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Franzoni gewinnt Kitzbühel-Abfahrt knapp vor Odermatt

Heute, 12:10 · Lesedauer 3 min

Giovanni Franzoni hat mit einem Husarenritt auf der Streif das traditionelle Hahnenkamm-Rennen gewonnen und Weltcup-Dominator Marco Odermatt den ersten Abfahrtssieg in Kitzbühel weggeschnappt. Der Italiener triumphierte am Samstag sieben Hundertstel vor dem Schweizer Super-G-Sieger und dem Franzosen Maxence Muzaton (+0,39 Sek.). Die Österreicher erlebten beim Klassiker ein historisches Debakel, Vincent Kriechmayr kam als bester ÖSV-Athlet nicht über Platz 13 (+1,48) hinaus.

Franzoni, der auch in den beiden Trainings die Bestzeit aufgestellt hatte, behielt bei diffuser Sicht auf der rasanten Streif den Durchblick und feierte in 1:52,31 Min. seinen zweiten Weltcupsieg nach dem Super-G-Erfolg in Wengen in der Vorwoche. "Unglaublich. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll", sagte Franzoni, der im Moment seines größten Erfolges an seinen verstorbenen Ski-Weggefährten Matteo Franzoso dachte. "Ich weiß, dass er stolz auf mich wäre." Damit durchbrach der Italiener, der das Rekord-Siegerpreisgeld von 101.000 Euro (brutto) einstreifte, auch die Schweizer Dominanz in der Abfahrt nach vier Siegen in den ersten vier Saisonrennen.

Aus rot-weiß-roter Sicht fuhr bei der 71. Hahnenkamm-Abfahrt erstmals kein Österreicher in die Top Ten. "Das Resultat ist nicht zufriedenstellend. Heute ist einfach gar nix gegangen, wir müssen uns anschauen, warum", forderte ÖSV-Alpinchef Christian Mitter. Außerdem ging die Sieglos-Serie in der Abfahrt weiter, der bis dato letzte Triumph von Kriechmayr in Soldeu im März 2023 ist bereits 1.046 Tage her.

Kriechmayr ging die Steilhang-Einfahrt und Traverse "zu taktisch" an, sagte der Vizeweltmeister nach seiner 100. Weltcup-Abfahrt im ORF enttäuscht. "Überall ein bissl was, sehr schade. Ich hätte mir schon mehr vorgenommen." Kriechmayr wird auch die kommende Abfahrt in Crans Montana auslassen, damit er bei Olympia in Bormio "wieder gescheit am Ski" steht.

Raphael Haaser (+1,69/25.) landete genauso wie Stefan Babinsky (+2,04/34.) in einem Rennen ohne schwere Stürze im abgeschlagenen Feld, das Duo hatte tags zuvor im Super-G die Plätze vier und drei belegt. Manuel Traninger war als 24. (+1,66) bereits zweitbester Österreicher. "Es ist einmal ein Ergebnis in den Punkten, damit bin ich zufrieden." Vincent Wieser wurde 31. (+2,02), Andreas Ploier verpasste die Punkteränge als 36. (+2,13) ebenfalls. Daniel Hemetsberger rutschte nach guten Teilzeiten im Lerchenschuss aus, vermied aber einen Sturz. "Es war eine ganz gute Fahrt, bei der letzten Zwischenzeit war ich 12/100 hinten. Das hätte schon gepasst."

Schwarzenegger, Ibrahimovic, Stenmark im Publikum

Vor den Augen von etwa 50.000 Zuschauern, darunter internationale Prominenz wie Arnold Schwarzenegger, Zlatan Ibrahimovic und Ingemar Stenmark, legte Franzoni mit Startnummer zwei auf der im Vorfeld entschärften Streif vor. Denn der Sprung in die Alte Schneise wurde noch abgegraben und der Radius um 1,5 Grad reduziert. Athletensprecher Alexis Monney aus der Schweiz hatte die Rennleitung auf eventuell zu weit gehende Sprünge hingewiesen. Im Training waren die Läufer bei Schönwetter über 40 m weit gesegelt.

Der Streckenrekord (1:51,58 Min.) von Fritz Strobl aus dem Jahr 1997 wackelte auch bei der Fahrt von Super-G-Sieger Odermatt nicht. Der Weltcup-Gesamtführende musste sich am Ende um eine Kleinigkeit geschlagen geben und blieb nach seinem 100. Podestplatz noch länger mit gesenktem Kopf im Zielraum stehen. "Heute gab es für mich nur den Sieg. Alles andere, das wusste ich im Vorhinein, wird eine Enttäuschung sein", sagte Odermatt. "Ich bin selber schuld, dass ich nach meinen Leistungen in den letzten Jahren mit einem zweiten Platz nicht zufrieden sein kann."

Damit blieb dem Ausnahmekönner, der zum dritten Mal Zweiter bei der Streif-Abfahrt wurde, die goldene Gams erneut verwehrt. Landsmann Franjo von Allmen, Sieger in Gröden, fuhr ebenfalls lange um den Sieg mit, verpatzte aber die Traverse und musste sich mit Rang 15 begnügen.

Zusammenfassung
  • Giovanni Franzoni gewinnt die Kitzbühel-Abfahrt auf der Streif mit einer Zeit von 1:52,31 Minuten und sieben Hundertstelsekunden Vorsprung auf Marco Odermatt, der damit zum dritten Mal Zweiter wird.
  • Für Österreich endet das Hahnenkamm-Rennen mit einem historischen Tiefpunkt: Vincent Kriechmayr wird als bester ÖSV-Athlet nur 13., keiner schafft es unter die Top Ten und der letzte Abfahrtssieg liegt 1.046 Tage zurück.
  • Im Zielraum verfolgen rund 50.000 Zuschauer, darunter Prominente wie Arnold Schwarzenegger und Zlatan Ibrahimovic, das Rennen, bei dem Franzoni das Rekord-Preisgeld von 101.000 Euro einstreicht.