APA - Austria Presse Agentur

Nadal mit 34 noch immer zu Steigerung fähig

12. Okt 2020 · Lesedauer 3 min

Diese Leistung im Finale der French Open gegen die Nummer 1 der Welt wird nicht nur den beiden Protagonisten, sondern auch Tennis-Fans lange in Erinnerung bleiben: Rafael Nadal spielte mit 34 Jahren sein vielleicht bestes Match, vor allem in den Sätzen eins und zwei: 6:0,6:2,7:5 gegen Novak Djokovic (SRB). Der Spanier holte trotz geänderter Bedingungen wie herbstlich kaltem Wetter und einer neuen Ballmarke, die seinem Topspin nicht entgegenkommt, seinen 13. French-Open-Titel.

Es bedeutet auch, dass Nadal mit Roger Federer gleichzog und nunmehr selbst bisher 20 Major-Titel gewonnen hat. Der Schweizer gratulierte umgehend voller Respekt. "Unsere positive Beziehung bedeutet mir viel, weil wir seit sehr langer Zeit eine tolle Rivalität haben", freute sich Nadal über die Glückwünsche. Nadal steht in der Pole Position, in Sachen Major-Siege der "Größte aller Zeiten" zu werden. Federer, der 2021 40 Jahre jung wird, wird nicht mehr viele Möglichkeiten bekommen, ein weiteres der vier Grand-Slam-Turniere zu gewinnen. Und Djokovic mit weiterhin 17, hat nun eben schon drei Triumphe "Rückstand".

Die Coronakrise hat weltweit alles verändert, auch im Tennis: Große Einschränkungen für die Spieler, im Vergleich nur einer Handvoll Fans, Masken und Hygienemaßnahmen und auch für Sandplatzkönig Nadal nur sehr wenig Spielpraxis. Und gerade für Nadal, der Veränderungen hasst, dessen Getränke auf dem Platz immer in gewissem Abstand stehen müssen, der keine Linien betritt, war die Ausgangslage in seinem "umgebauten" Wohnzimmer sehr schwer. Doch einmal König, "immer" König. Wenn diesmal auch bei der Siegerehrung mit rosa Mund-Nasen-Schutz samt eigener Silhouette darauf.

Das hat der 34-jährige Mallorquiner eindrucksvoll bewiesen: Nicht nur in seinem vielleicht besten Match, sondern auch mit dem Titelgewinn ohne Satzverlust. Der so bescheidene Nadal gab zu: "Zweieinhalb Sätze lang habe ich großartig gespielt. Ich kann nichts Anderes sagen. Man kann so ein Ergebnis gegen ihn nicht haben, wenn das nicht der Fall ist."

Die von Nadal gerne heruntergespielte Frage nach dem Major-Rekord, beantwortete der Spanier klar. "Ich habe nie verschwiegen, dass ich meine Karriere gerne mit den meisten Slams beenden würde. Aber ich muss es auf meine Weise machen. Ich denke nicht die ganze Zeit daran, Novak hat da, Roger hat dort gewonnen. Man kann nicht immer unglücklich sein, weil der Nachbar das größere Haus, das größere Boot oder das bessere Telefon hat", so Nadal. Man müsse doch sein eigenes Leben leben.

"Ich hatte Zweifel vor dem Turnier, die Vorbereitung war nicht optimal", bekräftigte Nadal am Ende noch einmal. "Aber Zweifel sind gut, sie helfen einem, bescheiden zu bleiben. Mein Selbstvertrauen wurde aber von Tag zu Tag größer."

Bei 20 Grand-Slam-Titeln (13 in Paris, 4 in New York, 2 in Wimbledon und 1 in Melbourne) muss es für einen fitten Nadal nicht bleiben. Spätestens beim übernächsten Grand Slam - in weniger als acht Monaten erneut in Paris - wird er wieder Top-Favorit sein.

Der ihm unterlegene, immerhin auch schon 17-fache Major-Sieger Novak Djokovic war voll des Lobs für Nadal. "Er ist phänomenal. Er hat ein perfektes Match gespielt, vor allem in den ersten zwei Sätzen", sagte der 33-jährige Serbe respektvoll.

Nadal weiß nun gar nicht, wie es mit ihm weitergeht. Denn, ob er den weißen Fleck in seiner Erfolgskarte, einen Titel bei den ATP Finals, zum Ziel erkläre, konnte er so nicht beantworten. "Ich kenne meinen weiteren Spielplan nicht. Ich habe mich noch nicht entschieden, ob ich den normalen Kalender weiterspiele oder ob ich bis nächstes Jahr pausiere."

Quelle: Agenturen