APA - Austria Presse Agentur

Auf Kane ist wieder Verlass - Entlastung dank Sterling

09. Juli 2021 · Lesedauer 4 min

Ein Treffer beim 2:0 gegen Deutschland (Achtelfinale), ein Doppelpack beim 4:0 gegen die Ukraine (Viertelfinale) und der entscheidende Elfmeter-Nachschuss ins Finalglück zum 2:1 nach Verlängerung gegen Dänemark: Harry Kane ist da, wenn man ihn braucht. Nach einem Stotterstart ins Turnier schreibt der Tottenham-Star wieder sportliche Schlagzeilen. Das auch, da er von seinen Kollegen gut bedient wird. Vor allem Raheem Sterling war im laufenden Turnier da ein wichtiger Faktor.

"Wir können nicht die ganze Last auf Harrys Schultern legen", hatte Englands Teamchef Gareth Southgate nach dem 1:0-Erfolg zum Auftakt gegen Kroatien auf den Turnierverlauf vorausgeblickt. Wohlwissend, dass er sich auf eine andere Offensivkraft verlassen kann. Sterling überzeugte bei seinen Einsätzen mit extremer Laufarbeit, unermüdlichen Dribblings und gutem Passspiel. Ideale Voraussetzungen für eine perfekte Harmonie mit Kane.

Der wurde von seinem neuen Tottenham-Sportdirektor Fabio Paratici gegenüber "Sky Italia" als "kompletter Spieler" bezeichnet. Seine Zahlen im Trikot der mit Liga-Rang sieben enttäuschenden "Spurs" belegen dies: Alle 122 Minuten lässt Kane in der Premier League das Netz zappeln. Seine Karrieremarke im englischen Oberhaus steht bei 166 Toren in 245 Partien. 2020/21 brachte es der 27-Jährige in 49 Pflichtspielen auf 50 Scorerpunkte - 33 Tore und 17 Assists. Sein EM-Ticket stand da außer Frage, ganz im Gegenteil zu seinen Teamkollegen, die allesamt den Sprung zur Endrunde verpassten.

Seine Form konnte der Torjäger zunächst aber nicht mit zur EM nehmen, blieb blass und wurde gar zweimal frühzeitig vom Platz genommen. Sterling war es, der das englische Team durch die Gruppenphase trug. So gingen die beiden einzigen Treffer der "Three Lions" - bei den 1:0-Erfolgen gegen Kroatien und Tschechien - auf das Konto der Manchester-City-Stütze. "Er bringt seit langer Zeit verlässlich Leistung für uns", hatte Southgate nach dem Auftaktsieg über Sterling gesagt. Er hatte dem 26-Jährigen nach einer eher mäßigen Saison mit den "Citizens", in der er in der Liga nur zehnmal traf, die Stange gehalten.

Und Sterling zahlte das Vertrauen in seinem "back garden", wie er den Finalort in London nennt, mit guten Leistungen zurück. Der 65-fache englische Teamspieler ist in Jamaika geboren und in dem sozial schwierigen Stadtteil Wembley im Nordwesten der Hauptstadt aufgewachsen. Dort konnte der Offensivkünstler, der von Southgate als "Kämpfer mit dem echten Torhunger" bezeichnet wird, vor allem auch seinen Kapitän entlasten. Mit vier Scorerpunkten und nimmermüdem Einsatz hat er gute Chancen zum besten Spielers des Turniers gewählt zu werden.

Pünktlich zur K.o.-Phase fand auch Kane seinen Torriecher wieder. Mit insgesamt zehn Treffern bei großen Turnieren hat der "Captain fantastic" mit Gary Lineker gleichgezogen. Dieser "würde es lieben, wenn er sich im Finale absetzt", wie er via Twitter verlautete. Darauf angesprochen zollte Knipser Kane ihm umgehend Tribut: "Gary war ein erstaunlicher Spieler, ein großartiger englischer Stürmer."

Im Wissen um ihre durch den erstarkten Kane und überragenden Sterling furiose Offensive hatten die Engländer trotz des erstmaligen Rückstandes im Laufe dieser EM gegen Dänemark die Ruhe bewahrt. "Wir sind nicht in Panik ausgebrochen", resümierte Kane nach Spielende. Wer Namen wie Jack Grealish und Phil Foden in der entscheidenden Phase von der Bank bringen kann, der kann gewiss ruhig bleiben.

Alles andere als ruhig wird für den seit 2004 bei den "Spurs" kickenden Kane die Sommer-Transferzeit verlaufen. Da es ihm mit Tottenham verwehrt geblieben ist, Titel zu gewinnen, hat er vor dem Turnier offen seinen Wechselwunsch bei den Verantwortlichen hinterlegt. Ihren wertvollsten Spieler zu halten "ist nicht nur mein Ziel, sondern unseres als Club", hatte Sportdirektor Paratici daraufhin verkündet. Als heißester Interessent gilt Sterlings Arbeitgeber Manchester City.

Ein erstes Angebot über 117 Millionen Euro hat Tottenham-Boss Daniel Levy angeblich abgelehnt. Ob die beiden herausragenden Nationalspieler nächste Saison in der Premier League gemeinsam auf Torejagd gehen, wird sich zeigen. Für Kane jedenfalls wird es am Sonntag neben dem ersten großen Titel der Engländer seit dem WM-Triumph 1966 noch um die Torjägerkanone gehen. Mit vier Treffern steht nur Cristiano Ronaldo (5) vor ihm. Auszeichnungen wie diese allerdings, seien "nur ein Bonus", versicherte der Mittelstürmer.

Quelle: Agenturen