Wohl kein islamistischer Hintergrund bei Rabbiner-Angriff

27. Nov 2020 · Lesedauer 3 min

Nach der Attacke auf einen Rabbiner in Wien gebe es aktuell keinen Hinweis auf einen islamistischen Hintergrund, teilte das Innenministerium auf APA-Anfrage mit.

Derzeit werden Videoaufzeichnungen der in der Nähe des Vorfalls gelegenen öffentlichen Verkehrsmittel ausgewertet, hieß es zudem. Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) besprach Freitagvormittag mit dem Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Oskar Deutsch die Sicherheitslage für die jüdische Gemeinde in Wien.

Der Rabbiner hatte sich am Donnerstag in einem Haltestellenbereich in Wien-Landstraße aufgehalten, als die ihm unbekannte Frau auf ihn zukam und ihn antisemitisch beschimpfte und auch bedrohte. Dabei hielt sie ein Messer in der Hand, das sie aus ihrer Handtasche entnommen hatte. Nachdem die Unbekannte dem Mann gegen das Bein trat und dessen Hut vom Kopf schlug, entriss sie seine Kippa und flüchtete zu Fuß. Laut Polizei gab der Mann an, nicht verletzt worden zu sein.

Die Polizei veröffentlichte am Freitag eine Beschreibung der Täterin. Demnach handelte es sich um eine geschätzt 50 Jahre alte, 170 cm große Frau, die einen grauen Mantel trug. Inzwischen hat das Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) die Ermittlungen übernommen. Auch Landespolizeipräsident Gerhard Pürstl hat bereits Kontakt mit der IKG und den dortigen Sicherheitsverantwortlichen aufgenommen, hieß es aus dem Innenministerium zur APA.

"Der gestrige Angriff auf einen Rabbiner zeigt uns, dass Antisemitismus auch in unserer Gesellschaft besteht.", reagierte auch Nehammer gegenüber der APA abermals auf die Attacke. Er verwies darauf, dass die verstärkte Überwachung von Synagogen bereits aufgrund sicherheitspolizeilicher Erkenntnisse schon im Vorfeld angeordnet worden sei. Der Vorfall sei "völlig inakzeptabel, nicht tolerierbar und wir werden alles unternehmen, um die Tatverdächtigen rasch auszuforschen", kündigte Nehammer an.

Der Innenminister verwies auch auf ein dreiteiliges E-Learning-Modul, das Polizistinnen und Polizisten seit Herbst dieses Jahres zur Verfügung steht. Dieses beinhaltet unter anderem Grundlagen für das Erkennen von "Hate Crime". Auch in der Grundausbildung für die Polizei wird das Thema Antisemitismus verstärkt verankert. Derzeit läuft dazu eine Evaluierung.

Auch Kirchenvertreter verurteilten die Attacke auf den Rabbiner. "Antisemitismus darf bei uns keinen Platz haben. Er gefährdet das friedliche Zusammenleben von uns allen", kommentierte Wiens katholischer Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, den Vorfall via "Kathpress". "Ich bin bestürzt über den gestrigen Angriff auf einen Rabbiner mitten in Wien und versichere unseren jüdischen Mitbürgern meine ganze Solidarität", erklärte er auch auf Twitter. Neben dem Kardinal verurteilte auch Militärbischof Werner Freistetter als Vorsitzender der Kommission Weltreligionen der Bischofskonferenz den Angriff und betonte: "Wir stehen mit unseren jüdischen Schwestern und Brüdern zusammen."

"Zutiefst erschüttert" zeigte sich der evangelisch-lutherische Bischof Michael Chalupka. Für ihn ist es "unabweisbar", dass die Tat antisemitisch motiviert war, meinte dieser gegenüber dem Evangelischen Pressedienst. Auch er zeigte sich solidarisch und unterstrich: "Die Religionen stehen in Österreich zusammen." Für die evangelischen Kirchen sei es auch deshalb unabdingbar, dem Antisemitismus entgegenzutreten, weil sich dieser immer wieder "aus christlichen und protestantischen Wurzeln" genährt habe.

Quelle: Agenturen