APA - Austria Presse Agentur

Hamilton siegt auf drei Reifen in Silverstone

02. Aug 2020 · Lesedauer 4 min

Lange hatte es am Sonntag in Silverstone nach einem lockeren Mercedes-Doppelsieg ausgesehen, am Ende brauchte Lewis Hamilton eine heftige Dosis Glück. Nach einem Reifenschaden rettete der Formel-1-Weltmeister in der letzten Runde 5,8 Sekunden Vorsprung auf Max Verstappen im Red Bull. Dritter war Ferrari-Zukunftsaktie Charles Leclerc, Valtteri Bottas hatte schon davor einen Reifenschaden gehabt.

Für Hamilton war es der siebente Heimsieg in Großbritannien und der insgesamt 87. Erfolg seiner Karriere. Die Rekordmarke Michael Schumachers von 91 Siegen rückt für den 35-Jährigen immer näher. In der WM-Wertung führt Hamilton nun 30 Punkte vor seinem Teamkollegen Bottas, bei dem im Finish ebenfalls ein Reifen den Dienst quittierte. Der Finne, der bis dahin das gesamte Rennen auf dem zweiten Platz hinter Hamilton gefahren war, fiel noch aus den Punkterängen und wurde nur Elfter.

"Auf der Geraden hat der Reifen schlapp gemacht. Das war so ein Moment, wo das Herz fast stehenbleibt", sagte Hamilton. Wie auch bei Bottas war bei seinem Auto der linke Vorderreifen betroffen, am Ende hatte sich der fast komplett von der Felge gewickelt. "Ich habe nur gebetet, es irgendwie noch hinzubekommen. Ich habe definitiv noch nie auf der letzten Runde so etwas erlebt." Dabei sei er am Ende eigentlich ganz entspannt gewesen.

Bei Verstappen, der sonst in einem ereignislosen Rennen gefangen war, keimte nur kurz noch einmal die Hoffnung auf den Sieg auf. Der Niederländer fuhr an die Box, um sich noch die schnellste Rennrunde zu sichern, dann erfuhr er vom Reifenplatzer bei Hamilton. Der Vorsprung seines Konkurrenten war aber zu groß. "Im Rennen waren sie natürlich zu schnell", sagte Verstappen über die Mercedes-Übermacht. "Aber Platz zwei ist ein gutes Ergebnis."

Auch Leclerc freute sich über das Optimum. "Es war ein sehr schwieriges Rennen. Wir haben das beste Resultat geholt, das wir heute holen konnten", meinte der Monegasse. Der Ferrari "kann noch nicht sein Potenzial abrufen, aber wir sind zufrieden mit diesem Podium".

Bei Red Bull und Ferrari gab es allerdings einen großen Performance-Unterschied zwischen den beiden Fahrern. Alexander Albon, der für Thailand startende Red-Bull-Pilot, musste sich auch wegen einer Fünf-Sekunden-Strafe mit dem achten Platz begnügen. Bei Ferrari lahmte das Auto von Sebastian Vettel, schon das ganze Wochenende hatte der Deutsche mit technischen Problemen zu kämpfen. Im Rennen fand er nie seinen Rhythmus, als Zehnter erbeutete er gerade mal einen Punkt.

Dass es am Ende noch einmal spannend wurde, hatte auch mit zwei Safety-Car-Phasen früh im Rennen zu tun. Auch die verhinderten, dass das Mercedes-Duo einen größeren Vorsprung herausfahren konnte. Zunächst musste der Tempomacher nach einem Unfall von Kevin Magnussen und Albon nach dem Start auf die Strecke, wenig später machte ein schwerer Einschlag von Daniil Kwjat in die Streckenbegrenzung den zweiten Einsatz des Mercedes AMG GT-R notwendig. Der Russe blieb dabei aber unverletzt.

Für Racing-Point-Ersatzpilot Nico Hülkenberg war das Rennen bereits vor dem Start zu Ende. Am Auto, das der Deutsche von dem mit dem Coronavirus infizierten Sergio Perez übernommen hatte, wurde am Sonntag ein gröberes technisches Problem entdeckt. In der Boxengasse schafften es die Mechaniker nicht mehr, den Wagen zum Starten zu bringen. "Es ist natürlich bitter", sagte der Rheinländer zerknirscht.

Hülkenberg wird aller Voraussicht nach auch nächste Woche in Silverstone den zweiten Racing Point lenken. Eine finale Entscheidung werde aber erst am Mittwoch oder Donnerstag fallen, verriet Teamchef Otmar Szafnauer. Erst dann werde feststehen, ob der Mexikaner Perez von den Ärzten die Freigabe bekommt, um ins Cockpit zurückzukehren.

Renault legte unterdessen wie erwartet zum dritten Mal offiziellen Protest gegen die Autos von Racing Point ein. Auch nach dem Großbritannien-Grand-Prix in Silverstone beanstandete das Werksteam aus Frankreich, dass mehrere Komponenten der Racing-Point-Wagen verbotenerweise Kopien jener Teile seien, die Mercedes im Vorjahr verwendet hatte.

Der Internationale Automobilverband (FIA) hat bis jetzt keine Entscheidung getroffen, ob das Vorgehen von Racing Point durch das Regelwerk gedeckt ist. Das liegt vor allem daran, dass dem Team eine mehrwöchige Frist eingeräumt wurde, um Beweise für die Legalität der Autos vorzulegen. Es wird erwartet, dass nächste Woche eine Anhörung stattfindet. Eine etwaige Entscheidung könnte von jeder Seite beeinsprucht werden.

Der erste Protest war nach dem Großen Preis der Steiermark in Spielberg am 12. Juli erfolgt. Eine Woche darauf, nach dem Großen Preis von Ungarn, legte Renault erneut Protest ein.

Quelle: Agenturen