APA - Austria Presse Agentur

Zadic zu Afghanistan: "Müssen Frauen und Kinder da rausholen"

27. Aug 2021 · Lesedauer 3 min

Justizministerin Alma Zadic (Grüne) fordert die Aufnahme von gefährdeten Frauen und Kindern aus Afghanistan.

Die grüne Justizministerin Alma Zadic fordert, Frauen, Mädchen und Menschen, die für die frühere Regierung in Kabul oder westliche Staaten gearbeitet haben, aus Afghanistan herauszuholen. Sie müssten fürchten, von den Taliban gefoltert, exekutiert oder gesteinigt zu werden. "Es ist dringend geboten, jetzt gemeinsam als Europa zu helfen", sagte Zadic im Interview mit dem "Kurier".

Zadic will Überzeugungsarbeit leisten

Zur Linie der Koalition, vorerst nur "Hilfe vor Ort" zu leisten, meinte die Ministerin: "Hilfe vor Ort wird notwendig sein, aber es wird auch notwendig sein, Frauen und Mädchen, die jetzt gefährdet sind, da rauszuholen." Zur Ablehnung der ÖVP sagte Zadic: "Dann werden wir Überzeugungsarbeit leisten müssen. Alle grünen Regierungsmitglieder und übrigens auch die weit überwiegende Mehrheit unserer europäischen Nachbarn sind sich da einig."

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Auf die Frage, ob sie auch der Meinung ihres Parteichefs Werner Kogler sei, es fehle der ÖVP an der "notwendigen Menschlichkeit", erklärte Zadic: "Menschlichkeit ist immer wichtig. Wenn ich mir ausmale, dass sich in Afghanistan wiederholt, was vor 20 Jahren unter den Taliban war, macht mich das unglaublich betroffen."

Österreich habe bei Krisen in der Vergangenheit immer geholfen, sagte sie unter Hinweis auf den Jugoslawien-Krieg. "Wien ist bekannt als der Ort, an dem sich die Diplomatie trifft. Ich finde, Österreich sollte diese Rolle am internationalen Parkett auch jetzt einnehmen", so die Grüne Ministerin.

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Ludwig will "Perspektive ermöglichen"

Auch Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) spricht sich für die Aufnahme von gefährdeten Afghanen aus. Gegenüber PULS 24 sagt er: "Es geht nicht darum, dass wir wahllos irgendwelche Menschen aufzunehmen wollen" Ludwig will Afghanen, die nach der Machtübernahme der Taliban in Gefahr sind, in der Bundeshauptstadt aufnehmen: "Ich denke zum Beispiel an 300 Richterinnen, die in Afghanistan das erste Mal als Frauen in solche Positionen gekommen sind, die jetzt im Leben sehr oft bedroht sind, die auf Todeslisten sind. An Journalistinnen beispielsweise oder auch an Frauen, die sich dafür eingesetzt haben, dass Mädchen eine entsprechende Schul- und Bildungslaufbahn einschlagen können", so der SPÖ-Politiker. "Es geht gezielt darum, jenen Menschen eine Perspektive zu ermöglichen, die in Vertrauen auf die westlichen Länder ihr Leben riskiert haben, um diese demokratischen Werte zu verteidigen", erklärt er weiter.

Die Aufnahme der bedrohten Afghanen würde laut Ludwig durch Resettelment Programmen geschehen. Daher sei es "durchaus möglich, dass es in der Bundesregierung die Erkenntnis gibt, dass das ein wichtiger Schritte wäre - auch im Rahmen der Europäischen Union". Im Interview setzt der SPÖ-Politiker auch zum Seitenhieb an die Grünen an: "Vielleicht tut sich was auf Ebene der Bundesregierung, vielleicht schaffen es die Grünen hier auch ihrer Meinung zum Durchbruch zu bringen".

Ludwig will "gezielt" bedrohte Afghanen aufnehmen

Quelle: Agenturen / pea