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Martin Hinteregger beendet Profi-Karriere

23. Juni 2022 · Lesedauer 4 min

Martin Hinteregger beendet völlig überraschend seine aktive Profi-Karriere beendet. Das gab sein Verein, Eintracht Frankfurt bekannt. Hintergrund ist die Aufregung um seine Person im Zuge der Ausrichtung des "Hinti-Cups".

Paukenschlag im Lager des ÖFB! Nationalspieler Martin Hinteregger beendet seine aktive Fußball-Karriere im Alter von 29 Jahren. Sein Rücktritt dürfte im Zusammenhang mit der Aufregung um seine Person im Zuge der Ausrichtung des "Hinti-Cups" stehen, wie der Verteidiger selbst in einem Statement erklärt. 

"In den vergangenen Wochen haben sich rund um meinen "Hinti-Cup", den ich mit Herzblut und besten Gewissens ausgetragen habe, einige Themen ergeben, deren Tragweite mir erst im Nachhinein klar geworden ist. Emotionale, vielleicht unbedachte Worte von mir haben zu Irritationen geführt und dafür möchte ich mich entschuldigen. Das bedaure ich sehr. Um es nochmal ganz klar zu sagen: rechtes, intolerantes und menschenverachtendes Gedankengut verurteile ich aufs Schärfste. Wer mich kennt, weiß das. Zunächst gilt es für mich, etwas Abstand zu gewinnen und mein Leben neu auszurichten. Ich bin dankbar, dass mir die Eintracht die Möglichkeit gibt, diesen Schritt jetzt zu gehen."

Das komplette Interview zum Rücktritt

Hinteregger war medial in die Kritik geraten, da er bei der Ausrichtung eines Benefizturnieres mit Herbert Sickl, einem Ex-FPÖ-Politiker mit Nähe zum rechtsextrem Lager, kooperierte. Hinteregger selbst beteuerte, dass er dessen Vorgeschichte nicht recherchiert habe und kritisierte, dass "ein Unbekannter solche Dinge über mich behaupten kann."

188 Bundesliga-Einsätze, 67x ÖFB-Team 

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Die Entscheidung von Hinteregger kommt am Donnerstag dennoch quasi aus dem Nichts. Nach 446 Spielen auf Vereinsebene (davon 188 in der deutschen Bundesliga) und 67 Einsätzen für das österreichische Nationalteam, kehrt Hinteregger dem Profi-Sport den Rücken. Vor wenigen Monaten feierte mit dem Sieg in der Europa League mit Eintracht Frankfurt seine größten Erfolg. Erste Rücktrittsgedanken seien bei ihm jedoch bereits davor aufgetreten. 

"Ich hatte bereits im vergangenen Herbst erste Gedanken, nach der Saison aufzuhören. Ich habe mich sportlich in einer schwierigen Phase befunden: Meine Leistungen waren schwankend. Die Siege haben sich nicht mehr so gut angefühlt, dafür tat jede Niederlage doppelt so weh. Mein Leistungsschub im Frühjahr und unsere gemeinsamen Erfolge in der Europa League haben mich dann umso mehr motiviert, mich mit einem großen sportlichen Erfolg zu verabschieden. Den Sieg in der Europa League habe ich deswegen so ausgiebig genossen, weil ich da schon wusste, dass es meine letzte große Siegesfeier mit den fantastischen Fans in dieser Stadt sein würde, die meine zweite Heimat geworden ist."

Weiters bedankt sich der Salzburger bei allen Teamkollegen, Wegbeleitern und Fans in Frankfurt. Seit 2019 spielte Hinteregger für die Eintracht. In diesen drei Jahren ist er dabei zum Publikumsliebling und einer Identifikationsfigur avanciert. In 138 Spielen gelangen "Hinti", wie er von Fans genannt wird, 14 Treffer. Zuvor verteidigte der Blondschopf für Augsburg (83 Spiele), Gladbach (10 Spiele) und Red Bull Salzburg (211 Spiele). Auch im ÖFB-Team zählte er jahrelang zu den Stützen. In 67 Länderspielen gelangen Hinteregger vier Tore. Bei den beiden Europameisterschaften (2016, 2021) stand er in allen sieben Spielen über die volle Spielzeit am Platz.

Hochgerner: "Ich glaube, wir hören noch etwas von Martin Hinteregger"

Frankfurt-Sportvorstand bedankt sich bei Hinteregger

Aufgrund seiner "aufrichtigen" Entschuldigung und seiner "glaubhaften und deutlichen Distanzierung von rechtem Gedankengut", bleibt Hinteregger in Frankfurt als "verdienstvoller Spieler" in Erinnerung, wie Sportvorstand Markus Krösche zitiert wird. "Martin Hinteregger hat in den vergangenen Jahren für Eintracht Frankfurt Großartiges geleistet und maßgeblich dazu beigetragen, dass der Klub diese tolle Entwicklung nehmen konnte. Martins Entscheidung kam für uns unerwartet, aber er hat uns seine Perspektive und Gründe eindrücklich und überzeugend dargelegt", so Krösche.

Hintereggers Vertrag wäre noch bis Juni 2024 gültig gewesen. In einem persönlichen Gespräch bat er die Vereinsverantwortlichen um eine vorzeitige Auflösung. Dieser Bitte sei man nach intensiven Gesprächen mit dem Spieler, seinem Berater und Cheftrainer Oliver Glasner nachgekommen. Sportvorstand Krösche fügt noch an: "Martins Schritt verdient Respekt und Anerkennung. Wir hoffen, dass er seinen Weg nach der aktiven Karriere findet und wir wünschen ihm für die Zukunft alles Gute."

ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel richtete auf der Verbands-Website Dankesworte an Hinteregger. "Er ist ein sehr individueller Typ mit Ecken und Kanten, mit dem sich viele Menschen und Fans identifizieren konnten. Seine großen fußballerischen Qualitäten haben unsere Mannschaft über viele Jahre bereichert und verstärkt. Ich wünsche ihm für die Zeit nach der Karriere in allen Lebensbereichen alles Gute", sagte Schöttel über den Abwehrspieler, der demnächst in den ÖFB-Legendenclub aufgenommen wird.

Maximilian PatakQuelle: Redaktion