"Abkehr von schmutzigem Geld": Weltsport schließt die Reihen

01. März 2022 · Lesedauer 3 min

Der Weltsport hat die Reihen noch enger gegen Russland geschlossen. Weitere Weltverbände haben sich am Dienstag dem Aufruf des Internationalen Olympischen Komitees angeschlossen, Russland und Belarus als Sanktion für den Krieg gegen die Ukraine auszuschließen. Dazu gehören der Ski-Weltverband, die internationalen Föderationen für Eiskunst- und Eisschnelllauf, Eishockey, die Handball- und Volleyballverbände sowie Kanu und Rudern.

Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) wird am Mittwoch, zwei Tage vor der Eröffnung der Winter-Paralympics in Peking, über einen Ausschluss von Russland und Belarus entscheiden. Erst am 2. März sei die IPC-Exekutive vollständig versammelt, teilte der Dachverband dem Branchendienst "insidethegames.biz" mit. Die ukrainischen Athleten werden trotz Krieges wohl rechtzeitig in Peking eintreffen. Das Team mit 20 Athleten sei auf dem Weg in die chinesische Hauptstadt und könne am Mittwoch ankommen, sagte ein IPC-Sprecher.

Der Leichtathletik-Weltverband hat sich als ein weiterer großer Dachverband den Sanktionen gegen Russland und Belarus angeschlossen. "Alle Athleten, Betreuer und Offiziellen aus Russland und Belarus werden mit sofortiger Wirkung von allen Veranstaltungen der Leichtathletik-Weltserie ausgeschlossen", hieß es in einer Mitteilung von World Athletics am Dienstag. Dazu gehören die Hallen-WM im März in Belgrad und die Freiluft-WM im Juli in Eugene/USA sowie die Mannschafts-WM im Gehen in Muscat, die am Freitag im Oman beginnt.

Die Schwimm-Funktionärskollegen der FINA verbannen russische und belarussische Sportler nicht und lassen sie weiter als neutrale Athleten bei internationalen Wettkämpfen starten. Die Teilnahme unter dem Namen Russland oder Belarus sei nicht mehr erlaubt. Russlands Präsident Wladimir Putin wurde aber der FINA-Orden aberkannt.

"Der völlige Ausschluss musste jetzt sein, ohne Rücksicht auf die russischen und belarussischen Athleten", sagte die Menschenrechtsexpertin Sylvia Schenk der Deutschen Presse-Agentur. "Für die Zukunft muss geklärt werden, wo der Sport die Grenzen zieht." Eine Zeitenwende sei bereits durch die Olympischen Winterspiele in Peking mit den großen menschenrechtlichen Problemen eingeläutet worden.

"Jetzt geht endgültig kein Weg mehr an einer grundlegenden Neupositionierung des nationalen und internationalen Sports vorbei", betonte sie. "Es braucht Menschenrechtskonzepte mit konkreten Maßnahmen auf allen Ebenen des Sports, die Abkehr von schmutzigem Geld – ob von Oligarchen oder zweifelhaften Regierungschefs - und darüber hinaus eine strikte Trennung von Sport und Politik."

DOSB-Präsident Thomas Weikert sieht es ähnlich. Nach den aktuellen Ereignissen müsse sich der Sport "spätestens jetzt hinterfragen, wie er mit Herrschern von Autokratien umgeht", sagte der Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes der Sportschau. "Ich gehe davon aus, dass die überwiegende Mehrheit aller Sportverbände Russland ausschließt", sagte Weikert in dem Video.

Quelle: Agenturen