Wiener Defizit für 2025 wohl geringer als zuletzt erwartet
Noch im vergangenen November war man davon ausgegangen, dass das Budgetdefizit etwa 3,25 Mrd. Euro betragen wird. Man konnte den Wert zuletzt somit noch einmal um rund 450 Mio. Euro unterschreiten, wurde hervorgehoben. An die im Voranschlag ausgewiesenen Zahlen kommt man aber nicht heran. Im Doppelbudget 2024/25 war man noch von einem vergleichsweise moderaten Minus von 2,2 Mrd. Euro für 2025 ausgegangen.
Die aktuellen Zahlen stammen aus dem vierteljährlichen Quartalsbericht an den Gemeinderatsausschuss für Finanzen. Wie im Rathaus betont wird, hat die Neueinschätzung auch Auswirkungen auf den prognostizierten Schuldenstand der Stadt. Dieser dürfte nun Ende 2025 nicht 14,9 Mrd. Euro, sondern voraussichtlich 14,4 Mrd. betragen.
Allein diese Änderung beim prognostizierten Schuldenstand werde voraussichtlich zu einer Reduktion der Zinsbelastungen von bis zu 50 Mio. Euro führen, hieß es. Bei der Verschuldung pro Kopf bzw. in Prozent der Wirtschaftsleistung liege man damit im Mittelfeld aller Bundesländer.
Bürgermeister Ludwig verwies darauf, dass die budgetäre Situation für alle Gebietskörperschaften herausfordernd sei: "Wir bekennen uns zur Konsolidierung, aber Konsolidierung wird nur dann erfolgreich sein, wenn wir gleichzeitig die Beschäftigung steigern, das Wirtschaftswachstum ankurbeln und wichtige Investitionen in Zukunftsbranchen tätigen können."
Auch Finanzstadträtin Barbara Novak (SPÖ) zeigte sich überzeugt: "Wir schaffen den Balanceakt zwischen finanzieller Stabilität und dem Erhalt der höchsten sozialen Standards für unsere Wienerinnen und Wiener, weil wir uns auch im Budget 2026 für eine starke Daseinsvorsorge und hohe Lebensqualität verpflichtet haben."
ÖVP kritisiert "Rekordschuldenstand"
Anders sah es der Wiener ÖVP-Obmann Markus Figl in einer Aussendung. Die Berechnungen könnten "nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Stadt Wien unter SPÖ und Neos weiterhin auf einen Rekordschuldenstand zusteuert", hieß es. Trotz aufgelöster Rücklagen würden weiter Schulden gemacht, kritisierte Figl: "So sieht kein Zukunftsplan für Wien aus."
Für die FPÖ ist das Handeln der Stadtregierung "finanzpolitischer Wahnsinn", teilte der Wiener Parteichef Dominik Nepp am Sonntag mit. Das "gewaltige Budgetloch wird mit immer neuen Abgaben, Gebühren und Belastungen für die arbeitende Bevölkerung gestopft", monierte er.
Laut Grünen-Chefin Judith Pühringer bekommt die Stadtregierung die Budgetzahlen "einfach nicht in den Griff" und agiere zudem intransparent. "Trotz brutaler Kürzungen auf Kosten der Bevölkerung bleibt ein Rekorddefizit von 2,8 Milliarden", so Pühringer.
Zusammenfassung
- Das Wiener Budgetdefizit für 2025 wird laut ersten Berechnungen mit 2,8 Mrd. Euro um 1 Mrd. Euro niedriger ausfallen als zu Jahresbeginn erwartet.
- Der prognostizierte Schuldenstand der Stadt sinkt dadurch bis Ende 2025 auf etwa 14,4 Mrd. Euro, was eine mögliche Reduktion der Zinsbelastungen um bis zu 50 Mio. Euro bedeutet.
- Während Bürgermeister Ludwig und Finanzstadträtin Novak auf Konsolidierung und soziale Standards setzen, kritisieren ÖVP, FPÖ und Grüne weiterhin den hohen Schuldenstand und die Budgetpolitik.
