APA - Austria Presse Agentur

Eklat von Sao Paulo beschäftigt FIFA - Infantino: "Verrückt"

06. Sept 2021 · Lesedauer 4 min

Der Corona-Eklat in der südamerikanischen WM-Qualifikation hat nicht nur die Fußball-Weltstars Lionel Messi und Neymar, sondern ganz Brasilien und Argentinien in größte Aufregung versetzt. "Das Spiel, das nicht stattgefunden hat", schrieb das brasilianische Portal "Globoesporte" nach einem so nie da gewesenen Spielabbruch, weil Beamte der Gesundheitsbehörde drei argentinische Spieler von englischen Clubs am Sonntagabend vom Platz holten.

Über sie war zuvor eine Quarantäne angeordnet worden. Der Fußball-Weltverband FIFA steht nun vor einem gewaltigen Problem. Für die Profis rund um den Globus dürfte die Botschaft lauten, dass es in der Pandemie auch für sie keine Sonderrechte gibt.

Wenige Stunden vor dem Spiel hatte die Anvisa Quarantäne für die vier Argentinier Emiliano Martinez und Emiliano Buendia (beide Aston Villa) sowie Giovanni Lo Celso und Cristian Romero (beide Tottenham Hotspur) angeordnet. Bei der Einreise aus Caracas nach dem ersten Quali-Spiel gegen Venezuela gaben die England-Profis laut der Anvisa nicht an, dass sie in den vergangenen 14 Tagen im Vereinigten Königreich, Nordirland, Südafrika oder Indien gewesen sind. Ausländische Reisende, die in diesem Zeitraum dort waren, dürfen wegen der Corona-Beschränkungen nicht nach Brasilien einreisen.

Doch drei der vier Betroffenen standen beim Anpfiff in Argentinien auf dem Platz. 4:50 Minuten waren gespielt, als Mitarbeiter der Anvis die England-Profis vom Feld holten. Die Bilder gingen öffentlichwirksam um die Welt. Neymar schaute ungläubig, Messi schien die Welt nicht mehr zu verstehen.

Die argentinische Sportzeitung "Ole" sprach am "unvergesslichen 5. September 2021" von "Skandal" und "brasilianischer Schande". Nachdem die Partie gestoppt worden war, kehrte Messi auf den Rasen zurück. Schon nicht mehr im Trikot, sondern in einem Fotografen-Leibchen sprach der Neuzugang von Paris St. Germain mit brasilianischen Spielern und Trainer Tite.

"Wir gehen", sagte Messi, wie später in einem Video des brasilianischen Fernsehens zu sehen ist. Brasiliens Teamkoordinator Juninho Paulista sagte: "Sie haben es auf die falsche Art und Weise gemacht. Aber sie haben Bescheid gesagt, dass die Spieler benachrichtigt wurden." Messi entgegnete: "Nein, sie haben uns nicht Bescheid gesagt. Wir sind seit Tagen hier. Sie hätten am ersten Tag kommen sollen und nicht so."

Die FIFA bedauerte den Vorfall und übergab die Angelegenheit der Disziplinarkommission. Informationen über einen Nachholtermin für das Spiel oder einen etwaigen Punktverlust für eine der Mannschaften gab es zunächst nicht. Der Brasilianische Fußballverband CBF äußerte sich "absolut überrascht" über den Zeitpunkt der Maßnahme. Aus seiner Sicht hätte die Anvisa viel angemessener handeln können - und das schon in den Tagen vor dem Spiel. Der Argentinische Verband AFA teilte mit, die Delegation der Albiceleste habe sich seit dem 3. September in Brasilien aufgehalten.

FIFA-Präsident Gianni Infantino konnte noch keine Konsequenzen absehen. "Gestern Abend, jeder hat gesehen, was passiert ist im Spiel zwischen Brasilien und Argentinien - den beiden glorreichsten südamerikanischen Teams. Einige Offizielle, die Polizei, Sicherheitskräfte haben den Rasen nach ein paar Spielminuten betreten und Spieler vom Platz geführt", sagte der Schweizer während einer aufgezeichneten Rede am Montag bei der Generalversammlung der Europäischen Club-Vereinigung ECA in Genf. "Das ist verrückt. Aber wir müssen mit diesen Herausforderungen umgehen, die on top kommen auf die Corona-Krise."

Das brasilianische Fernsehen fing mehrere Unterhaltungen zwischen Spielern und Trainern und Kommentare aus dem Chaos auf dem Spielfeld ein. "Sie haben 24 Stunden vor dem Spiel, 72 Stunden vor dem Spiel, sie müssen es zum Zeitpunkt des Spiels machen", zürnte Selecao-Trainer Tite in Richtung der Anvisa-Beamten. Einer Mitteilung der Anvisa zufolge hatte die Behörde zuvor alles versucht, an die argentinische Mannschaft heranzukommen, wurde aber abgeblockt.

Die Gäste-Mannschaft begab sich nach dem jähen Ende des Spiels in die Umkleidekabine, während die Brasilianer blieben und später ersatzweise eine Trainingseinheit einlegten. Der Bus mit der Albiceleste fuhr erst nach Stunden Richtung Flughafen. Am Freitag soll es für Messi und Co. gegen Bolivien weitergehen.

Der Super Classico sollte eigentlich die Revanche für das Finale der Copa America im Maracana-Stadion in Rio de Janeiro im Juli werden, als Argentinien mit 1:0 gegen Brasilien und Messi seinen ersten internationalen Titel mit der Nationalmannschaft gewann.

Die argentinische Regierung reagierte schnell auf den Eklat - und empört. "Wenn Brasilien das Herkunftsland der argentinischen Spieler über das von der FIFA festgelegte Protokoll hinaus als Risikozone betrachtet hätte, dann hätte es zum Zeitpunkt der Einreise in sein Hoheitsgebiet handeln können", schrieb Florencia Carignano, Direktorin der argentinischen Migrationsbehörde, auf Twitter. "Drei Tage zu warten und dann auf das Feld zu gehen und ein Spiel zu unterbrechen, scheint eher eine Inszenierung als eine Gesundheitsmaßnahme zu sein."

Quelle: Agenturen