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Hans Knauß über ÖSV: "Das ist Steinzeit, was wir haben"

17. Jan. 2023 · Lesedauer 3 min

Der Ex-Ski-Star sorgt sich um das Speed-Team und sieht ein großes Problem beim ÖSV.

Österreichs Ski-Männern stehen die wichtigsten Wochen des Winters bevor. Zuerst die Spektakel in Kitzbühel und Schladming vor heimischem Publikum, dann die Weltmeisterschaft in Courchevel/Meribel (6.-19.2.). Die Erfolgsquote des ÖSV-Teams war vor den Saison-Highlights jedoch schon einmal größer.

Zwei Siege durch Vincent Kriechmayr in den Abfahrten in Gröden und Bormio sowie sieben weitere Podestplätze (5x Zweiter, 2x Dritter/beide Matthias Mayer) lautet die bisherige Ausbeute des Winters. Gerade im Speed-Team ist nach dem Rücktritt von Matthias Mayer und einigen verletzungsbedingten Ausfällen die Zahl der Siegesanwärter mehr als überschaubar.

"Ich mache mir Sorgen ums Speed-Team", sagt Hans Knauß, einst einer von Österreichs besten Skifahrern. Warum nicht mehr Talente in den Weltcup nachkommen und welches große Problem der ÖSV hat, erklärt Knauß in einem Interview mit Laola1.

Mayer-Rücktritt war "typisch Mayer"

Auf die Frage, wie er den spontanen Rücktritt von Matthias Mayer beurteile, sagt Knaus: "Es war für mich klar, dass er es genau so machen wird. Die ersten fünf Minuten habe ich auch gedacht: Spinnt der jetzt?, aber dann habe ich mir gedacht: typisch Mayer!" Gleichzeitig sehe er bei Vincent Kriechmayr kein Problem, nun die "Vater-Rolle" einzunehmen.

Sorgen um ÖSV-Speedteam

Trotzdem mache er sich Sorgen um das ÖSV-Speedteam: "Gerade wenn du nicht so viele Siegesanwärter hast, sind diese Ausfälle brutal schmerzlich. Der Sport ist extrem gefährlich und wenn es wieder einen zerlegt, dann stehst du blass da." Der breite Kader sei immens wichtig, umso mehr freut er sich über Daniel Hemetsberger und dass er sich nach seiner Verletzung vom Mitfahrer zum Mitfavoriten entwickelt habe.

"Aber der ÖSV schafft es nicht, die zweite Garnitur näher heranzubringen.", meint Knauß weiter. Es wäre in Zukunft wichtig, die Läufer der zweiten und dritten Gruppe gemeinsam mit der Topgruppe nach oben zu bringen. Sich gegenseitig nach oben zu pushen, habe sie damals stark gemacht. 

Kritik an Statuten

Das Problem liegt daran, dass man nicht genug Leute habe, die unter 80 FIS-Punkte (Wert darunter Voraussetzung für Weltcup-Start) haben, weil die Zuschlagspunkte-Regelung bei FIS- und Europacup-Rennen geändert wurden. Das hat auch zu nur fünf Startern in Bormio geführt. "Da habe ich fast angefangen zu weinen. Vergiss den Europacup, ich kann das nicht mehr hören. Da haben wir 25-Jährige, die schon ewig dort fahren – wozu?", kritisiert Knauß die Statuten.

Der ÖSV hat in den letzten Jahren immer gesagt, wir sind die beste Ski-Nation der Welt. Nein! Wir haben Bereiche, da sind wir nicht mehr die Besten.

Hans Knauß

ÖSV lebt in der "Steinzeit"

Das Heranführen der jungen Generation sei für den 51-Jährigen eine Herzensangelegenheit, weswegen er Kritik an den ÖSV nicht auslassen kann: "Das ist Steinzeit, was wir da haben. Das ist genau gleich wie damals, als ich jung war. Aber die Zeiten haben sich geändert. Ich habe jetzt auch nicht die Patentlösung, aber man muss die Programme verändern und das neu aufstellen. Das Niveau bei uns ist immer eher gesunken bzw. nicht mitgewachsen. Ich sage nicht, dass die alle einen schlechten Job machen, aber wir müssen es ändern."

Quelle: Redaktion / tgo