APA - Austria Presse Agentur

Hamilton schloss mit Deutschland-Sieg zu Schumacher auf

11. Okt 2020 · Lesedauer 3 min

Diesmal hat niemand die Party von Lewis Hamilton verhindert. Der Formel-1-Weltmeister aus Großbritannien gewann am Sonntag den Großen Preis der Eifel auf dem Nürburgring und schaffte damit seinen 91. Sieg. Der Mercedes-Mann, der auch vom frühen Ausfall seines teaminternen Rivalen Valtteri Bottas profitierte, egalisierte dadurch die Rekordmarke von Michael Schumacher in dessen deutscher Heimat. Zweiter wurde Red-Bull-Pilot Max Verstappen, Dritter Daniel Ricciardo im Renault.

Nachwuchsfahrer Mick Schumacher, der Sohn des Formel-1-Rekordweltmeisters, überreichte Hamilton beim Sieger-Interview einen Helm aus dem Besitz der Familie Schumacher. "Jetzt weiß ich wirklich nicht, was ich sagen soll", stammelte Hamilton danach sichtlich bewegt. "Ich werde eine Weile brauchen, um das zu realisieren. Ich habe großen Respekt vor Michael."

Durch seinen siebenten Saisonsieg fiel auch eine kleine Vorentscheidung im WM-Kampf mit Bottas. Titelverteidiger Hamilton hat nun bereits 69 Punkte Vorsprung auf seinen Teamkollegen. Bei noch sechs zu absolvierenden Rennen und der Konstanz von Hamilton müsste schon viel für den Finnen laufen, der diesmal wegen eines technischen Defekts aufgeben musste. Dritter ist mit 83 Punkten Rückstand auf Hamilton Verstappen, der sich den Extrapunkt für die schnellste Rennrunde - gleichzeitig ein neuer Rundenrekord - sicherte.

Für den Australier Ricciardo war es der erste Podestplatz als Renault-Fahrer und für das französische Werksteam überhaupt der erste seit der Formel-1-Rückkehr 2016. "Hartnäckigkeit zahlt sich aus", sagte der 31-Jährige aus Perth, der ab 2021 für McLaren-Mercedes fahren wird. Mit seinem Teamchef Cyril Abiteboul hatte er vor einiger Zeit ausgemacht, dass sich dieser ein Tattoo stechen lassen muss, wenn es Ricciardo aufs Podium schafft. "Es wird wahrscheinlich was mit mir zu tun haben und ein bisschen eine deutsche Note haben", kündigte Ricciardo an.

Am Anfang hatte es für Bottas noch vielversprechend ausgesehen, der Finne behielt von der Pole Position startend die Führung. In der 13. Runde leistete er sich in Kurve 1 jedoch einen Verbremser, das nutzte Hamilton eiskalt aus und ging in Führung. Kurz darauf schwammen dem Finnen dann alle Felle davon. Er meldete einen Leistungsverlust und verlor Position um Position.

Aus der Mercedes-Box hieß es, dass möglicherweise die MGU-H defekt sei. Das ist jener Teil des Formel-1-Motors, bei dem - vereinfacht gesagt - ungenutzte Energie der Abgase in elektrische Energie umgewandelt wird. Bottas musste das Rennen aufgeben. "Ich habe versucht, irgendetwas zu machen, aber es hat sich nichts getan", meinte Bottas im ORF-Interview. Zu dem Vorfall, der Hamilton zur Führung verhalf, erklärte er: "Es war mein Fehler."

Bei nasskaltem Wetter und tiefen Temperaturen passierten mehrere Dreher - und auch einige Ausfälle. So war auch bei Alexander Albon, dem zweiten Red-Bull-Piloten, die Antriebseinheit defekt. Lando Norris, George Russell und Esteban Ocon beendeten das elfte WM-Rennen, das eine virtuelle und eine tatsächliche Safety-Car-Phase erlebte, ebenfalls nicht.

Beim Fan-Voting zum "Fahrer des Tages" gewann Blitz-Comebacker Nico Hülkenberg, der für Racing Point als Achter WM-Punkte erbeutete. Der Deutsche, der erst Samstagmittag für den kranken Lance Stroll übernommen hatte, war somit auch besser als sein Landsmann Sebastian Vettel, der es im Ferrari als Elfter nicht in die Top Ten schaffte. Der zweite Ferrari-Mann, Charles Leclerc, wurde Siebenter.

Während Romain Grosjean (Haas) als Neunter und Antonio Giovinazzi (Alfa Romeo) als Zehnter ihre jeweils ersten Punkte in der Saison machten, ging auch Kimi Räikkönen (12.) leer aus. Der Finne ist nun jedoch alleiniger Rekordhalter in Sachen Grand-Prix-Einsätze, startete er am Sonntag doch in sein 323. Rennen in der Motorsport-Premiumklasse. Damit überholte der Alfa-Romeo-Pilot den Brasilianer Rubens Barrichello. Ob der bald 41-jährige Räikkönen auch 2021 weitermacht, steht zumindest laut offiziellen Aussagen noch nicht fest.

Quelle: Agenturen