5:2-Sieg über Austria gibt Sturm viel Lernstoff
"Es muss jedem bewusst sein, dass eine Leistung wie in der ersten Hälfte in den kommenden Spielen nicht reichen wird", warnte Vallci. Die Partie müsse ein Augenöffner für die nächsten Runden sein. "Jene Mannschaft, die die kleinen, einfachen Sachen umsetzt und die wenigsten Fehler macht, wird am Ende ganz oben stehen. Wir haben sehr viele Fehler gemacht - vor allem auch im taktischen Bereich."
Trainer Fabio Ingolitsch freute sich über den mitgenommenen "Flow" und die Ausbeute. Drei Punkte liegt Sturm nun vor dem LASK und Rapid, vier vor Salzburg und der Austria. "Wir haben das erste von zehn Finalspielen gewonnen, und deshalb haben wir auch wieder die beste Ausgangslage für die nächste Runde." So weit die erfreulichen nackten Fakten aus Grazer Sicht vor dem Heimschlager gegen Salzburg. Mit dem, was seine Truppe in Wien-Favoriten bot, war der Coach jedoch nur teilweise einverstanden.
"Wir waren ganz klar in der Struktur, hatten eine gute Zuteilung, waren aber überhaupt nicht ready. Manche Spieler haben Sicherheitsabstände gewählt und sich in den Duellen nicht durchgesetzt", kritisierte Ingolitsch weite Phasen der ersten Hälfte und die Endphase der zweiten. "Dann fährt der Zug nur in eine Richtung." Dass sein Team hier 5:2 gewann, sei deshalb "fast schon paradox". Mit viel Lernstoff fuhr man nach Graz zurück. "Wir können morgen ganz gut mit Kontrasten aufzeigen, was wir wollen und was nicht", sagte Ingolitsch. "Das Schöne ist, wir haben noch so viel Potenzial nach oben."
Im Sky-Studio zu Gast, verwies der Ex-Altach-Trainer darauf, dass seine Mannschaft die formstärkste des Frühjahrs nach Punkten ist. "Und trotzdem fühlt es sich noch nicht so an, dass meine Mannschaft Fußball spielt. Ich stelle mir das schon noch einmal ganz anders vor, speziell im Spiel mit dem Ball", sagte Ingolitsch.
Austria beklagte ungünstigen Spielverlauf
Die Austria verlor klar mit drei Toren Unterschied, wusste aber auch, dass der Kräfteunterschied nicht so gravierend war, wie es das Ergebnis ausdrückte. "Das Momentum ist überhaupt nicht auf unsere Seite gefallen", sagte Stephan Helm. Der Trainer sah nach einem Blitzstart seines Teams und einer Blitzantwort des Gegners - nach sechs Minuten stand es 1:1 - eine tonangebende, aber ineffiziente Austria-Mannschaft. Weil Sturm in der Nachspielzeit der ersten Hälfte einen eiskalten Konter über Otar Kiteishvili fuhr, musste der Burgenländer sogar einen Pausenrückstand moderieren.
Doch bevor die Veilchen überhaupt eine Chance auf den Ausgleich vorfanden, holte Kiteishvili den Elfmeter zum 3:1 heraus und verwertete ihn selbst (55.). Zu allem Überfluss sah Tin Plavotic für sein Elferfoul eine Gelb-Rote Karte, die Chaos in der violetten Hintermannschaft auslöste, weil plötzlich einer fehlte. "Wir haben kurzzeitig nicht gewusst, welche Formation wir spielen. 4-4-1, ja, aber wenn du immer Fünferkette spielst und auf einmal Viererkette, ist es ein Riesenunterschied", sagte Mannschaftskapitän Manfred Fischer. "Da sind sie halt brutal, da bestrafen sie dich, wenn du nicht so genau bist."
4:1, Ryan Fosso (60.), 5:1, Eigentor Aleksandar Dragovic (67.) - in etwas mehr als zehn Minuten war die Partie entschieden. Seine Mannschaft habe in dieser Phase "den Faden verloren", gestand auch Helm. Gleichzeitig verwies er auf die gute Leistung in Hälfte eins und die Moral am Schluss. "Wir müssen einfach draufbleiben. In den nächsten neun Runden ist noch so viel möglich, es wird eng bleiben." Die nächste Runde führt die Austria zu den Defensivkünstlern von Manfred Schmid nach Hartberg. Ein erneutes Torspektakel kündigt sich nicht an.
Zusammenfassung
- Sturm Graz gewinnt nach sieben erfolglosen Anläufen mit 5:2 gegen Austria Wien und baut die Tabellenführung auf drei Punkte aus.
- Trotz des klaren Sieges kritisieren Verteidiger Vallci und Trainer Ingolitsch die Leistung der Mannschaft wegen vieler taktischer Fehler und einer schwachen ersten Hälfte.
- Ein Elfmeter und eine Gelb-Rote Karte gegen Austria in der zweiten Halbzeit sorgten für die Vorentscheidung und brachten Sturm endgültig auf die Siegerstraße.
