ÖEHV-Geschäftsführer: "Haben das Interesse mit Bader zu verlängern"

23. Mai 2022 · Lesedauer 5 min

Mit Roger Bader und Maßnahmen zur Förderung heimischer Spieler will der Österreichische Eishockeyverband (ÖEHV) in die Zukunft gehen. Schon vor dem WM-Abstiegsduell mit Großbritannien am (heutigen) Montag hat sich Verbandspräsident Klaus Hartmann zu Bader bekannt. In einem Gespräch in Tampere freute sich Hartmann über die künftige Liga-Regelung zugunsten österreichischer Spieler, kündigte einen Ausbildungskosten-Ersatz an und sprach sich für einen Mindestlohn für Profis aus.

Frage: Herr Hartmann, wie hat Ihnen die Mannschaft bei der WM gefallen?

Hartmann: "Die Performance des gesamten Teams war absolut beeindruckend,. Wir können alle sehr stolz sein, wie sich Österreich präsentiert. Speziell beeindruckend war, dass es bislang kein Spiel gab, wo wir chancenlos gewesen wären. Die Mannschaft war in der Lage, über die gesamte Spielzeit das Niveau zu halten."

Was heißt das für die Zukunft von Teamchef Bader? Hängt die vom Großbritannien-Spiel ab?

Hartmann: "Wir haben das Interesse, mit Bader zu verlängern. Wir planen auf jeden Fall mit ihm. Wir haben über die gesamte WM bewiesen, dass wir zu den Top 16 gehören. Das kann dann nicht nur an einem Spiel festgemacht werden. Wir wissen, dass Bader großen Anteil am Erfolg hat. Wir hatten vereinbart, dass wir den Fokus auf die WM legen und danach über die Zukunft sprechen."

Soll die Verantwortung künftig auf mehrere Schultern verteilt werden?

Hartmann: "Genau. Roger Bader konzentriert sich schwerpunktmäßig auf das Aushängeschild, die A-Mannschaft, dann auch die U20. Wie man es macht, ob man Bader als Sportdirektor für den gesamten Bereich drübersetzt, da sind wir gerade am Überlegen. Wir holen die U20 und die U17 jetzt wieder von der Liga zum Verband zurück. Da brauchen wir den einen oder anderen verantwortlichen Mitarbeiter, der mit Clubs in Verbindung ist."

Was soll konkret verbessert werden?

Hartmann: "Wir wollen im Bereich U18 abwärts einen zusätzlichen Verantwortungsbereich schaffen. Wir haben große Probleme am Tormann-Sektor, denken über einen Regional-Entwicklungstrainer nach, der nur für die Goalie-Ausbildung zuständig ist. Dort haben wir wirklich Aufholbedarf."

Wie sehen Sie die Regelung, dass ab nächster Saison in der Liga nur noch zehn Legionäre möglich sind?

Hartmann "Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Sie (einheimische Spieler, Anm.) bekommen nicht immer die meiste Eiszeit bei Vereinen. Dann haben sie die Möglichkeit auf einem solchen Level aufzutreten und bringen ansprechende Leistungen. Das müssen die Verantwortlichen sehen, dass wenn sie gefordert werden und Eiszeit bekommen, das Potenzial haben."

Das Thema gibt es seit Jahren - was macht Sie zuversichtlich, dass es wirklich besser wird?

Hartmann "Wir haben Etliches in die Wege geleitet. Es wird definitiv das AKES eingeführt, das Ausbildungs-Kosten-Ersatz-System. Das soll Vereine belohnen, die Ausbildungs- und Nachwuchsarbeit betreiben. Jene, die aus wirtschaftlichen Überlegungen mit mehr Imports arbeiten, zahlen in diesen Topf ein. Ein Verein, der einen Spieler ausgebildet hat, kriegt Geld, solange der Spieler spielt. Die Rooster-Regulation ist im Game-Book der Liga verankert worden. Wir haben die Punkteregel abgeschafft, den Mindset geändert und wollen zwölf einheimische Spieler am Spielbericht haben. Dass es so wie bisher weiter geht, das schließe ich aus."

Wo wollen sie hinkommen? Was ist realistisch?

Hartmann: "Es gibt Vereine, die wenig Nachwuchs-Arbeit betrieben haben und jetzt nicht mitspielen könnten. Natürlich wäre es der Wunsch gewesen, einstellig zu werden. Ursprünglich waren auch acht Ausländer angedacht, aber das wäre noch schwieriger zum Umsetzen gewesen. Wir haben mit der Liga beschlossen, dass es das Ziel ist, weiter zu reduzieren. Was uns schon sehr bewusst, ist: Wir haben eine starke ICE. Spieler, die jetzt bei der WM so gut spielen, können sich auch dadurch, dass die ICE ein sehr gutes Niveau hat, dort entwickeln."

Roger Bader und Thomas Raffl im PULS 24-Doppelinterview vor der WM

Drei Spieler des Nationalteam verdienen unter 15.000 Euro - wie will man schafften, dass sie sich ein Leben leisten können?

Hartmann: "Das ist uns natürlich ein Dorn im Auge, das fällt für mich nicht unter Profi-Sport, wenn ein Spieler 15.000 Euro im Jahr verdient. Da gibt es Bestrebungen, eine Gehalts-Untergrenze und einen Kollektiv-Vertrag einzuführen. Das ist ein Thema, dass mit der Gründung der Younion hoffentlich entschärft wird. Das ist die ureigenste Aufgabe einer Spieler-Gewerkschaft."

Nochmals zurück zur WM: Was haben die Spieler beim Präsidenten rausgeschlagen?

Hartmann: "Es gibt eine Klassenerhaltsprämie, sie betrug bis dato 2.000 Euro brutto. Da ist es mein Ziel, es im Rahmen des Budgets zu erhöhen. Weil es mich beeindruckt, was sie für eine Leistung abgeliefert haben."

Sie haben die Stiftung zur Förderung des österreichischen Nachwuchses aufgelöst. Was wurde mit dem Geld gemacht?

Hartmann: "Die Stiftung hatte festverzinste Wertpapiere im Wert von etwa 1,5 Millionen. In der jetzigen Kapitalmarkt-Situation mit Zins-Niveau null waren da Papiere drinnen, die nichts gebracht haben. Das ist jetzt entsprechend veranlagt worden, wo man hofft, dass eine gewisse Mindest-Verzinsung rausschaut. Wenn wir 5 Prozent per annum erwirtschaften, dann bin ich sehr zufrieden. Wenn jemand ein interessantes Projekt hat, unterstützen wir es nach besten Möglichkeiten. Das ist für Jugendarbeit und Entwicklung vorgesehen."

Quelle: Agenturen / mpa