APA - Austria Presse Agentur

Zypern fordert Flüchtlingsaufnahme durch andere EU-Staaten

28. Dez 2021 · Lesedauer 2 min

Zypern hat die anderen EU-Mitgliedsstaaten dringend gebeten, Migranten aus den überfüllten Registrierlagern aufzunehmen. Allein im Oktober und November seien 4.000 Migranten angekommen, sagte der zypriotische Innenminister Nikos Nouris am Dienstag im staatlichen Rundfunk. Seit Jahresanfang seien 12.000 Menschen hauptsächlich aus dem von türkischen Truppen besetzten Norden der Insel in den Süden gelangt. Im Vorjahr stand Zypern an der Spitze der EU-Asylstatistik.

Die Mittelmeerinsel ist etwa so groß wie Kärnten, doch ist ihr nördliches Drittel von der türkischen Armee besetzt. Organisierte Schlepperbanden kassieren nach Angaben des zypriotischen Innenministers 300 Euro bis 500 Euro, um die Migranten aus dem Norden über die Trennungslinie in Gebiete zu bringen, die von der Republik Zypern kontrolliert werden. Schon 2020 gab es in keinem anderen EU-Staat verglichen zur Bevölkerungsgröße so viele Asylanträge wie in Zypern. Der griechisch-zypriotische Südteil der Insel hat rund 850.000 Einwohner.

Nouris forderte, dass die anderen EU-Staaten Migranten von seiner Insel aufnehmen. "Papst Franziskus hat bei seinem jüngsten Besuch auf Zypern der EU gezeigt, was Solidarität bedeutet", sagte Nouris. Der Vatikan hatte beim jüngsten Besuch des Papstes auf Zypern Anfang Dezember rund 50 Migranten aus zypriotischen Registrierlagern aufgenommen.

Vor Weihnachten rief Franziskus die Ortskirchen weltweit zur Aufnahme von Migranten auf und ersuchte die jeweiligen Regierungen, dies zu ermöglichen. In Österreich appellierte die Bischofskonferenz daraufhin an die Bundesregierung, zusätzlich 100 Flüchtlingsfamilien ins Land zu lassen. Die türkis-grüne Bundesregierung lehnt dies ab unter Verweis auf die weiterhin hohe Zahl an Asylbewerbern, die es aus eigener Kraft bis nach Österreich schaffen.

Zypern hat bereits eine elf Kilometer lange Absperrung entlang der Trennungslinie zwischen Süd- und Nordzypern gebaut. Der Stacheldrahtzaun steht im Westen der geteilten Hauptstadt Nikosia.

Quelle: Agenturen