sechzehner ein, brachte den Ball aber nicht mehr im Tor unter. Die beste Chance vergab Knollmüller (80.). Scherb: "Wenn er da das 4:3 macht, verlieren wir das Spiel 100-prozentig nicht."

Die Österreicher spielen nun am Samstag (20.00 Uhr/live ORF Sport+) in Banska Bystrica gegen Serbien um Gruppenplatz drei. Die Serben unterlagen England am Mittwochabend im Parallelspiel mit 0:4 (0:2). Die Engländer stehen damit wie Italien und Frankreich in Gruppe A bereits im Halbfinale. Weil die Serben zum Auftakt in der Nachspielzeit ein 2:2 gegen Israel gerettet haben, benötigt der ÖFB-Nachwuchs im Entscheidungsspiel unbedingt einen Sieg, um die WM-Chance zu wahren.

Eine bessere Ausgangsposition wäre definitiv möglich gewesen. "Wir sind selber schuld, es ist niemand anderer verantwortlich", betonte Scherb nach dem Israel-Match. Hauptsächlich sei das seine Aufgabe, meinte der frühere St. Pölten- und Altach-Coach. "Die Spieler haben alles reingehaut, vielleicht haben wir sie falsch vorbereitet oder die falschen aufgestellt. Da ist dann immer der Trainer verantwortlich."

Quelle: Agenturen