APA - Austria Presse Agentur

Hamilton gewinnt in Ungarn vor Verstappen und Bottas

19. Juli 2020 · Lesedauer 4 min

Wie schon in der Vorwoche relativ mühelos hat Lewis Hamilton auch den Großen Preis von Ungarn gewonnen. Der Brite holte sich damit am Sonntag einen weiteren Formel-1-Rekord: Mit seinem achten Sieg auf dem Hungaroring egalisierte er die Bestmarke von Michael Schumacher, der achtmal in Frankreich Sieger war. Mit seinem insgesamt 86. Grand-Prix-Erfolg übernahm der Mercedes-Mann auch die WM-Führung.

Hamilton liegt nun fünf Punkte vor seinem Teamkollegen Valtteri Bottas, der diesmal Dritter war. Zweiter war Red-Bull-Pilot Max Verstappen, und das obwohl der Niederländer sein Auto bei einem Unfall vor dem Start schwer beschädigt hatte. Die Podest-Ambitionen von Racing Point erfüllten sich indes nicht, der Kanadier Lance Stroll musste sich mit dem vierten Platz begnügen. Alexander Albon pilotierte den zweiten Red Bull auf den fünften Rang, Sebastian Vettel belegte im Ferrari Platz sechs.

"Gratulation an alle, die dafür gearbeitet haben", sagte Hamilton, der sich in der letzten Runde auch noch den Streckenrekord holte. "Ich war auf mich alleine gestellt, aber wir haben eine super Grundgeschwindigkeit gehabt, tolle Boxenstopps und eine perfekte Strategie." Dem 35-Jährigen fehlen nur noch fünf Siege auf die 91, die Schumacher in seiner Karriere verbucht hat. Verstappen freute sich über Platz zwei, der "ist wie ein Sieg für mich heute". Sein Auto war erst Minuten vor dem Start wieder flott gemacht wurden. "Die Mechaniker waren unglaublich. Ich weiß nicht, wie sie das gemacht haben."

Vor dem Start hatte es in der Gegend nordöstlich Budapest geregnet, die Autos waren am Anfang mit Intermediate-Reifen ausgerüstet. Hamilton kam gut weg, Bottas hingegen fiel nach einem hochriskanten Startversuch, der man auch als Frühstart werten hätte können, auf Platz sechs zurück. "Da habe ich so viel verloren, das hat mein Rennen zerstört", sagte der Finne. Verstappen schob sich nach der ersten Kurve auf Position drei vor.

In den ersten Runden bewegte sich das gesamte Feld prozessionsartig an die Box, um Trockenreifen anzustecken. Das anfängliche Chaos nützte aber nur Hamilton und Verstappen sowie den beiden Haas-Piloten Kevin Magnussen und Roman Grosjean, die nicht an die Box mussten und so auf einmal in den Top Ten lagen. Der Däne Magnussen war am Ende Neunter, rutschte wegen einer nachträglichen Zeitstrafe aber auf Platz zehn zurück - Neunter ist nunmehr der spanische McLaren-Fahrer Carlos Sainz.

Neben Bottas wurden auch die Ferrari von Vettel und Charles Leclerc nach hinten gespült, noch schlimmer erging es aber Racing-Point-Pilot Sergio Perez. Der Mexikaner war im Mittelfeld eingekesselt, während sich sein Teamkollege Stroll auf Platz drei hinter dem Hamilton und Verstappen etablierte. Erst bei der Hälfte der Renndistanz überholte Bottas Stroll mittels Undercut, indem er früher als der Kanadier einen frischen Reifensatz montieren ließ.

Danach setzte Bottas Verstappen mit einer Serie von schnellen Runden gehörig unter Druck, kam aber vorerst nicht vorbei. Der Finne besorgte sich noch einmal neue Gummiwalzen und versuchte es mit einem Angriff in der letzten Runde. Da kam er aber nicht mehr vorbei.

Bei Red Bull hatte es zunächst nach einem Anwendungsfall von Murphys Gesetz ausgesehen, wonach alles, was schiefgehen kann, auch tatsächlich schiefgeht. So musste das ohnehin mit Abstimmungsproblemen kämpfende Team vor dem Rennen mitansehen, wie sich Verstappen Frontflügel und Radaufhängung durch einen Unfall in der Einführungsrunde demolierte. In knapp 20 Minuten schaffte es die Crew in hektischer Arbeit aber, den Wagen noch auf der Strecke zu reparieren. Verstappen behielt Platz sieben in der Startaufstellung.

In zwei Wochen geht die Formel-1-WM-Saison in England weiter. In Silverstone hat Hamilton gleich zwei Heimrennen vor sich.

Renault legte unterdessen wie erwartet auch nach dem GP von Ungarn Protest gegen die beiden Rennwagen von Konkurrent Racing Point ein. Die Franzosen halten die Wagen der beiden Piloten Lance Stroll und Sergio Perez für nicht regelkonform. Konkret geht es um die Bremsbelüftung. Diese soll nichts anderes als eine Kopie des Bauteils von Motoren-Hersteller Mercedes aus dem Vorjahr sein. Sich eines bewährten Konzepts zu bedienen ist nicht per se verboten, Racing Point muss aber belegen können, dass es das Teil nach dem Mercedes-Vorbild selbst geplant und gebaut hat. Mit einer Klärung wird vorerst noch nicht gerechnet. Racing-Point-Teamchef Otmar Szafnauer sagte auf dem Hungaroring, dass sein Rennstall drei Wochen Zeit habe, um Beweise für die Legalität der Autos zusammenzutragen.

Indes wurde auch eine Untersuchung gegen das US-Team Haas eingeleitet. Die Fahrer Kevin Magnussen und Romain Grosjean sollen auf der Einführungsrunde ein Fahrhilfe-System verwendet haben. Es besteht der Verdacht, dass Haas gegen den Artikel 27.1 des Formel-1-Regelwerks verstoßen hat, wonach der Fahrer das Auto selbst und ohne Hilfen fahren muss.

Quelle: Agenturen