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Werdenigg teilt Innauer-Bedenken an Frauen-Skifliegen

25. Juli 2022 · Lesedauer 3 min

Nachdem Ex-Skispringer Toni Innauer vor wenigen Tagen "große Risiken" im Zusammenhang mit dem Frauen-Skifliegen zu Bedenken gab und damit eine Debatte auslöste, schlägt Ex-Skifahrerin Nicola Werdenigg nun in dieselbe Kerbe. Die Meinung im Lager der Athlet:innen ist geteilt.

In einem offenen Brief an die FIS kritisierte Anton Innauer, Ex-Aktiver und ÖSV-Sportdirektor für Skisprung und Nordische Kombination, vor wenigen Tagen die Idee des Internationalen Skiverbandes, Frauen 2023 beim Skifliegen in Vikersund starten zu lassen. 

Innauer sieht in dem in heimischen Medien veröffentlichten Schreiben "wichtige biomechanische, medizinische, und ethisch moralische Argumente", die einer solchen Entscheidung entgegenstehen. Vor allem strich der 64-Jährige die möglichen Folgen im Falle eines Sturzes hervor. Dieses "größere Risiko für Frauen ist zu würdigen und zu bewerten", forderte Innauer.

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Die Meinung zu Innauers Bedenken im ÖSV-Lager ist gespalten. Während für die amtierende Gesamtweltcupsiegerin Sara Marita Kramer ein Skiflugbewerb der Damen "aktuell noch nicht die richtige Entscheidung wäre", ist für ihre Teamkollegin Daniela Iraschko-Stolz "die Zeit reif". Die 38-Jährige versteht die Bedenken von Innauer zwar und begrüßt, dass jener diese "schwierige Diskussion" ins Rollen gebracht habe, ist aber dennoch der Meinung, dass man es "jetzt probieren müsse". Die Weltmeisterin von 2011 ist selbst eine der wenigen Frauen, die bereits in den Genuss des Skifliegens kommen durften. 2003 legte sie als erste Frau - als Vorspringerin der Männer-Konkurrenz - einen Sprung über 200 Meter am Kulm hin.

Auf Innauers Seite stellt sich mit Nicola Werdenigg eine ehemalige Sportlerin, die in der Vergangenheit des Öfteren entschieden für Gleichberechtigung im Profi-Sport aufgetreten ist. Die Ex-Skifahrerin, die 2017 im Missbrauchsskandal rund um den ÖSV den Stein ins Rollen brachte, stellt sich auf die Seite von Innauer. Sie geht dabei vor allem auf die physischen Unterschiede zwischen Männern und Frauen ein. "Das Risiko liegt nicht in der Tatsache, dass Frauen technisch nicht in der Lage zum Skifliegen wären. Natürlich können Frauen das ebenso wie Männer", schreibt Werdenigg.

Werdenigg: Sicherheits-Thema, kein Gleichbehandlungs-Thema

"Das Problem: Frauen sind im Fall eines Sturzes einem höheren Verletzungsrisiko ausgesetzt als Männer." Durch die geringere Sprungkraft und den geringeren durchschnittlichen Anteil der Muskulatur bezogen auf das Körpergewicht, müssen Frauen mit höherer Geschwindigkeit anfahren um in eine Flugphase zu gelangen. Dies bedeute auch einen höheren Luftstand und somit ein höheres Risiko im Falle eines Sturzes, wie Werdenigg in ihrem Tweet weiter ausführt.

Ihr Fazit lautet daher: "Frauen-Skifliegen ist kein Gleichbehandlungs-Thema, es ist ein Sicherheits-Thema, das vorab gründlich erforscht werden muss. Am besten auch von Frauen aus unterschiedlichen Disziplinen." Sie plädiert dennoch zu hundert Prozent dafür, dass Frauen selbst entscheiden sollten, ob sie sich dem Risiko aussetzen wollen oder nicht.

Viel Zuspruch für Innauer

Während sich von aktiver Seite neben Iraschko-Stolz vor allem die Deutsche Katharina Althaus für das Damen-Skifliegen stark macht, stoßen Innauers Bedenken anderorts auf Zustimmung. Der langjährige DSV-Trainer Werner Schuster sieht sich in der Debatte "näher bei Toni Innauer" und lobt diesen für seinen Mut, das Thema öffentlich anzusprechen. Der sportliche Leiter des ÖSV, Mario Stecher findet das Statement von Innauer "absolut richtig", stellt sich als Vorsitzender des FIS-Kalenderkomitees jedoch auch hinter den "einstimmigen Beschluss" der Mitglieder. Politologe Peter Filzmaier verfolgt die Diskussion interessiert und verweist per Twitter auf Werdeniggs Ausführungen.

Maximilian PatakQuelle: Redaktion