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Wöber köpfelt Salzburg zu 1:0-Sieg gegen Sturm

13. März 2022 · Lesedauer 5 min

Das Titelrennen in der Fußball-Bundesliga scheint schon nach der ersten von zehn Runden der Meistergruppe entschieden. Serienmeister Red Bull Salzburg ringt seinen bis dahin ersten Verfolger Sturm Graz am Sonntag zu Hause mit 1:0 (0:0) nieder und führt nun elf Punkte vor der Wiener Austria und zwölf vor Sturm. Das Goldtor erzielt Maximilian Wöber (55.).

Salzburg gelang damit trotz Anlaufschwierigkeiten Wiedergutmachung für das 1:7 beim Champions-League-Aus bei Bayern München.

Salzburg-Trainer Matthias Jaissle setzte vor lediglich 8.945 Zuschauern auf seine bestmögliche Formation. Anstelle des mit einer Muskelverletzung aus dem Bayern-Spiel ausgefallenen Mohamed Camara rückte Nicolas Seiwald auf die defensivste Mittelfeld-Position und Luka Sucic ins Team. Im Angriff agierte erneut Junior Adamu neben Karim Adeyemi, Noah Okafor saß nach seiner Verletzungspause vorerst auf der Ersatzbank.

Sturm dominiert zu Beginn 

In der Anfangsphase spielte aber nur Sturm. Die Grazer, mit fünf Ex-Salzburgern in der Startformation, setzten den Favoriten unter Druck. Die Bullen wirkten fünf Tage nach dem Bayern-Debakel verunsichert wie lange nicht. Erst nach 15 Minuten bekam Salzburg einigermaßen Zugriff auf die Partie, Sturm gestaltete sie aber weiterhin mehr als ausgeglichen. Nach einem Ballgewinn des starken Dante gegen Adeyemi schoss Jakob Jantscher aus einem Gegenstoß knapp daneben (22.).

Auf der Gegenseite vergab Adamu einen Volley nach Flanke von Kapitän Andreas Ulmer (16.), ein sehenswerter Treffer von Adeyemi zählte wegen Abseits nach VAR-Studium nicht. Der deutsche Teamspieler war bei der Ballabgabe von Brenden Aaronson mit der Schuhspitze vorne (26.). Adeyemi köpfelte zudem eine Freistoßflanke von Sucic knapp am langen Eck vorbei (40.), die Statistik wies vor der Pause jedoch 4:1 Schüsse aufs Tor für Sturm aus.

Wöber macht Bayern-Spiel vergessen 

Den Treffer machte nach Seitenwechsel allerdings Salzburg - ausgerechnet durch Wöber. Nach einem Lattenkopfball seines Innenverteidiger-Kollegen Oumar Solet nach einem Corner verwertete der 24-Jährige den Abpraller aus kurzer Distanz ebenfalls per Kopf. Die Pleite gegen die Bayern hatte Wöber mit zwei verursachten Elfmetern gegen Robert Lewandowski noch miteingeleitet.

Sturm hätte zwei Minuten später beinahe die Chance bekommen, zurückzuschlagen. Seiwald war der Ball im eigenen Strafraum an die Hand gesprungen. Schiedsrichter Dieter Muckenhammer zeigte auf den Elfmeterpunkt, nahm die Entscheidung nach Video-Studium aber als nicht strafbares Handspiel zurück (60.). Wenig später schoss Adeyemi knapp am langen Eck vorbei (65.).

Von Sturm war in der zweiten Hälfte offensiv lange wenig zu sehen, Salzburg spielte seine Konter aber ebenfalls nicht gut zu Ende. Der vorzeitigen Entscheidung war der wie Okafor eingewechselte Benjamin Sesko am nächsten, er traf nach Sucic-Zuspiel nur die Latte (79.). Auf der Gegenseite hielt Torhüter Philipp Köhn die drei Punkte mit einer Parade gegen Rasmus Höjlund fest (89.). Glück benötigte Salzburg aber vor allem bei einer weiteren Elfmeter-Situation. Muckenhammer nahm nach Video-Ansicht neuerlich einen Strafstoß zurück, nachdem Ulmer der Ball an der Strafraumgrenze vom Oberschenkel an die eigene Hand gesprungen war (91.).

Sechster RBS-Sieg in Folge gegen Sturm 

Salzburg gewann damit auch den sechsten Pflichtspiel-Vergleich in Folge mit Sturm. Von ihren jüngsten 22 Liga-Heimspielen haben die Bullen 20 gewonnen und zweimal Remis gespielt. Sturm dagegen kassierte die erste Niederlage nach davor sieben ungeschlagenen Ligaspielen. Erstmals in dieser Bundesliga-Saison gelang den Grazern in einem Auswärtsspiel kein Treffer. Seit der Winterpause stehen für das Team von Christian Ilzer nun ein Sieg, drei Remis und eine Niederlage zu Buche.

Die Stimmen zum Spiel 

Matthias Jaissle (Salzburg-Trainer): "Es war ein sehr schwieriges Spiel - und nicht selbstverständlich für meine junge Mannschaft, auf dem Punkt da zu sein nach diesem bitteren Abend in München. Wir haben aber den Kampf in diesem Topspiel angenommen und trotz der strittigen Elfmeterentscheidungen war es am Ende ein verdienter Sieg. Sturm Graz hat es richtig gut gemacht, sie haben uns hoch attackiert. Wir haben es versäumt, die Räume effektiv zu bespielen. Aber jeder, der einmal Fußball gespielt hat, weiß, wie schwierig es ist, nach so einer Niederlage wieder aufzustehen."

Christian Ilzer (Sturm-Trainer): "Es war eine gute Leistung meiner Mannschaft, aber am Ende mit einer knappen Niederlage. Es war eine starke Anfangsphase, in der wir uns mit ein oder sogar zwei Toren hätten belohnen können. Wir haben die Situationen leider nicht mit gewohnter Konsequenz fertiggespielt. Salzburg ist dann besser geworden. Beim Gegentor waren wir zu wenig konsequent und konzentriert. Wir haben dann trotzdem riskiert, Salzburg hatte mehr Räume. Zum Schluss ist es dann noch einmal eng geworden, da waren wir einmal brandgefährlich."

Zu den aberkannten Elfmetern: "Der Schiedsrichter hat nach guter Sicht zweimal Elfmeter gegeben, aber offensichtlich haben sich da in Wien in einem Kämmerlein Leute wichtig gemacht. Die zweite Situation war für mich auf jeden Fall ein Elfmeter, weil Jantscher in der Eins-gegen-Eins-Situation mit dem 'Eisenbahner-Schmäh' an Ulmer vorbei gewesen wäre und zum Abschluss gekommen wäre."

Maximilian Wöber (Salzburg-Torschütze): "Es war nach diesem Ergebnis in der Champions League enorm wichtig, dass wir heute diese Antwort gegeben haben - noch dazu im ersten Spiel des Meister-Play-offs gegen den unmittelbaren Gegner. Beim Tor habe ich am schnellsten geschaltet und dann nicht mehr viel machen müssen, um ihn reinzuhauen. Nach so einer absoluten Schweinspartie (gegen Bayern) ist das schon ein Faktor, um sich wieder nach vorne zu pushen. Es gibt mir jetzt wieder richtig einen Schub und auch das nötige Selbstbewusstsein, aber ich bin in einem Alter und habe bereits genug erlebt, wie ich damit umgehen kann. Sturm war richtig unangenehm, absolut auf Augenhöhe. Es war ein offener Schlagabtausch."

Quelle: Agenturen