Gastgeber Finnland hofft bei WM ohne Russland auf Double

12. Mai 2022 · Lesedauer 3 min

Mit einem großen Abwesenden und einer historischen Chance für die Gastgeber beginnt am Freitag die Eishockey-Weltmeisterschaft in Finnland (13.-29. Mai in Helsinki und Tampere). Erstmals seit 46 Jahren fehlt eine der Top-Nationen bei einer WM, weil Russland aufgrund des Angriffskriegs gegen die Ukraine (so wie Belarus) vom Turnier ausgeschlossen wurde. In Abwesenheit der "Sbornaja" geht Finnland drei Monate nach Olympia-Gold auf das bisher nur einmal gelungene Double los.

Der Ukraine-Krieg wirft einen Schatten auf das WM-Turnier. Mit Russland ist erstmals seit 1976 eine Eishockey-Großmacht nicht dabei - Kanada hatte sich zwischen 1970 und 1976 aufgrund der ungleichen Duelle ihrer Amateure mit den Ostblock-Staatsamateuren von der WM zurückgezogen. Und ausgerechnet rund um den WM-Beginn will Finnland seinen NATO-Beitritt beschließen. Sehr zum Ärger von Russland, das mit Finnland eine 1.300 km lange Grenze hat und mit Gegenmaßnahmen gedroht hat.

Sportlich gab es für das finnische Eishockeyteam zuletzt dagegen viele Erfolgsmeldungen. Nach dem Olympia-Premierenerfolg in Peking scheint Finnland erstmals als Nummer eins der Weltrangliste auf und will mit Heimvorteil den vierten Titel nach 1995, 2011 und 2019 holen. Das Suomi-Team ist einer der großen Favoriten, das Double aus Olympia-Gold und folgendem WM-Titel im gleichen Jahr scheint durchaus realistisch. Das ist bisher nur Schweden 2006 gelungen.

17 Olympiasieger in Finnlands Kader 

Wie schon 2011 und 2019 steht Jukka Jalonen an der Bande. Der 59-Jährige hat 17 Olympiasieger in seinem noch nicht finalen Kader, darunter Kapitän Valtteri Filpulla, der mit einem Heim-Erfolg als erster Finne und 30. Spieler in den Triple Gold Club (Olympiagold, WM-Gold, Stanley-Cup-Sieg) einziehen könnte.

Mit Schweden, den in der Vorbereitung starken Tschechen sowie dem US-Team bekommt es Finnland in der Österreich-Gruppe B in Tampere schon mit sehr starken Konkurrenten zu tun. Titelverteidiger Kanada, wie immer einer der Gold-Favoriten, hat in der Gruppe A in Helsinki zunächst das auf dem Papier leichtere Programm. Die Kanadier streben den 28. WM-Titel an, wodurch die Kanadier zum alleinigen Rekordweltmeister vor Russland/Sowjetunion werden würden. Teamchef Claude Julien hat vom erfolgreichen Team des Vorjahres nur Max Comtois dabei.

Abstiegskampf verspricht Spannung 

Spannung verspricht nicht nur der Kampf um die Medaillen, sondern auch jener gegen den Abstieg. In Gruppe B läuft es auf ein Duell zwischen Österreich und Großbritannien hinaus, in Gruppe A gelten Frankreich, Italien und Kasachstan als Kandidaten. Die beiden Gruppenletzten steigen ab und werden durch die Aufsteiger Ungarn und Slowenien ersetzt.

Offen ist, wo die A-WM 2023 ausgetragen wird, nachdem der Weltverband St. Petersburg Ende April das Turnier entzogen hat. Gut möglich, dass die nächste WM an den Austragungsorten von 2021 und 2022 stattfindet, Riga und Tampere erwägen eine gemeinsame Bewerbung, die als Favorit gilt. Auch die beiden Aufsteiger haben mit den Hauptstädten Budapest und Ljubljana Interesse bekundet. Wie die Zusammensetzung der WM 2023 sein wird, falls Russland und Belarus nächstes Jahr wieder einsteigen dürfen, ist unklar.

Quelle: Agenturen / mpa