APA - Austria Presse Agentur

Dominic Thiem reist am Samstag nach New York

13. Aug 2020 · Lesedauer 4 min

Jetzt wird es für Dominic Thiem erstmals seit sechs Monaten wieder so richtig ernst. Zwar hat der 26-jährige Niederösterreicher wie auch seine Gegner zahlreiche Tennis-Schauturniere in der Coronakrise ernster genommen als sonst, doch die Rückkehr auf die ATP-Tour ist ein ganz anderes Kaliber. Am Samstag reist Thiem mit Coach Nicolas Massu und Physio Alex Stober nach New York.

Jetzt wird es für Dominic Thiem erstmals seit sechs Monaten wieder so richtig ernst. Zwar hat der 26-jährige Niederösterreicher wie auch seine Gegner zahlreiche Tennis-Schauturniere in der Coronakrise ernster genommen als sonst, doch die Rückkehr auf die ATP-Tour ist ein ganz anderes Kaliber. Am Samstag reist Thiem mit Coach Nicolas Massu und Physio Alex Stober nach New York.

Dort bereitet sich der Weltranglisten-Dritte, dessen Jahr mit dem Finaleinzug bei den Australian Open so gut begonnen hatte, gleich auf zwei Turniere vor. Ungewöhnliche Zeiten erforderten auch für Turnier-Organisatoren ungewöhnliche Maßnahmen: Das Masters-1000-Turnier von Cincinnati wurde aus Ohio nach Flushing Meadows verlegt. Dort wird eine "Bubble", wie man sie aus NHL oder NBA kennt geschaffen, in der die Spieler und deren dezimierter Tross nur zwischen einem Hotel auf Long Island und dem Turnerschauplatz pendeln. Nach dem 1000er-Event gehen dann am selben Schauplatz wie gewohnt die US Open in Szene.

Ab 22. August, exakt sechs Monate nach Thiems bisher letztem Match (Viertelfinal-Aus in Rio de Janeiro), beginnt das 1000er-Event. Doch zwecks Akklimatisierung reist Thiem schon am 15. August an. Und mit ihm auch sein Hauptcoach, der Thiem vier Monate nur aus der Ferne gesehen hatte.

Nicolas Massu arbeitet seit Dienstag wieder intensiv mit dem dreifachen Major-Finalisten. Der Chilene, einst Olympiasieger im Einzel und Doppel, weiß um die Außergewöhnlichkeit der Situation in Corona-Zeiten. "Natürlich werden die Dinge dort nicht normal sein. Andererseits müssen die Turniere irgendwann wieder starten", so Massu bei einem Medientermin Mittwochabend bei einem Heurigen in Wien.

Es werde bei den Turnieren ohne Zuschauer sehr strenge Regeln geben. "Wenn du die Regeln nicht befolgst, wirst du disqualifiziert. Man muss das aber auch respektieren, weil sie sehr große Anstrengungen unternehmen, das Turnier auszutragen. Ich glaube, es wird klappen", zeigte sich Massu optimistisch. Die hohen Coronavirus-Fallzahlen in den USA sollen durch die rigorose Schaffung einer Blase, in der sich ein stark verkleinerter Turniertross bewegt, keine Rolle spielen.

Dass ein Rafael Nadal als Titelverteidiger vielleicht auch nicht nach New York reist, weil ihm dank einer Sonder-Weltranglistenregelung die Punkte aus 2019 erhalten bleiben, ist eher nachvollziehbar. Thiem hingegen hat nichts zu verlieren: Cincinnati musste er im Vorjahr erkrankt auslassen und auch bei den US Open stoppte ihn ein viraler Infekt schon in Runde eins. Er kann also voll punkten.

"Die eine Sache ist das Ranking und die Punkte, die andere ist, dass die Spieler spielen wollen. Dominic liebt es, Turniere zu spielen, sie haben alle jetzt viele Monate gewartet", erläuterte Massu. Der Südamerikaner sieht einen Vorteil darin, dass Thiem von den Topstars dank vieler Schauturniere, die auch von allen Spielern sehr ernst genommen wurden, die meiste Matchpraxis hat.

Thiem, der sich in der Zeit des Lockdowns bzw. der Turnierpause zwei bis drei Kilo Muskelmasse am Oberkörper erarbeitet hat, hat Massu bei den Schauturnieren in Kitzbühel und Berlin beeindruckt. "Dort habe ich ihn wirklich stark gesehen. Er schaut körperlich sehr gut aus, hat eine gute Energie. Entscheidend wird auch sein, wie man es vom Kopf her schafft. Und es wird interessant zu sehen, wie man in einem großen Stadion ohne Fans spielt."

Massu bemüht sich erneut, dass man nicht schon von einem Finale oder gar dem ersten Titel reden dürfe. "Djokovic und Dominic und vielleicht einer mehr sind die Favoriten. Er war bei den Australian Open näher am ersten Grand-Slam-Sieg als bei den French Open - bei einem Hartplatzturnier im Jänner. Also man weiß nie, was passiert", erinnerte Massu an den Fünfsatz-Thriller gegen Djokovic. Sein Schützling reise mit dem Selbstvertrauen, dass er beim bis dato letzten Slam nahe am Sieg dran war, in die USA.

Eine Entwertung durch die Absage von Nadal und das Fehlen von Roger Federer sieht Massu nicht. "85 bis 90 Prozent der Spieler haben genannt. Die Spieler wollen immer gegen die Besten der Welt gewinnen, aber wenn man sich die Liste anschaut... Nur weil Federer und Nadal nicht fahren, wird es keine leichte Auslosung sein."

Ob es große Überraschungen geben könnte nach einer so langen Pause? "Das könnte schon sein. Es ist nicht leicht, wenn man sechs Monate nicht spielt. Aber die Spieler, die vor der Pause den Unterschied ausgemacht haben, werden es wieder tun, deswegen sind sie so gut."

Quelle: Agenturen