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CAS bestätigt Olympia-Ausschluss von Ukrainer Heraskewytsch

Heute, 17:00 · Lesedauer 3 min

Der Ausschluss des Ukrainers Wladislaw Heraskewytsch vom olympischen Skeleton-Rennen ist in einem Eilverfahren bestätigt worden. Der Internationale Sportgerichtshof CAS wies den Einspruch des 27-Jährigen gegen die Entscheidung des Weltverbands IBSF zurück, der Heraskewytsch wegen seines vom IOC verbotenen Helms mit Bildern von im Krieg getöteten Sportkollegen disqualifiziert hatte. Heraskewytsch war schon davor nicht mehr von einer nachträglichen Teilnahme ausgegangen.

"Das hat sich erledigt", sagte Heraskewytsch nach der Anhörung in Mailand, umhüllt von einer ukrainischen Flagge. In einer rund zweieinhalbstündigen Anhörung vor der Ad-hoc-Kommission des CAS kämpfte er gegen die Entscheidung des IBSF, ihn von den Rennen auszuschließen. "Von Tag eins an habe ich gesagt, dass ich glaube, dass ich im Recht bin", erklärte Heraskewytsch. "Ich bereue nichts." Seinen Ausschluss bezeichnete er als ein "Propaganda-Instrument für Russland". Heraskewytsch gab sich überzeugt, dass der CAS zu seinen Gunsten entscheiden werde. Dazu kam es jedoch nicht. "Der CAS hat uns im Stich gelassen. Wir werden unsere nächsten Schritte prüfen", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters.

Hintergrund war, dass Heraskewytsch sich geweigert hatte, auf das Tragen eines vom IOC verbotenen Helms mit Bildern von im Krieg gegen Russland getöteten Sportkollegen zu verzichten. Das IOC untersagt politische Botschaften während der Wettkämpfe und hatte den Ukrainer mehrfach aufgefordert, einen anderen Helm zu verwenden. Der 27-Jährige argumentierte, es habe bereits ähnliche Fälle bei Olympia ohne drastische Sanktionen gegeben, und sieht keinen Regelbruch.

In der Begründung des CAS hieß es, das Gericht sei der Ansicht, dass die IOC-Richtlinien "ein angemessenes Gleichgewicht herstellen zwischen dem Interesse der Athleten, ihre Meinung zu äußern, und ihrem Interesse, ungeteilte Aufmerksamkeit für ihre sportlichen Leistungen an der Wettkampfstätte zu erhalten". An diese Regeln sei auch der CAS gebunden. Insgesamt acht Stunden dauerte die Anhörung.

Coventry: "Regeln sind Regeln"

IOC-Präsidentin Kirsty Coventry halt das Regelwerk der Olympia-Organisation weiter für richtig. "Die Regeln sind die Regeln, und ich glaube an diese Regeln. Ich halte diese Richtlinien für sehr gut", sagte Coventry. Sie hatte in einem langen Gespräch versucht, Heraskewytsch noch vom Tragen des Kopfschutzes während seiner Rennen abzuhalten. "Es war ein sehr gutes Gespräch, ein sehr respektvolles Gespräch", sagte die 42-Jährige. Heraskewytsch habe die Position des IOC verstanden, sei aber seiner Sache sehr verpflichtet. "Leider ändert das nicht die Regeln", sagte Coventry.

Die IOC-Präsidentin verwies bei ihrem Auftritt im Medienzentrum in Mailand erneut darauf, dass der Regelrahmen für Meinungsäußerungen bei Olympischen Spielen auch von zahlreichen Vertretern der Athletengemeinde mit entwickelt worden sei. "Für mich sind die Regeln sehr klar. Die Athleten wollen sich ausdrücken dürfen, aber sie wollen auch geschützt sein und nicht benutzt werden", sagte Coventry. Als frühere Vorsitzende der IOC-Athletenkommission war sie maßgeblich an der Neufassung der Richtlinien beteiligt.

Allen Athletinnen und Athleten wird in Artikel 40.2 der Olympischen Charta das Recht auf freie Meinungsäußerung zugesichert - jedoch nur im Rahmen der IOC-Wettkampfregeln. Es gelten damit Einschränkungen während der Wettbewerbe und bei Siegerehrungen. Und in Artikel 50.2 heißt es: "In allen olympischen Anlagen, Veranstaltungsorten und anderen Bereichen sind Demonstrationen jeglicher Art sowie politische, religiöse oder rassistische Propaganda verboten."

Zusammenfassung
  • Das IOC verbietet politische Botschaften während der Wettkämpfe und beruft sich dabei auf Artikel 40.2 und 50.2 der Olympischen Charta, was von IOC-Präsidentin Kirsty Coventry als notwendige Regel zum Schutz der Athleten verteidigt wurde.
  • Heraskewytsch bezeichnete seinen Ausschluss als "Propaganda-Instrument für Russland" und kündigte an, mögliche weitere Schritte zu prüfen, nachdem die rund achtstündige Anhörung vor dem CAS zu keinem anderen Ergebnis geführt hatte.