APA - Austria Presse Agentur

Formel 1: Verstappen ist Weltmeister

12. Dez 2021 · Lesedauer 5 min

Der Niederländer Max Verstappen ist zum ersten Mal in seiner Laufbahn Formel-1-Weltmeister.

In der letzten Runde des letzten Rennens hat sich Max Verstappen erstmals zum Formel-1-Weltmeister gemacht. Der Red-Bull-Pilot gewann am Sonntag in Abu Dhabi nach einer nicht unumstrittenen Entscheidung der Rennleitung in Abu Dhabi vor Lewis Hamilton, den er in der letzten Runde überholte und sich damit doch noch den schon verloren geglaubten Titel sicherte. Verstappen ist der erste Red-Bull-Champion seit 2013. Mercedes blieb nur der Konstrukteurs-Titel.

Punktegleichstand vor dem Rennen

Das 22. und letzte Saisonrennen war aufgrund der Punktgleichheit der beiden Fahrer unter ganz besonderen Vorzeichen gestanden. Die erste ganz große Aufregung in diesem Jahrhundert-Rennen kam schon ganz am Beginn, denn Pole-Mann Verstappen verschlief überraschend den Start. Hamilton hingegen ging dank starker Reaktionszeit souverän in Führung, obwohl er die härteren Reifen am Auto hatte. Verstappen konterte allerdings schon in Kurve sechs mit einem grenzwertigen Kart-Manöver und drängte sich innen hinein, beide Autos berührten sich leicht.

Hamilton blieb nur die Möglichkeit, mittels Notausgang auszuweichen, um eine Kollision zu vermeiden. Danach flogen zwar die Funksprüche hin und her, die Stewards fanden aber keinen Grund für eine Untersuchung und die dementsprechende Entscheidung von Rennleiter Michael Masi kam rasch. Hamilton ließ sich zwar etwas zurückfallen, aber nur bis der alte Vorsprung wieder hergestellt war. Ein Positionswechsel war nicht notwendig.

"Unglaublich" ärgerte sich Verstappen darüber am Funk. Der Niederländer wurde von der Box aber angewiesen, kühlen Kopf zu bewahren. Teamchef Christian Horner monierte, dass in solchen Situationen immer wieder anders entschieden werde. Die Formel-1-Teams hatten zur großen WM-Entscheidung sogar Star-Anwälte mitgebracht, um für solche kritische Situationen gewappnet zu sein.

Der Schlüsselmoment

Den nächsten Schlüsselmoment im Rennen, vor dem man den (später ausgeschiedenen) finnischen Kult-Piloten Kimi Räikkönen auf der Startaufstellung in die Formel-1-Pension verabschiedet hatte, brachten dann die Reifen. Hamilton machte vorne mit Rekordrunden weiter Druck, um Verstappens Reifenverschleiß zu provozieren.

Prompt meldete der hinter Hamilton und vor seinem Teamkollegen Sergio Perez zweitplatzierte Niederländer bei schon fünf Sekunden Rückstand Probleme an seinen superweichen Hinterreifen. In der 14. von 58 Runden kam Verstappen an die Box. Hamilton ging eine Runde später ebenfalls auf harte Pneus. Bei Perez wurde hingegen Plan B ausgerufen mit dem offensichtlichen Ziel, Hamilton aufzuhalten.

Rundenlang blockierte der Mexikaner mit abgefahrenen Reifen am zweiten Red Bull dann tatsächlich den Mercedes von Hamilton. Der Brite verlor dabei über sechs Sekunden und als er endlich an "Bremsklotz" Perez vorbei gekommen war, hatte Verstappen aufgeschlossen. "Er ist eine Legende", lobte Verstappen seinen Teamkollegen. Bei Mercedes sah man das naturgemäß anders.

Danach baute Hamilton seinen Vorsprung aber wieder sukzessive aus und war zur Renn-Halbzeit mit vier Sekunden Vorsprung auf Verstappen weiterhin virtuell Weltmeister. Aufgrund der Punktgleichheit zwischen den beiden Fahrern war klar, dass die Trophäe an den im Rennen voranliegenden Fahrer geht. Zu diesem Zeitpunkt war das Rennen längst zu einem reinen Zweikampf geworden, der drittplatzierte Valtteri Bottas hatte schon fast 30 Sekunden Rückstand.

Verstappen riskierte alles

Dann rollte aber in der 36. Runde Antonio Giovinazzis Alfa mit Getriebeschaden aus. Hamilton blieb trotz virtuellem Safety Car draußen, Verstappen riskierte hingegen alles und ging nochmals auf neue Reifen. Damit ging Hamilton zwar mit 17 Sekunden Vorsprung, aber abgefahrenen Reifen in die letzten 20 Runden. "Es war ein wenig riskant, mich draußen zu lassen", zeigte sich der Brite zunächst irritiert.

Es schien aber zunächst doch die richtige Entscheidung im alles entscheidenden Rennen gewesen zu sein. Zwar knabberte Verstappen zunächst erfolgreich am Rückstand und kam tatsächlich immer mehr an Hamilton heran. Zehn Runden vor Schluss lag der Engländer nur noch 12 Sekunden voran, dann ließen aber auch die Reifen von Verstappen nach.

Noch einmal kam aber im Finish Hochspannung auf, als fünf Runden vor Ende mit Nicolas Latifi weder ein Nachzügler verunfallte und das Safety Car auf die Strecke kam. Verstappen fuhr sofort nochmals an die Box und fasst superweiche Pneus aus, Hamilton blieb wieder draußen. Man baute bei den "Sternen" darauf, dass das Rennen nicht mehr frei gegeben werden würde.

Die überrundeten Fahrer durften sich laut Rennleitung zunächst nicht wie üblich zurückplatzieren, was letztlich die WM-Entscheidung zugunsten Hamiltons festzunageln schien. "Ich bin nicht überrascht", funkte Verstappen ironisch aus dem Auto.

Dann aber schmiss Masi seine Entscheidung um und gab eine Runde vor Schluss das Rennen doch wieder frei. "Das ist nicht in Ordnung!", ärgerte sich Mercedes-Teamchef Wolff. Verstappen hingegen packte die Jahrhundert-Chance beim Schopf, überholte mit einem harten Manöver Hamilton und wurde doch noch erstmals Weltmeister.

"Oh mein Gott"

"Oh mein Gott", funkte der fassungslose Niederländer. "Es musste ein Wunder passieren, amit dieser Titel kommt." Bei Mercedes war man hingegen "sprachlos". "Ich gratuliere Max und dem Team. Sie haben einen super Job gemacht", blieb der Brite sportlich. "Das war die schwierigste Saison aller Zeiten, wir haben niemals aufgegeben."

Quelle: Agenturen / koa