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"Fliegender Holländer": Verstappen siegt in Spa überlegen

28. Aug. 2022 · Lesedauer 4 min

Formel-1-Weltmeister Max Verstappen hat seine Titelambitionen beim ersten Rennen nach der Sommerpause mit einer Machtdemonstration eindrucksvoll untermauert. Der 24-jährige Niederländer fuhr am Sonntag beim Großen Preis von Belgien in Spa-Francorchamps im Red Bull nach einer Aufholjagd von Startplatz 14 ungefährdet zu seinem neunten Saisonsieg. Verstappen gewann klar vor seinem mexikanischen Teamkollegen Sergio Perez und Carlos Sainz im Ferrari, der von Pole gestartet war.

In der Gesamtwertung marschiert Verstappen schier unaufhaltsam Richtung zweiten WM-Titel. Nach 14 von 22 Saisonrennen beträgt der Vorsprung bereits komfortable 93 Punkte auf Perez, der im Ranking nach dem vierten Red-Bull-Doppelsieg des Jahres auf Platz zwei kletterte. Ferrari-Pilot Charles Leclerc, der ebenso wie Verstappen nach einer Rückversetzung von Grid-Position 15 gestartet war, wurde Sechster und hat bereits einen Rückstand von 98 Zählern.

"Das ganze Wochenende war unglaublich. Das hätte ich mir vorher nicht gedacht", freute sich Verstappen nach dem Rennen über seinen 29. Grand-Prix-Sieg. Perez war vom unheimlichen Speed seines Kollegen beeindruckt. "Max war einfach fliegend unterwegs, der fliegende Holländer. Er war nicht erreichbar, für das Team war es ein starkes Ergebnis", sagte er. Verstappen war am Ende 17,841 Sekunden schneller als Perez, Sainz lag 26,886 Sekunden zurück. George Russell zeigte im Mercedes erneut ein starkes Rennen und wurde Vierter.

Red Bulls Motorsportberater Helmut Marko war entzückt. "Es war unglaublich. Wir sind selbst überrascht gewesen, mit welch Leichtigkeit Max der Konkurrenz da 1 bis 1,5 Sekunden pro Runde davongefahren ist", schwärmte Marko bei ServusTV. Die WM sei allerdings noch nicht entschieden. "Die Sache ist noch nicht gemacht. Wir werden schauen, dass wir noch zwei bis drei Rennen gewinnen", ergänzte der Österreicher und hoffte auf einen Heimsieg von Verstappen beim kommenden Grand Prix in Zandvoort am nächsten Sonntag.

Die Ausgangslage vor der 55. Auflage in Belgien war jedenfalls eine ganz besondere. Acht Fahrer wurden wegen des unerlaubten Wechsels von Motorenteilen ans Ende der Startformation strafversetzt, darunter auch Verstappen und Leclerc. Verstappen hatte im Qualifying am Samstag überlegen die Bestzeit herausgefahren, musste aber von Startplatz 14 loslegen, direkt dahinter lauerte sein Ferrari-Rivale aus Monaco.

In einer turbulenten Startphase verteidigte Sainz seinen ersten Platz, direkt dahinter kollidierten Lewis Hamilton und Fernando Alonso. Der Rekordweltmeister aus Großbritannien, der dem Spanier keinen Platz gelassen hatte, musste seinen Mercedes anders als der Alpine-Pilot abstellen. "Was für ein Idiot", schimpfte Alonso am Boxenfunk, "dieser Typ weiß nur, wie man fährt, wenn man als Erster startet". Hamilton entschuldigte sich danach: "Was er sagt, ist mir egal. Er war im toten Winkel, sonst hätte er mehr Platz bekommen. Es war mein Fehler, so etwas passiert."

Verstappen und Leclerc starteten bei deutlich wärmeren Bedingungen als in den Tagen zuvor im Gegensatz zum Großteil des Feldes auf den weicheren Soft-Reifen und nutzten den Grip-Vorteil gut aus. Verstappen lag nach der ersten Runde schon auf Rang acht, Leclerc zwei Plätze dahinter. Nach einer Safety-Car-Phase, in der Leclerc seine Reifen wechselte, flog Verstappen angefeuert von seiner "Orange Army" unwiderstehlich durchs Feld. Es dauerte gerade einmal zwölf von 44 Runden, bis der Niederländer mit belgischer Mutter erstmals in Führung ging.

Sainz hatte allerdings zuerst gestoppt, sechs Runden später machte Verstappen auf der Strecke alles klar. Kurz darauf sorgte Perez für die Red-Bull-Doppelführung. Leclerc verfolgte auf dem fünften Platz liegend mittlerweile "Plan D". In einer wenig ereignisreichen zweiten Rennhälfte brachte Verstappen seinen Boliden im Rahmen einer Triumphfahrt locker ins Ziel. Leclerc startete in der letzten Runde mit frischen Reifen noch einen Angriff auf die schnellste Runde und den Extrapunkt, war aber etwa eine halbe Sekunde zu langsam. Bezeichnend für die unglückliche Saison von Ferrari erhielt Leclerc nach der Zieleinfahrt noch eine Fünf-Sekunden-Strafe für zu schnelles Fahren in der Boxengasse und rutschte damit noch hinter Alonso auf Rang sechs ab.

Quelle: Agenturen