APA - Austria Presse Agentur

Heimvorteil dahin - Auswärtsteams ohne Fans erfolgreicher

Juni 16, 2020 · Lesedauer 2 min

Die Maßnahmen gegen das Coronavirus haben Fußball-Teams um ihren Heimvorteil gebracht. Das belegen Zahlen aus Österreich und Deutschland zu den laufenden Geisterspielen. In der heimischen Bundesliga etwa gab es in den ersten 24 Partien ohne Zuschauer nach der Corona-Pause lediglich sechs Heimsiege. Mehr als die Hälfte aller Spiele - nämlich 13 - wurden vom jeweiligen Auswärtsteam gewonnen.

Vor Publikum hatte das noch etwas anders ausgesehen. Zwar gab es im vor den Corona-Maßnahmen abgeschlossenen Grunddurchgang in der Bundesliga bereits mehr Auswärts- (52) als Heimsiege (47), der Unterschied war aber deutlich weniger signifikant. In der vergangenen Saison (inkl. Europacup-Play-off) hatten die Heimteams mit 79 Erfolgen gegenüber 70 der Auswärtsmannschaften noch die Nase vorne.

Im deutschen Oberhaus stellte das Fehlen des Publikums das Geschehen noch deutlich stärker auf den Kopf. Dort hatten in dieser Saison 43 Prozent der 223 vor dem Corona-Shutdown ausgetragenen Spiele mit einem Heimsieg geendet. In den 56 bisher über die Bühne gegangenen Geisterspielen fiel dieser Wert auf 21 Prozent. Den lediglich zwölf Heimsiegen ohne Zuschauer stehen 28 Remis und 16 Auswärtssiege gegenüber.

Nur zwölf Siege für Heimteams bei einem Referenzwert von 56 Partien hatte es laut Angaben des US-Datenanbieters Gracenote in der 58-jährigen Geschichte der deutschen Bundesliga (seit 1963) erst einmal gegeben, nämlich im Dezember 2009. Die deutschen Heimmannschaften erzielen in dieser Saison ohne Fans im Rücken auch deutlich weniger Tore - 1,23 pro Spiel gegenüber 1,74 vor den Zutrittsbeschränkungen.

Die Gracenote-Daten für Deutschland zeigen zudem, dass in Geisterspielen weniger Schüsse abgegeben werden, weniger Torhüteraktionen und Dribblings stattfinden - dafür mehr Pässe. "Die Leistungsdaten weisen darauf hin, dass die Spieler womöglich unterbewusst öfter entscheiden, einen Pass zu spielen als eine Aktion zu versuchen, bei der die Fans normalerweise aufspringen würden", meinte Gracenotes Sportanalyse-Chef Simon Gleave gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Quelle: Agenturen