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Goggia die große Gejagte bei Speed-Weltcup in Zauchensee

14. Jan. 2022 · Lesedauer 4 min

Sofia Goggia hat als Schnellste des Abschlusstrainings ihre Favoritenrolle für die Weltcup-Abfahrt am Samstag in Zauchensee untermauert. Drei Hundertstel Vorsprung hatte die Vortages-Zweite am Freitag auf die vor Olympia immer stärker werdende "Snowboarderin" Ester Ledecka. Lara Gut-Behrami lag als Dritte schon 0,70 Sek. zurück. Beste Österreicherin war als erneute Fünfte Christine Scheyer (+0,93). Die Siegerin von 2017 ist wohl die größte ÖSV-Podesthoffnung am Samstag.

Zwar überraschte Nadine Fest bei erneut perfekten Bedingungen als Sechste und unterstrich Mirjam Puchner als Siebente, dass sie ihre gute Dezember-Form ins neue Jahr gerettet hat. Aber Fest wollte ihr bisher bestes Ergebnis nicht überbewertet wissen. "Ich habe versucht, alles zu geben. Die rund um mich haben aber sicher noch nicht alle Karten aufgedeckt." Puchner, mit drei Podestplätzen bisher beste Speed-Österreicherin im Olympiawinter, rätselte über ihren Rückstand. "Mir gibt vor allem zu denken, dass ich oben schon so viel verliere", wunderte sich die Salzburgerin.

Sie sei aber guter Dinge. "Wenn ich Samstag einen guten Plan habe und noch ein Schäuferl nachlege, wird es schon passen." Dass Goggia die Favoritin sei, liege auf der Hand. "Sie zeigt seit langem, wo es langgeht. Aber alle anderen sind willig, sie irgendwann zu biegen."

Für die italienische Abfahrts-Olympiasiegerin sprechen neben Leidenschaft auch die puren Zahlen. Goggia hat vor einem Jahr zwar die Heim-WM in Cortina verpasst, aber die letzten sieben von ihr bestrittenen Weltcupfahrten gewonnen. Sie führt auch im Super-G-Weltcup und fährt seit langem in Überform. Erstaunlich, dass ihr in Zauchensee noch ein Podestplatz fehlt.

"Heute und gestern habe ich mir mal die Piste angeschaut. Aber Samstag ist der wichtige Tag", wollte sie ihre Trainingsergebnisse nicht überbewerten. Angesichts der Tatsache, dass bei ihr Weltcup-Trainings zumindest teilweise die normalen Speed-Übungseinheiten ersetzen, kann sich die Konkurrenz aber warm anziehen.

Besonders freut Goggia, dass erstmals seit 2014 in Zauchensee hoffentlich vom supersteilen Gamskogel aus gefahren wird. Dort beschleunigen die Frauen in vier Sekunden auf 115 km/h. "Das ist ein echter Bussi-Start. Super. 80 km/h wie in Val d'Isere sind für Frauen viel zu langsam", jubelte die Speed-verrückte Goggia, die in Österreich schon auf den Legendenstrecken in Bad Kleinkirchheim (Franz Klammer) und St. Anton (Karl Schranz) gewonnen hat. Womöglich sollte man die Kälberloch also auf Michael Walchhofer umtaufen.

Dass es zumindest am Samstag (10.45 Uhr, live ORF 1) von vornherein nur um Platz zwei geht, wollen die ÖSV-Frauen nicht hinnehmen. "Das ist die falsche Einstellung. Dass Goggia die letzten sieben Rennen gezeigt hat, wo es hingeht, bedeutet nicht, dass sie auch die achte Abfahrt gewinnt", lautet etwa die Kampfansage von Tamara Tippler

Scheyer strahlte mit der Sonne über Zauchensee um die Wette. Dass sie die Strecke liebt, weiß sie seit dem Europacup 2016. Ein Jahr später hatte sie bei ihrem erst vierten Weltcupstart erstmals gewonnen, es ist nach wie vor der bisher letzte Heimsieg der ÖSV-Frauen.

"Es ist für mich eine Instinkt-Piste. Ich fahre wahnsinnig gerne hier", erklärte die Vorarlbergerin. "Wenn ich Gas gebe und fehlerfrei runterkomme, ist viel drin. Die Top Fünf oder ein Podest wären dann schon das Ziel." Goggia zu schlagen werde natürlich schwer. "Sie ist im Moment in Hochform. Aber wenn man stresst, macht auch sie Fehler."

Einen Fehler machte auch ÖSV-Läuferin Sabrina Maier, die nach einem heftigen Sturz aber unverletzt blieb. Am Tag der Namens-Neunennungen wies die pausierende Nicole Schmidhofer im Ziel schmunzelnd darauf hin, dass man intern diese Passage in Anlehnung an ein früheres Werbebanner "Blödmann-Kurve" getauft habe.

Neben Schmidhofer ("Den Super-G habe ich nach wie vor am Plan") fehlen am Samstag auch die US-Amerikanerinnen Breezy Johnson und Mikaela Shiffrin. Johnson, in bisher allen drei Saisonabfahrten Zweite hinter Goggia, passt nach einer im Training erlittenen Knieverletzung. Und während Petra Vlhova nach dem vorzeitigen Gewinn der Slalom-Weltcupkugel in Zauchensee wegen Olympia ihre Speed-Gewöhnung startet, geht Shiffrin den umgekehrten Weg. Nach ihrem Weltrekordsieg im Schladming-Slalom wird sie nun bis Peking offenbar keine Speedrennen mehr fahren.

Viel zu gewinnen hat am Sonntag im Super-G (11.30 Uhr, live ORF 1) Tamara Tippler. Die Steirerin ist mit sieben Podestplätzen in dieser Disziplin ohne Sieg "Rekordhalterin". Österreichs letzte Super-G-Siegerin war Ortlieb im Februar 2020 in La Thuile. Für den letzten Heimsieg sorgte Renate Götschl im Dezember 2006 auf der Reiteralm.

Quelle: Agenturen