Wiederkehr hält an weniger Latein und mehr KI fest
Wiederkehr ortete in der Diskussion eine "medial inszenierte Zuspitzung". Sein Plan sieht vor, die Wochenstunden für Latein bzw. die zweite lebende Fremdsprache von drei auf zwei zu kürzen. Kritik kam auch von den AHS-Direktoren und der Lehrergewerkschaft. "Die sprachlichen Kompetenzen sind weiterhin wichtig, gesamt haben wir immer noch mehr Lateinstunden als für Informatik, KI- und Medienbildung zusammen", betonte der pinke Vize-Parteichef. Einen finalen, schriftlichen Vorschlag gebe es noch nicht.
Seit Wiederkehr mit seinem Vorstoß Ende Jänner aufhorchen ließ, wurde dieser zum Politikum. Kritik kam sowohl von der ÖVP und der Lehrergewerkschaft als auch einem großen Teil der AHS-Direktoren und -Direktorinnen. Bei einer Umfrage unter allen rund 360 Mitgliedern mit einer Teilnahmequote von 75 Prozent sprachen sich mehr als 90 Prozent der Schulleitungen gegen die Kürzungen bei Latein bzw. der zweiten lebenden Fremdsprache aus. Begeistert zeigte sich auch die SPÖ nicht, Bildungssprecher Heinrich Himmer meinte erst vor wenigen Tagen zur APA, er sehe in absehbarer Zeit nicht, dass diese Lehrplanänderung kommen könnte.
Wiederkehr entgegnete der Kritik, dass sich viele Menschen neue Inhalte wünschten, "und wenn was dazukommt, muss auch was wegfallen". Er sieht durch seinen Plan auch mehr Autonomie-Möglichkeiten für Schulen. Außerdem will er den Gegenstand "Medien und Demokratie" einführen.
Wenig begeistert zeigte sich die ÖVP auch über Wiederkehrs Pläne für eine sechsjährige Volksschule. Derzeit laufen im Ministerium Vorbereitungen für Pilotprojekte in Wien. Wiederkehr sieht aber Verbündete in "allen Parteien". Außerdem gebe es für die Verlängerung "Evidenz aus über 30 Ländern". Auf jeden Fall solle es weiterhin eine Mittelschule und ein Gymnasium geben, aber kürzer als bisher. Diskutieren will Wiederkehr auch über eine "mittlere Reife" am Ende der Schulpflicht. Der "Untergang des Gymnasiums" sei dadurch nicht der Fall, betonte er.
Kritik von FPÖ und Grünen
Scharfe Kritik am Bildungsminister kam daraufhin von der Opposition. Wiederkehr spiele sich "als allwissender Oberlehrer" auf, anstatt jene Institutionen wie Unis, Gymnasien und Wirtschaft - "die am Ende mit den Absolventen arbeiten müssen" - einzubinden, befand der blaue Bildungssprecher Hermann Brückl in einer Aussendung am Samstag. Besonders alarmierend sei für Brückl die "offensichtliche Geringschätzung klassischer Bildungsinhalte". Die aktuelle Bildungspolitik drohe, "fundamentale Säulen unserer Kultur, wie das logische Denken und das humanistische Fundament, zugunsten kurzfristiger Trends zu opfern." Wer Latein als 'totes' Fach abkanzele, beweise seine eigene Ahnungslosigkeit. "Latein ist das Betriebssystem unserer europäischen Geistesgeschichte".
Die Grüne Bildungssprecherin Sigrid Maurer bemängelte indes Wiederkehrs "Ankündigungspolitik". Die eigentlichen Reformen blieben aber aus. "Wiederkehr ist wie ein Baggerfahrer, der immer neue Löcher aufreißt, ohne die vorhandenen zu schließen. Mit seiner Sprunghaftigkeit und seinen medialen Vorstößen steht er Reformen mehr im Weg, als dass er sie vorantreibt", konstatierte Maurer in Hinblick auf die "verhärteten Fronten" innerhalb der Koalition und den Gegenwind vonseiten der Direktoren und Direktorinnen.
Zusammenfassung
- NEOS-Bildungsminister Christoph Wiederkehr verteidigt die geplante Kürzung der Latein- und zweiten Fremdsprachenstunden an AHS-Oberstufen von drei auf zwei Wochenstunden zugunsten von Informatik und Künstlicher Intelligenz.
- Mehr als 90 Prozent der AHS-Schulleitungen sprachen sich in einer Umfrage mit 75 Prozent Beteiligung gegen die Kürzungen aus, auch ÖVP, SPÖ, Lehrergewerkschaft und FPÖ üben deutliche Kritik.
- Wiederkehr plant außerdem die Einführung des Fachs 'Medien und Demokratie' sowie Pilotprojekte für eine sechsjährige Volksschule und verweist auf Evidenz aus über 30 Ländern für diese Verlängerung.
