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Frankreich schlägt Marokko 2:0, im Finale wartet Argentinien

14. Dez. 2022 · Lesedauer 4 min

Marokkos Überraschungslauf bei der Fußball-WM in Katar ist zu Ende, Frankreich kann weiter von der ersten erfolgreichen Titelverteidigung seit Brasilien 1962 träumen. Les Bleus setzten sich im Halbfinale am Mittwoch gegen Marokko dank der Tore von Theo Hernandez (5.) und Randal Kolo Muani (79.) mit 2:0 (1:0) durch und treffen im Endspiel am Sonntag (16.00 Uhr/live ORF 1) auf Argentinien. Damit ist auch das Duell der Superstars Kylian Mbappe gegen Lionel Messi perfekt.

Nach Siegen über Belgien (Gruppenphase), Spanien (Achtelfinale) und Portugal (Viertelfinale) setzte Marokko, der erste WM-Halbfinalist aus Afrika, trotz der Niederlage einen würdigen Schlussstrich unter eine denkwürdige Endrunde. Die Defensivkünstler vom Atlas forderten die angesichts des frühen Tors oft verhalten agierende Elf von Didier Deschamps voll und waren immer wieder am Ausgleich dran, wurden letztlich aber nicht belohnt. Sie müssen sich mit dem Spiel um Platz drei am Samstag (16.00/live Servus TV) gegen Kroatien trösten.

Frankreich musste vor 68.294 Zuschauern auf die angeschlagenen Adrien Rabiot (Mittelfeld) und Dayot Upamecano (Verteidigung) verzichten und schickte dafür Yousssouf Fofana bzw. Ibrahima Konate ins Rennen. Bei Marokko fiel Verteidiger Nayef Aguerd, der bereits im Viertelfinale gegen Portugal verletzt gefehlt hatte, nach dem Aufwärmen aus. Für ihn rückte Achraf Dari ins Team. Dafür kehrte der zuletzt fehlende und nun wieder fitte Abwehrakteur Noussair Mazraoui zurück, Coach Walid Regragui setzte auf eine defensive Fünferkette.

Die war aber schon denkbar früh mit einem feinen Lochpass von Raphael Varane auf Antoine Griezmann ausgehebelt. Den folgenden Stanglpass des Atletico-Madrid-Legionärs konnte der bedrängte Mbappe zwar nicht zum Abschluss nützen, er leitete aber auf den alleine lauernden Hernandez weiter, der den aufspringenden Ball akrobatisch im Tor unterbrachte. Es war das erste von einem Spieler der gegnerischen Mannschaft erzielte Gegentor für die Marokkaner, die davor nur ein Eigentor einstecken mussten. Das mehrheitlich mit marokkanischen Anhängern gefüllte Al Bayt Stadion war geschockt.

Regragui überdachte sein Defensivkonzept nach 20 Minuten, löste die Fünferkette auf und brachte Selim Amallah für den angeschlagenen Kapitän Romain Saiss. Davor hatte die einzige gefährliche Möglichkeit Marokkos nur einen Ziyech-Schuss klar daneben gebracht, auf der anderen Seite hatte Olivier Giroud nach weitem Pass an der Außenstange angeklopft (beide 17.).

Frankreich kontrollierte begleitet von einem Pfeifkonzert die Partie, konnte dem in nun etwas ungewohnter Rolle agierenden Gegner auch mehr Ballbesitz zugestehen. Abschlüsse brachte die Equipe Tricolore lange keinen zustande. Erst in der 35. Minute jagte Fofana den Ball in die Wolken, danach ließen Mbappe und Giroud eine Doppel-Großchance liegen. Der Schuss des Ersteren wurde rechtzeitig geklärt, der Zweite verfehlte aus rund zwölf Metern.

Marokko versuchte über den Kampf ins Spiel zu finden, lancierte immer wieder, konnte Frankreich aber erst gegen Ende der ersten Hälfte richtig unter Druck setzen, hatte da durch einen Fallrückzieher von Jawad El Yamiq an die Stange auch die große Möglichkeit auf den Ausgleich (44.). Auch Goalie Hugo Loris, der in seinem 19. WM-Spiel die Bestmarke des bisherigen WM-Rekordtormanns Manuel Neuer einstellte, musste in dieser Phase bei zwei Flanken resolut eingreifen.

Auch der Wiederbeginn gehörte den Nordafrikanern, die bei zwei Hereingaben Alarmstufe Rot auslösten. Beide Male klärte Frankreichs Verteidigung vor den einschussbereiten Gegnern (52., 54.). Frankreich konnte bzw. wollte sich nur selten aus dieser Umklammerung lösen und verzeichnete in diesem Abschnitt lediglich zwei kraftvolle Antritte Mbappes, einmal wurde der Superstar unsanft vom Ball getrennt und musste behandelt werden.

Erst gegen die 70. Minute wurde Frankreich wieder aktiver, ein Köpfler von Marcus Thuram ging daneben (71.). Marokko wurde bei einem in letzter Sekunde abgewürgten Solo von Abderrazak Hamdallah (76.) noch einmal brandgefährlich. Die Kräfte der einmal mehr beherzt kämpfenden Außenseiter schienen aber langsam erschöpft, Mbappe nützte das aus. Nach einem gekonnten Dribbling durch mehrere Verteidiger bediente er den gerade erst eingewechselten Kolo Muani, der 24-Jährige ließ sich die Chance aus Kurzdistanz in seinem vierten Länderspiel nicht nehmen. In der Nachspielzeit verhinderte Jules Kounde knapp vor der Torlinie Marokkos Ehrentreffer (94.).

Quelle: Agenturen