APA - Austria Presse Agentur

Djokovic auf dem Weg zum Grand oder sogar Golden Slam

14. Juni 2021 · Lesedauer 4 min

Novak Djokovic ist der Jüngste der "Big Three" im Männer-Tennis, an Major-Erfolgen gemessen mit Roger Federer und Rafael Nadal aber schon fast auf einer Stufe. Sein am Sonntag geholter zweiter French-Open-Titel war Grand-Slam-Triumph Nummer 19 des Serben, die Rivalen aus der Schweiz und Spanien haben je 20. Zählt man auch Finalsiege bei Olympia, Masters-1000 und ATP-Finals dazu, ist Djokovic schon vorne. Denn gleich 60 seiner 84 Endspielsiege gelangen ihm auf dieser Ebene.

Auf Masters-1000-Niveau kann Nadal mit dem "Djoker" bei je 36 Titeln noch mithalten, wobei Federer bei 28 steht. Dafür punktet Djokovic mit fünf Erfolgen beim Saisonfinale, der 35-jährige Nadal hat da nur einen. Dem 39-jährigen Federer helfen seine sechs nicht, um den Rückstand wettzumachen. Der Eidgenosse bilanziert in diesem Ranking mit 54 Titeln, Nadal inklusive seinem Olympia-Sieg 2008 mit 57 und damit eben drei weniger als der 34-jährige Weltranglistenerste.

Der Steirer Thomas Muster hält sich in dieser seit 1990 geführten Wertung als Siebenter noch immer sehr gut, der French-Open-Sieger 1995 hat auch noch acht Masters-1000-Titel (früher Super-9) eingeheimst. Vor ihm liegen so sonst nur noch die US-Amerikaner Pete Sampras (30) und Andre Agassi (27) sowie der Schotte Andy Murray (20). Gleichauf mit Muster rangiert der Deutsche Boris Becker. Dominic Thiem kann da auf zwei Titel verweisen - Indian Wells 2019 und US Open 2020.

Das Erreichen des ultimativen Ziels eines Kalender-Grand-Slams haben sie aber alle noch nicht erreicht, das haben bisher nur Roy Emerson und Rod Laver geschafft. Letzterem gelang das zweimal, als Amateur und als Profi - und zwar zuletzt 1969. "Novak ist ein anderer Spieler, er ist mental sehr stark", sagte der 82-Jährige über Djokovic nach dessen 6:7(2),2:6,6:3,6:2,6:4-Sieg über den Griechen Stefanos Tsitsipas. "Ein oder zwei Games im letzten Satz zurück zu sein, macht ihm nichts aus. Er kämpft weiter."

Diesmal hat sich Djokovic den Titelgewinn mit dem Halbfinalsieg über "Sand-König" Nadal versüßt, dem 13-fachen Gewinner von Roland Garros. Was Thiem bisher bei diesem Major noch nicht gelungen war, schaffte Djokovic zum zweiten Mal. Und nicht nur da doppelte der Belgrader nach, denn als erster Spieler der "Open Ära" (seit 1968) hat er jeden der vier Grand-Slam-Titel zumindest zweimal gewonnen. Sonst in der Tennis-Geschichte hatten das nur zwei andere geschafft - Emerson und Laver.

"Alles ist möglich, und ich habe mich in eine gute Position für den Golden Slam gebracht", bezog sich Djokovic zwei Wochen vor dem Auftakt in Wimbledon sogar auf die Kombination des Gewinns aller vier Majors sowie Olympia. Die US Open würden dann im September den Abschluss dieses Coups bilden. Zuzutrauen ist es ihm auf alle Fälle. Mit dem Sieg über Tsitsipas hat er vom Hellenen auch die Führung in der Jahreswertung übernommen und jene in der Weltrangliste vergrößert.

Nach seinem ersten French-Open-Titelgewinn 2016 war Djokovic freilich in einer ähnlichen Situation gewesen, damals hatte er sogar alle vier Grand-Slam-Titel zur gleichen Zeit gehalten. Dass ist diesmal nur deshalb nicht der Fall, da Thiem die US Open gewonnen hat und Wimbledon 2020 nicht stattgefunden hat. 2019 triumphierte Djokovic in London aber. Dort kam er vor fünf Jahren nach seinem Paris-Triumph eben nur in Runde drei und schlitterte in ein Tief - zumindest für seine Verhältnisse.

Tsitsipas ist erst 22 Jahre alt und mag viele von Djokovic' Erfolgen noch vor sich haben. Er gestaltete die ersten beiden Finalsätze angesichts der Umstände unglaublich beeindruckend, hatte er doch erst kurz vor dem Endspiel vom Ableben seiner Großmutter erfahren. "Eine weise Frau, deren Glauben ans Leben und deren Willen zu geben und zu versorgen, mit keinem anderen Menschen verglichen werden kann, den ich je getroffen habe", erklärte Tsitsipas. Für das laufende Rasen-Turnier in Halle sagte er am Montag ab.

Quelle: Agenturen