APA - Austria Presse Agentur

Djokovic möchte neue Spielervereinigung formen

29. Aug 2020 · Lesedauer 4 min

Hinter den Kulissen der ATP, der Spielerorganisation der Tennis-Herren, brodelt es wieder einmal: Der Weltranglisten-Erste Novak Djokovic möchte eine neue Spielervereinigung formen und hat deshalb sein Amt als Präsident des Spielerrats der ATP zurückgelegt. Die ebenfalls im Council vertretenen Vasek Pospisil (CAN) und John Isner (USA) folgten dem Beispiel des Serben.

Hinter den Kulissen der ATP, der Spielerorganisation der Tennis-Herren, brodelt es wieder einmal: Der Weltranglisten-Erste Novak Djokovic möchte eine neue Spielervereinigung formen und hat deshalb sein Amt als Präsident des Spielerrats der ATP zurückgelegt. Die ebenfalls im Council vertretenen Vasek Pospisil (CAN) und John Isner (USA) folgten dem Beispiel des Serben.

Heißen soll die neue Vereinigung "Professional Tennis Players Association" (PTPA). Laut einem Bericht der New York Times wurde den Spielern ein Dokument mit Plänen überreicht und man möchte Unterschriften dafür sammeln. "Das Ziel der PTPA ist es nicht, die ATP zu ersetzen, aber die Spieler mit einer selbst-regierenden Struktur, unabhängig von der ATP, zu versehen und direkter Ansprechpartner der Spieler zu sein", heißt es laut der New York Times in dem Dokument.

Bei der ATP ist man darüber wenig erfreut wie auch Thiem-Manager Herwig Straka, der selbst im ATP-Board sitzt, am Samstag der APA - Austria Presse Agentur erklärte. "Wir sind überzeugt, dass es nicht sinnvoll sind, so etwas zu machen, weil die Spieler in der ATP so repräsentiert sind durch die Struktur wie in keiner anderen Sportart irgendein Sportler", meinte Straka. "Wenn du bei einem Team angestellt bist, kannst du zwar streiken und eine Gewerkschaft gründen, aber hast sonst keine Rechte. Bei der ATP sind die Spieler zu 50 Prozent Teil der Organisation, tragen alle Entscheidungen zu 50 Prozent mit, insofern ist es nicht ganz verständlich", ergänzte der 54-jährige Steirer.

Die Gründe für diesen Wunsch kennt Straka nicht. Mit seinem Schützling hat er aber diesbezüglich Kontakt gehabt. "Ich habe mit Dominic gestern Kontakt gehabt und wir haben über die Situation gesprochen. Das ist seine Entscheidung. Ich habe ihm nur ganz neutral erklärt, dass ich es nicht verstehen würde, wenn man so eine gute Position aufgibt."

Laut Straka seien sich auch die Spieler untereinander nicht einig. New-York-Finalist Milos Raonic stand im Gegensatz zu Djokovic der Presse Rede und Antwort. "Die Spieler haben sehr viel Zeit gehabt, zu reflektieren und sich gewisse Dinge anzusehen", sagte der Kanadier. "Viele von uns wurden sechs Monate im Dunkeln gelassen von unserer Führung. Wir waren von vielen Dingen enttäuscht."

Straka kann das nur teilweise nachvollziehen. "Wir arbeiten gerade am Plan für die Zukunft, der ironischerweise die Spieler noch besserstellt, als sie schon sind." Straka gab aber zu, dass man das hätte etwas besser kommunizieren können.

Pospisil hat auf Twitter die Begründung geliefert. "Es ist klar geworden, dass es als Mitglied des Player Councils in der aktuellen Struktur der ATP sehr schwierig, wenn nicht unmöglich ist, irgendeinen signifikanten Einfluss auf große Entscheidungen unserer Tour zu haben."

Für die zurückgetretenen Spieler müssen nun per Statuten neue Spieler in den Players Council. Ob Thiem eine Kandidat dafür wäre? "Nein, das glaube ich nicht. Mit Jürgen (Melzer, Anm.) ist ja schon ein Österreicher drinnen."

Die ATP gab am Samstag eine Stellungnahme zu den Absichten von Novak Djokovic und anderen, eine eigene Spielervereinigung zu gründen, ab. "Der Erfolg der ATP-Tour und sein Wachstum in eine der führenden Sportinstitutionen in den letzten 30 Jahren basiert auf einer wirklich gleichberechtigten Partnerschaft zwischen Spielern und Turnieren", so die ATP.

Die Struktur der ATP-Tour biete den Spielern bei jeder wichtigen Entscheidung, die die Tour betrifft, "gleichwertige Sitzplätze am Tisch". "Wir erkennen die Herausforderungen an, denen sich unsere Mitglieder unter den heutigen Umständen gegenübersehen, sind jedoch der festen Überzeugung, dass jetzt eher eine Zeit der Einheit als der internen Spaltung ist."

Parallel möchte man weiterhin eng mit den anderen Tennisverbänden wie Grand Slams, WTA und ITF zusammenarbeiten, "um das wahre Potenzial unseres Sports auszuschöpfen".

Quelle: Agenturen