Wladimir Putin bei einer VideokonferenzAFP

Putin demütigt Vize-Premier öffentlich

12. Jan. 2023 · Lesedauer 2 min

Bei einer im russischen Fernsehen übertragenen Videokonferenz verliert Russlands Präsident Wladimir Putin die Geduld mit einem seiner wichtigsten Minister und kanzelt ihn ab: "Warum stellen Sie sich dumm?"

Putins Zurechtweisung traf Denis Manturow - er ist Industrie- und Handelsminister und seit Sommer auch Vize-Premier. Er gilt als einer der zentralen Strategen der russischen Wirtschaftspolitik. Seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs und den Sanktionen aus dem Westen ist Putins Ziel, die russische Wirtschaft unabhängig von Technologie-Importen aus dem Westen zu machen. Eine kaum umsetzbare Aufgabe, der sich Manturow annimmt. 

Wegen der Sanktionen mussten mehrere russische Auto-Hersteller die Produktion teilweise einstellen, weil wichtige Komponenten fehlen. Auch für die Flugindustrie sind die Sanktionen ein herber Schlag. Boeing und Airbus liefern weder Flugzeuge noch Ersatzteile nach Russland. Ersatz soll jetzt aus dem russischen Inland kommen. Bisher ohne erkennbaren Erfolg.

Minister widerspricht - Putin rügt

Laut einem Bericht des deutschen Senders "ntv" habe Putin einige Regierungsmitglieder per Videokonferenz zum Rapport bestellt. Diese durchaus üblichen Termine werden im Fernsehen übertragen. Was in der Regel nicht an der Tagesordnung steht: Widerspruch. Putin habe sich zunächst darüber beschwert, dass einige Unternehmen noch keine Staatsaufträge erhalten haben und deshalb in diesem Jahr noch nicht mit der Produktion begönnen hätten.

Manturow entgegnete, dass alle in Frage kommenden Unternehmen bereits mit Staatsaufträgen versorgt worden wären. Nach einem kurzen Hin- und Her dürfte es Putin wohl gereicht haben: "Lassen Sie uns das beenden. Was bringt es, hier mit Ihnen zu streiten?" Und Putin weiter in Richtung seines Ministers: "Warum stellen Sie sich dumm?"

Kreml-Beobachter Anders Aslund twitterte, dass es interessant werde zu sehen, ob Manturow diesen öffentlichen Streit mit Putin überlebt: "Wenn Putin ihn nicht entlässt, wird er sehr schwach aussehen."

Michael ZehenterQuelle: Redaktion / zeh