Chukwuemeka und Wanner beweisen ihren Wert für ÖFB-Team
Der frühere englische Nachwuchsteamspieler Chukwuemeka scorte nach Doppelpass mit seinem Borussia-Dortmund-Clubkollegen Marcel Sabitzer und sprach danach im ORF-Interview von einem "fantastischen Gefühl. Nicht viele Worte können diesen Moment beschreiben. Als der Ball im Tor war, konnte ich es nicht glauben. Ich möchte es sofort wieder tun."
Der in Wien geborene und in England aufgewachsene Mittelfeldspieler ließ in einigen Aktionen seine Kreativität aufblitzen, was er auch darauf zurückführte, dass er von der Mannschaft auf Anhieb sehr gut aufgenommen worden sei. Dafür sei er sehr dankbar, betonte der nach einer Stunde eingewechselte Chukwuemeka. "Ich habe mich wirklich willkommen geheißen gefühlt. Wir sind gut gestartet, haben früh getroffen und weitergemacht. Es fühlt sich mehr wie eine Familie an als ein Team."
Wanner kam bereits zur Pause und leitete bald nach Wiederanpfiff mit einem weiten Pass auf Marcel Sabitzer das 2:0 durch Michael Gregoritsch ein. Danach schoss er jenen Corner, der zum 3:0 führte und war zudem an der Entstehung des 4:1 durch Chukwuemeka beteiligt. "Es ist schön, dass es beim Debüt so gut geklappt hat. Ich kannte schon viele im Vorhinein, wir sind eine super Mannschaft, es kann jeder mit jedem, es klappt super auf und neben dem Platz", sagte der Sohn eines Deutschen und einer Vorarlbergerin.
Die Entscheidung für den ÖFB sei richtig gewesen, beteuerte der Ex-DFB-Nachwuchsinternationale. "Ich bin froh, das österreichische Trikot tragen zu dürfen. Ich habe auf mein Herz gehört und bin sehr glücklich, jetzt hier spielen zu können."
Laut Teamchef Ralf Rangnick wäre ohne die Regeländerung, wonach ab sofort bei Testspielen bis zu elf Auswechslungen erlaubt sind, möglicherweise nur einer der zwei ÖFB-"Neuzugänge" zum Einsatz gekommen - oder gar keiner. So aber konnten sich beide für die Zukunft aufdrängen. "Viel besser als das, was die gemacht haben, kann so ein Debüt nicht laufen", meinte Rangnick. "Natürlich haben sie sich empfohlen."
Rangnick setzte Wanner und Chukwuemeka auf "1A-Positionen" ein
Der Deutsche hob Wanners Einfluss auf das Spiel hervor. "Was soll man sagen, wenn man bei seinem Länderspiel-Debüt an drei von vier Toren in der zweiten Halbzeit beteiligt ist? Viel besser kannst du das nicht machen." Ähnliches gelte auch für Chukwuemeka, ergänzte Rangnick. "Ich habe versucht, beide auf ihrer 1A-Position zu bringen, also Carney auf der Zehn und nicht auf dem Flügel."
Zumindest in einem Bereich gibt es bei Chukwuemeka noch Aufholbedarf: Der 22-Jährige spricht nur wenige Worte Deutsch. "Für solche Jungs ist es nicht so einfach, weil überall Englisch gesprochen wird", erklärte Rangnick. Es habe ihn aber überrascht, dass man in über einem Jahr in Dortmund bisher gar nicht versucht habe, mit Chukwuemeka Deutschunterricht zu machen.
Das sei aber auch nicht die Aufgabe eines Nationalverbandes. "Das wäre das so, wie wenn wir über unsere Ernährungsberater Spieler dazu bringen wollen, sich vernünftig zu ernähren, und daheim essen sie irgendwelchen Schmarrn", meinte Rangnick. Bei Besprechungen hat er Chukwuemeka kurzerhand Physiotherapeut Peter Geigle als Simultandolmetscher zur Seite gestellt. "Außerdem haben wir ein kleines Wörterbuch mit den wichtigsten Vokabeln, die wir hier benutzen", verriet der Teamchef. "Wir werden keine Verständigungsschwierigkeiten haben."
Zusammenfassung
- Beim 5:1-Testspielsieg gegen Ghana überzeugten die Debütanten Carney Chukwuemeka und Paul Wanner, wobei Chukwuemeka 17 Minuten nach seiner Einwechslung ein Tor erzielte und Wanner an drei Treffern beteiligt war.
- Durch die neue Regel, die bis zu elf Auswechslungen erlaubt, konnten beide Spieler erstmals gemeinsam für das ÖFB-Team auflaufen und zeigten auf ihren Wunschpositionen starke Leistungen.
- Teamchef Ralf Rangnick lobte beide Neulinge, stellte Chukwuemeka einen Dolmetscher zur Seite und betonte, dass trotz Sprachbarriere keine Verständigungsprobleme im Team bestehen.
