Hooligan-Randale in Graz - Feyenoord-Fans niedergestochen

28. Okt. 2022 · Lesedauer 4 min

Rund um den Europa League-Sieg von Sturm Graz gegen Feyenoord Rotterdam kam es in Graz zu Ausschreitungen. Neben Körperverletzungen im Stadion kam es zu einer Messerattacke in der Grazer Innenstadt, Niederländer befinden sich im Spital, die österreichischen Tatverdächtigen sind in Haft.

In der 93. Minute brachen am Donnerstagabend im Grazer Liebenau-Stadion die Dämme. Der monatelang verletzungsgeplagte Otar Kiteishvili bescherte Sturm Graz mit seinem Treffer in der Nachspielzeit einen 1:0 (0:0)-Sieg gegen Feyenoord Rotterdam, der das Tor zum Aufstieg weit öffnete. "Der Moment, als Otar das Siegestor schießt, ist einer der schönsten meiner Trainerkarriere", sagte Trainer Christian Ilzer und sprach von einem "extrem emotionalen Sieg."

Massive Sachbeschädigung

Vor, während und nach dem UEFA Europa League-Spiel zwischen Sturm Graz und Feyenoord Rotterdam ist es in der steirischen Landeshauptstadt zu Ausschreitungen vor allem seitens der niederländischen Fans gekommen. Die "Anhänger" der Gäste setzten Pfefferspray gegen die Polizei ein, die ihrerseits mit Pfeffersprayeinsatz reagierte. Hinzu kommen teils massive Sachbeschädigungen.

Gerald Pototschnig, Leiter des Sportstätten Management bei der Stadion Graz Liebenau GmbH, sagte auf APA-Nachfrage, dass er so etwas in 42 Jahren Tätigkeit im Sport noch nicht erlebt habe: "So etwas hat es in Graz noch nie gegeben, egal welche Fans da waren." Im Stadion sei besonders der Sektor 27, der für Auswärts-Fans reserviert ist, betroffen: "Die gesamten Sanitäranlagen sind da vollkommen zerstört." Hinzu kommen Schäden bei den WC-Anlagen in der erst neu errichteten Eishalle B, durch die die Fans in ihren Sektor geleitet wurden. Der folgende Wasseraustritt hat zu massiven Schäden geführt - unter anderem im darunterliegenden Fitnessstudio. Wasser drang sogar bis auf die Eisfläche vor, so Pototschnig.

Auf Twitter präsentieren die Ultras von Feyenoord Rotterdam die Verwüstung in der steirischen Landeshauptstadt:

Pyrotechnik am Hauptplatz

Bereits am Mittwoch, dem österreichischen Nationalfeiertag, waren einige Fans aus Rotterdam nach Graz angereist und sorgten mit Pyrotechnik für Wirbel in der Innenstadt. Ein ähnliches Bild war dann auch am Donnerstagnachmittag zu sehen: Feyenoord-Fans zündeten am Hauptplatz bengalische Feuer und zogen dann Richtung Stadion. Am Weg dorthin sorgten sie für mehrere Sachbeschädigungen.

Nach dem Spiel kam es in der Grazer Innenstadt zu einem Vorfall mit Stichwaffen:  Zwei Niederländer wurden mit Stichverletzungen in das LKH Graz gebracht und seien noch in Behandlung, hieß es Freitagvormittag seitens der Polizei. "Vier dringend tatverdächtige Österreicher befinden sich in Haft. Ermittlungen sind im Gange."

Auseinandersetzung mit Polizei

Während am Feld das Duell der Mannschaften ausgetragen wurde, kam es auch zu vereinzelten Ausschreitungen zwischen den Fans. Nach Spielende bewarfen die niederländischen Anhänger dann Polizistinnen und Polizisten mit Gegenständen und verwendeten Pfefferspray. Auch die Polizei musste daher mehrfach Pfefferspray einsetzen, hieß es in einer Aussendung am Freitag. Sowohl im als auch rund um das Stadion wurden teils massive Sachbeschädigungen wahrgenommen.

Videos von den Aufräumarbeiten im Stadion nach dem Match zeigen völlig zerstörte WC-Anlagen mit zertrümmerten oder komplett weggerissenen Toiletten und Pissoirs. Die Keramik wurde offenbar in den WC-Räumlichkeiten, teils aber auch außerhalb am Boden zerschmettert, Türen dürften über Geländer mehrere Meter weit hinuntergeworfen worden sein. Mehrere Fans und Polizistinnen und Polizisten wurden beim Abstrom der Anhänger nach Ende des Spiels verletzt. In der Nacht ging der Wirbel weiter. Die Polizei war am Vormittag noch mit der Aufarbeitung und Dokumentation sämtlicher Vorfälle beschäftigt. Offenbar kam es auch zu einem Messerangriff unter den Fans - genaueres war dazu aber vorerst noch nicht bekannt.

Eine Schätzung über die Höhe der Schäden will man vorerst noch keine abgeben, das müssen erst Gutachter feststellen. Die Stadion Graz Liebenau GmbH, die zu 100 Prozent im Eigentum der Stadt Graz steht, managt unter anderem die Merkur Arena sowie die Eishallen. Die entstehenden Sanierungskosten werde man dem Veranstalter, der in diesem Fall der SK Sturm Graz ist, in Rechnung stellen.

Quelle: Agenturen / frn