Selenskyj auf dem 4GAMECHANGERS: "Russland versteht nur die Sprache der Waffen"

30. Juni 2022 · Lesedauer 4 min

Im Zuge des 4GAMECHANGERS Festivals sprach der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Donnerstag zum ersten Mal in Österreich live. Er betonte die Wichtigkeit der Medien im Ukraine-Krieg und fordert weitere Hilfe aus Österreich. Van der Bellen erklärte im Anschluss, dass die Ukraine auch unsere Freiheit verteidigt.

"Im Krieg gibt es keine Gewinner (...) Es wird ein Ende geben. Irgendwann wird es ein Ende haben", sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj während seiner Live-Schalte zum 4GAMECHANGERS Festival. Selenskyj bedankte sich für die Hilfe Österreichs an sein Land. Gleichzeitig kritisierte er Russland und den Angriff auf die Ukraine scharf und weist auf die Auswirkungen hin, die laut dem Präsidenten auch den Rest Europas betreffen könnten. Unter anderem nennt er die Hungersnot, die durch die von Russland blockierten Getreideexporte droht, als Beispiel.

Europäische Einigkeit wichtig

Außerdem betont er die Wichtigkeit der europäischen Einigkeit und die Rolle der Medien. "Die freien Medien sollen unterstützt werden. Die Medien, die nach journalistischen Standards arbeiten, um die Wahrheit zu schützen vor Propaganda, vor Konspiration und anti-wissenschaftlichen Theorien", so Selenskyj.

Weitere Hilfen an die Ukraine notwendig

Die Ukraine sei sehr dankbar für die bisherige Hilfe, die sie aus Österreich erhalten habe. Selenskyj betont aber auch, dass weitere Hilfen an sein Land notwendig seien. Er bittet Österreich, das Engagement bei der Vorbereitungen des siebten Pakets der EU-Sanktionen, zu verdoppeln.  Er wandte sich dabei auch an die in der Wiener Marx Halle anwesenden Bundespräsident Alexander Van der Bellen sowie Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP).

"Migrationstsunami" ausgelöst durch Hungersnot

Nach jahrzehntelangen Diskussionen über die Frage, wie das Leben in der Zukunft aussehen solle, sprächen nun die Veränderungen erstmals für sich selbst, erläuterte Selenskyj. "Jeder sieht, was dringend zu tun ist", sagte er und referierte jene Bedrohungen, die Russland für sein Land und die Welt bedeutete.

Konkret sprach der ukrainische Präsident von einer drohenden Hungersnot, die ihrerseits einen "Migrationstsunami" auslösen könnte. Erwähnt wurden aber auch Desinformationskampagnen sowie die von russischen Öl- und Gaslieferungen für Europa.

"Das ukrainische Gamechanging besteht darin, dass wir ihnen die Chance zu geben, das zu tun, was schon längst hätte gemacht werden sollen", erklärte Selenskyj. Er plädierte dabei für die Stärkung der europäischen Einigkeit, die Unterstützung von Qualitätsmedien sowie die Überwindung der Abhängigkeit von russischen Energieressourcen.

Die Forderungen seines Landes nach westlichen Waffenlieferungen verteidigte das ukrainische Staatsoberhaupt auf Nachfrage: "Russland möchte keinen Dialog führen und versteht nur die Sprache der Waffen. Wir nutzen diese Waffen nur auf dem Territorium, das Russland besetzen will", erklärte er.

VdB: Ukraine verteidigt auch unsere Freiheit

"Wir in Österreich wissen, dass es nicht nur die Freiheit der Ukraine, sondern auch unsere Freiheit verteidigt wird, erklärte Bundespräsident Van der Bellen in seiner Replik. Es wäre fahrlässig, einem auf diese Weise angegriffenen Land nicht beizustehen, dies wäre "unterlassene Hilfeleistung", sagte er.

Österreich könne die Ukraine auf medizinischem Gebiet unterstützen, es könnten nichtmilitärische Günter geliefert werden sowie Flüchtlinge aufgenommen werden, denen ein "normales Leben" während des Kriegs ermöglicht werden solle, erläuterte Van der Bellen. In Bezug auf militärische Fragen sprach das Staatsoberhaupt davon, dass Österreich "auch selbst kaum ein nennenswert ausgerüstetes Bundesheer" habe.

Putin führt keinen "normalen Krieg"

Der Krieg in der Ukraine sei daher auch in Österreich Anlass darüber nachzudenken, wie man die militärische Ausrüstung verbessern können. Im Zusammenhang mit einem Investitionsrückstau im Bundesheer sowie mit dem Budget des Außenministeriums sprach er von "zwei Notstandsgebieten". Die Anzahl der Länder, in denen Österreich mit keinen Botschaften vertreten sei, kündige von einem Nachholbedarf.

Dem russischen Präsidenten Wladimir Putin warf Van der Bellen abschließend vor, keinen "normalen Krieg" zu führen. Alles erinnere an die Kolonialkriege des 19. Jahrhunderts. "Er (Putin, Anm.) will das russische Imperium unter Einbeziehung der Ukraine neu errichten und verkennt, dass sich die Ukraine in den letzten 20 Jahren vollkommen verändert hat und sich wünscht, der EU eines Tages beizutreten", erläuterte er.

Dijana DjordjevicQuelle: Agenturen / Redaktion / ddj