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Netanyahu sagt Reise in Vereinigte Arabische Emirate ab

11. März 2021 · Lesedauer 2 min

Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu hat einen für Donnerstag geplanten Besuch in den Vereinigte Arabischen Emiraten kurzfristig abgesagt. Dem Büro des Regierungschefs zufolge gab es am Donnerstag Schwierigkeiten bei der Koordinierung des Flugs im jordanischen Luftraum. Es werde nach einem neuen Termin gesucht. Die nie offiziell bestätigte Reise wäre die erste eines israelischen Regierungschefs in die Emirate gewesen.

Grund für die Koordinierungsprobleme sei die Absage des Besuchs des jordanischen Kronprinzen auf dem für Juden und Muslimen heiligen Tempelberg (Al-Haram al-Sharif/Das edle Heiligtum) in Jerusalem wegen Meinungsverschiedenheiten über die Sicherheitsvorkehrungen gewesen, hieß es aus dem Büro des israelischen Regierungschefs. Netanyahu und Kronprinz Mohammed bin Zayed al-Nahyan, faktischer Herrscher der VAE, hätten vereinbart, nach einem neuen Termin zu suchen. Jordaniens Außenminister Ayman Safadi sagte in Paris, man sei überrascht gewesen, als Israel neue Vorkehrungen wollte, die Bewohner Jerusalems hätten einschränken können. Daher habe sich der Kronprinz zur Absage entschieden.

Aus dem Büro Netanyahus hieß es weiter, die Genehmigung Jordaniens zum Überflug der Maschine des Regierungschefs sei am Mittag zwar noch erfolgt. Angesichts eines geplanten Besuchs der Ministerpräsidenten Ungarns und Tschechiens, Viktor Orban und Andrej Babis, am späteren Donnerstagnachmittag in Israel sei aber auf den Flug in die Emirate verzichtet worden. Thema des Treffens soll vor allem die Kooperation bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie sein. Tschechien will eine Botschafts-Außenstelle in Jerusalem einrichten.

Die Reisepläne Netanyahus waren zuvor nicht offiziell bestätigt worden. Nach übereinstimmenden israelischen Medienberichten hatte der 71-Jährige den Kronprinzen in Abu Dhabi treffen wollen. Es wäre die erste Reise eines israelischen Regierungschefs in den Staat gewesen. Sie war Berichten zufolge bereits mehrfach verschoben worden.

Israel und die Emirate hatten fast genau vor einem halben Jahr die Aufnahme diplomatischer Beziehungen beschlossen. Die Golfstaaten rückten damit von der jahrzehntelangen Linie arabischer Regierungen ab, Beziehungen mit Israel zu verweigern, solange der Konflikt mit den Palästinensern nicht gelöst ist. Im Gegenzug kündigte Israel an, die Annektierung von Gebieten im besetzten Westjordanland auszusetzen, das die Palästinenser für einen eigenen Staat beanspruchen. Deren Führung und andere arabische Staaten kritisierten die Abkommen scharf und sprachen von "Verrat".

Beobachter stuften die Annäherung der beiden Länder als historisch und klaren außenpolitischen Erfolg Netanyahus ein. In knapp zwei Wochen wird in Israel gewählt. Der 71-Jährige will erneut Ministerpräsident werden.

In der Nacht auf Donnerstag war Netanyahus Gattin Sara mit einer Blinddarmentzündung in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Die 62-Jährige muss für mehrere Tage in der Hadassah-Klinik in Jerusalem bleiben. Benjamin Netanyahu war Berichten zufolge bei den Untersuchungen an ihrer Seite.

Quelle: Agenturen