Wifo: Gender Pay Gap sank seit 2011 um sieben Prozentpunkte
Frauen würden ihre Erwerbskarriere heute weniger oft unterbrechen und hätten mehr Jahre an Berufserfahrung, erklärte Ökonomin Christine Zulehner, Co-Autorin der Publikation, warum die geschlechtsspezifische Lohnlücke abgenommen hat. Dass Männer und Frauen zu unterschiedlicher Berufswahl tendieren, sei in Österreich vergleichsweise stärker ausgeprägt, hier habe aber eine Annäherung stattgefunden. Zudem gebe es nun mehr Frauen in Führungspositionen.
Die Lohnlücke beginne in die Höhe zu gehen, wenn die Kinder kommen, erklärte Zulehner, die an der Universität Wien und am Wifo tätig ist. Ein deutlicher Anstieg ist mit Anfang 30 sichtbar. Viele Frauen unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit nach der ersten Geburt für längere Zeit und arbeiten später in Teilzeit, heißt es im Research Brief. Das führe zu langsameren Karriereverläufen und oft zu geringerer betrieblicher Verantwortung sowie reduzierten Chancen auf Beförderungen. Väter unterbrechen ihre Berufstätigkeit seltener und kürzer.
Das Wifo berechnet den unbereinigten und bereinigten Gender Pay Gap. Bei der bereinigten Variante werden strukturelle Unterschiede zwischen Männern und Frauen herausgerechnet - also beispielsweise Berufs- und Branchenwahl, Berufserfahrung, Teilzeit oder Leitungsfunktionen. Übrig bleibt für 2024 eine bereinigte Lohnlücke von 6,2 Prozent, die durch beobachtbare Unterschiede nicht erklärt werden kann. Beinhaltet sein könnten laut Zulehner Formen von Diskriminierung, aber auch Auswirkungen von Lohnverhandlungen, wobei Männer eher aktiv werden.
Auch der bereinigte Gender Pay Gap hat sich im Vergleich zu 2011 um 1,6 Prozentpunkte reduziert. Allerdings sank er schon von 2011 auf 2012 von 7,8 auf 6,1 Prozent und blieb seither weitgehend stabil. Berechnet werden die Zahlen anhand des Mikrozensus für unselbstständig beschäftigte Frauen und Männer zwischen 20 und 59 Jahren sowie des durchschnittlichen Bruttostundenlohns.
Lohntransparenz und geteilte Karenz
Lohntransparenz kann den Gender Pay Gap verkleinern, glaubt Zulehner. Ausschlaggebend sei der einfache Zugang zu Informationen über Gehälter. Wissen Frauen darüber Bescheid, so würden auch sie bei Lohnverhandlungen die Initiative ergreifen. Geachtet werden müsse auf eine klare Formulierung, um Umgehungen zu verhindern. Die EU-Lohntransparenzlinie muss Österreich Mitte des Jahres umsetzen.
Verbessern müsse sich außerdem die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, sagte die Expertin. Auch eine verpflichtende Teilung der Elternkarenz sowie ein Umdenken in Betrieben, die Vätern einen Karenzantritt teils nicht leicht machen, könnten die Lücke verkleinern.
Vielfalt an Gender Pay Gaps
Nicht nur das Wifo berechnet den Gender Pay Gap. Unterschiedliche Berechnungsarten auf Basis unterschiedlicher Daten tragen dabei verschieden hohe Lohnlücken zutage. Generelle Tendenz sei, dass die Lücke kleiner wird, so Zulehner. Die Statistik Austria hat die geschlechtsspezifische Lohnlücke in der Privatwirtschaft für 2024 am Dienstag mit 17,6 Prozent beziffert. Das Datum für den Equal Pay Day im Februar errechnete das Netzwerk "Business and Professional Women Austria" anhand eines Gender Pay Gaps ganzjährig Vollzeitbeschäftigter von 11,6 Prozent.
Zusammenfassung
- Der unbereinigte Gender Pay Gap in Österreich ist laut Wifo von 2011 bis 2024 um sieben Prozentpunkte auf 12,6 Prozent gesunken, Hauptgrund ist die Annäherung von Männern und Frauen am Arbeitsmarkt.
- Ab Anfang 30 vergrößert sich die Lohnlücke deutlich, da viele Frauen nach der Geburt länger aussetzen und häufiger in Teilzeit arbeiten, was zu langsameren Karriereverläufen führt.
- Der bereinigte Gender Pay Gap liegt für 2024 bei 6,2 Prozent und stagniert seit 2012, wobei laut Wifo Diskriminierung und unterschiedliche Lohnverhandlungen eine Rolle spielen könnten.
