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Johnny Ertls EM-Tagebuch: Robert Martinez ist der Architekt hinter Belgiens Erfolg

02. Juli 2021 · Lesedauer 3 min

PULS 24 Experte Johnny Ertl analysiert täglich während der EURO 2020 exklusiv aktuelle Themen rund um die Europameisterschaft. Dieses Mal spricht der Ex-Nationalspieler über sein Treffen mit Belgiens Trainer Roberto Martinez und dessen Fähigkeiten als Trainer.

Schon in meiner Zeit in England galt Belgiens Nationalteamtrainer Roberto Martinez als ehrgeiziger und aufstrebender junger Manager. Ich durfte ihn im Zuge eines Lehrganges im St. Georges Park in England kurz kennenlernen. Ein feiner und charismatischer Denker und Stratege, der nach seine Stationen bei Swansea, Wigan und Everton, 2016 beim belgischen Fußballverband landete, um die goldene Generation rund um Kevin de Bruyne zu fördern und zu formen.

Sein Karriereplan hatte es sicher nicht vorgesehen, mehr als vier Jahre dieses Team zu coachen, weil er immer das "Day-to-Day"-Business eines Vereines geliebt hat. Uns sagte er immer, dass er als Trainer jedem Spieler ans Herz legt, selbst in die Rolle eines Coaches zu schlüpfen. Es geht darum, eine höhere Spielintelligenz und ein besseres Verständnis für das Training und den Ablauf zu bekommen. In den Spielen verstehe man dadurch taktische Abläufe besser und vor allem Führungsspieler könnten davon profitieren.

Martinez setzt auf Kontinuität

Sein Erfolgsrezept ist die Kontinuität. Das 3-4-3-System hat sich in den Köpfen der Spieler manifestiert. Jeder weiß, was ihn im belgischen Nationalteam erwartet. Martinez spielt mit einem eher defensiv orientierten Flügelspieler auf der rechten Seite und einer offensiv starken Waffe auf der gegenüberliegenden linken Flügelseite.

Er greift auf ein langfristig gefestigtes Team zurück und weiß um die wichtigste Eigenschaft als Nationalteamtrainer Bescheid: eine Atmosphäre zu schaffen, die den Spielern Sicherheit und Halt gibt, sowie ähnliche Abläufe wie auf Klub-Ebene zu schaffen und sich noch intensiver mit seinen Spielern auseinanderzusetzen.

Botschafter einer neuen Generation

Die Spieler sehen sich als Botschafter einer neuen Fußballergeneration in Belgien. Eine ungemein diverse Gruppe aus unterschiedlichsten Bevölkerungsschichten besticht durch ihren immensen internen Zusammenhalt. Ein wunderbarer Appell an die gesamte Welt. Mein persönliches "Belgien Special" über Roberto Martinez und seine "Red Devils", die heute im Blockbuster als Hauptabendprogramm - bitte dazu meinen gestrigen Tagebucheintrag lesen - in München auf Italien treffen.

Aber Achtung, da gibt es doch eine Parallele: nennt sich der Coach der Squadra Azzurra ja auch Roberto. Roberto gegen Roberto also, ein Duell der Unbezwingbaren? Eine Serie muss heute reißen, egal welche. Die letzte Niederlage liegt für beide Clubs schon lange zurück. Der erfrischende italienische Angriffsfußball gegen das gefestigte und sehr erfahrene belgische Team. Ein für mich vorgezogenes Finale. Ich hatte beide Teams als Titelkandidaten auf meinem Spickzettel.

Johnny ErtlQuelle: Redaktion