APA - Austria Presse Agentur

Zweiwöchige Feuerpause im Jemen angekündigt

09. Apr 2020 · Lesedauer 4 min

Im Jemen will das von Saudi-Arabien angeführte Militärbündnis für mindestens zwei Wochen die Waffen schweigen lassen und damit nach eigener Aussage den Weg zu Gesprächen mit den Houthi-Rebellen ebnen. Die - nach UNO-Angaben einseitige - Waffenruhe werde Donnerstagmittag (11 Uhr MESZ) in Kraft treten, kündigte Bündnissprecher Turki al-Malki nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur SPA an.

Im Jemen will das von Saudi-Arabien angeführte Militärbündnis für mindestens zwei Wochen die Waffen schweigen lassen und damit nach eigener Aussage den Weg zu Gesprächen mit den Houthi-Rebellen ebnen. Die - nach UNO-Angaben einseitige - Waffenruhe werde Donnerstagmittag (11 Uhr MESZ) in Kraft treten, kündigte Bündnissprecher Turki al-Malki nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur SPA an.

Ziel sei auch, die Ausbreitung des Coronavirus im Jemen zu verhindern. Oberst Al-Malki stellte zudem auch eine mögliche Verlängerung der Waffenruhe in Aussicht. Damit könnten Bedingungen für ein Treffen der kämpfenden Parteien geschaffen werden, um über Schritte zu einem dauerhaften Waffenstillstand zu sprechen.

Die Vertreter der jemenitischen Regierung, der Houthi-Rebellen und der saudischen Koalition könnten dabei über "Maßnahmen zur Vertrauensbildung" und eine Rückkehr zum politischen Prozess sprechen. Man sei entschlossen, die Bemühungen des UNO-Sonderbeauftragten Martin Griffiths zu unterstützen.

Unklar blieb zunächst, ob die Houthi-Rebellen die Kämpfe ebenfalls aussetzen würden. Ihr Sprecher Mohammed Abdulsalam erklärte via Twitter, dass die Vorstellungen der Rebellen zu einem "umfassenden Kriegsende und einem Ende der Blockade" den Vereinten Nationen mitgeteilt worden seien. Dieser Plan "garantiert die Sicherheit, Unversehrtheit und Unabhängigkeit des Jemen und legt den Grundstein für einen politischen Dialog und eine neue Übergangsphase", schrieb Abdulsalam.

In der Nacht auf Donnerstag wurden vom jemenitischen Informationsministerium noch neue Angriffe gemeldet. Die Houthis hätten die Hafenstadt Hodeidah und die Stadt Marib im Landesinneren mit Raketen beschossen. Die Houthis teilten wiederum über von ihnen kontrollierte Medien mit, die saudi-arabische Militärallianz habe Ziele in zwei Provinzen angegriffen.

Die vom Iran unterstützten Houthis kämpfen im Jemen gegen die Regierung von Präsident Abd-Rabbu Mansour Hadi und das saudische Bündnis, das die Rebellen im Land zurückdrängen will. Seit Wochen kommt es vor allem in der jemenitischen Provinz Marib östlich von Sanaa wieder zu Gefechten, nachdem die Kämpfe Ende 2019 abgeflaut waren.

Die Ankündigung einer Waffenruhe im Jemen ist einer der größten Fortschritte im Ringen um eine friedliche Lösung des Konflikts seit mehr als einem Jahr. Im Dezember 2018 hatten sich die Beteiligten in Stockholm auf eine Waffenruhe für die wichtige Hafenstadt Hodeidah und einen Abzug der Houthis sowie einen umfassenden Austausch von Gefangenen geeinigt. Vollständig umgesetzt wurde das unter UNO-Vermittlung geschlossene Abkommen bisher allerdings nicht.

UNO-Vermittler Griffiths begrüßte deshalb die Ankündigung und sprach von einer "einseitigen Waffenruhe für alle Boden-, See- und Lufteinsätze". Er sei dankbar, dass Saudi-Arabien und dessen Verbündete "diesen für den Jemen kritischen Moment erkannt" hätten, sagte Griffiths. Die Waffenruhe werde ein "günstiges Umfeld" schaffen, um den politischen Prozess voranzutreiben. Griffiths bemüht sich als UNO-Sondervermittler seit mehr als zwei Jahren um eine Lösung des Konflikts.

Ziel der Waffenruhe ist nach Angaben von Bündnissprecher Al-Malki auch, eine drohende Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Im Jemen sind bisher offiziell keine Infektionen mit Sars-CoV-2 gemeldet. Ein Ausbruch könnte aber verheerende Folgen haben: Die medizinische Versorgung in dem bitterarmen Land auf der arabischen Halbinsel ist sehr schlecht. Tausende Menschen sind bereits an den Folgen der eigentlich heilbaren Infektionskrankheit Cholera verstorben. Nur etwa die Hälfte der Gesundheitszentren im Jemen ist voll einsatzfähig.

Der Bürgerkrieg im Jemen tobt seit 2014, als die Houthi-Milizen das verarmte Land überrannten. Sie brachten weite Teile des Nordens samt der Hauptstadt Sanaa unter ihre Kontrolle. Als sie drohten, auch die strategisch wichtige Hafenstadt Aden im Süden einzunehmen, trat Saudi-Arabien mit Verbündeten in den Krieg ein. Das Bündnis bombardiert seit März 2015 Stellungen der Houthis. Die humanitäre Lage ist katastrophal: Mehr als 80 Prozent der etwa 30 Millionen Einwohner sind auf Hilfe angewiesen.

Quelle: Agenturen