APA - Austria Presse Agentur

Wie Schweden und Italien sich auf Weihnachten vorbereiten

14. Dez 2020 · Lesedauer 4 min

Nicht nur in Österreich und Deutschland wird über Corona-Maßnahmen an den Weihnachtsfeiertagen debattiert. Auch in anderen europäischen Ländern wird es Verschärfungen geben, so etwa in Schweden und Italien.

Nicht nur in Österreich und Deutschland wird über Corona-Maßnahmen an den Weihnachtsfeiertagen debattiert. Auch in anderen europäischen Ländern wird es Verschärfungen geben, so etwa in Schweden und Italien.

Sowohl Schweden als auch Italien haben bis November vor allem auf regional unterschiedliche Maßnahmen gesetzt, die sich nach den jeweiligen Infektionszahlen richteten.

Schweden: Verschärfungen per SMS

In Schweden soll die gesamte Bevölkerung am Montag eine SMS mit den aktuellsten Verschärfungen der Corona-Regeln bekommen. Zweck des Ganzen ist, die mehr als zehn Millionen Einwohner vor den Weihnachtstagen und -ferien über die geltenden Maßnahmen in Kenntnis zu setzen und um Befolgung zu bitten.

Bisher galten in Schweden großteils regional unterschiedliche Maßnahmen je nach Infektionslage. Seit Ende November dürfen sich jedoch im ganzen Land bei Veranstaltungen und öffentlichen Zusammenkünften nicht mehr als acht Personen treffen. Das gilt auch für religiöse Veranstaltungen, politische Versammlungen sowie in der Gastronomie (pro Tisch bzw. Gruppe).

Ausnahmen gibt es für Begräbnisse (bis zu 20 Personen) sowie Schulen, öffentliche Verkehrsmittel, den Handel und den privaten Bereich. Außerdem ist der Verkauf von Alkohol ab 22 Uhr bis 11 Uhr des Folgetages nicht mehr gestattet. Zuwiderhandlungen können eine Geldstrafe oder bis zu sechs Monate Haft nach sich ziehen.

Darüber hinaus setzt die schwedische Regierung weiterhin auf die Selbstverantwortung der Bürger. Jeder Bürger habe die Pflicht, sich an die Empfehlungen und Vorgaben der Volksgesundheitsbehörde zu halten und seinen Beitrag zur Pandemiebekämpfung beizutragen.

Bei einer Bevölkerung von 10,2 Millionen Menschen werden in Schweden derzeit mit rund 8.000 Neuinfektionen pro Tag verhältnismäßig deutlich mehr Neuinfektionen als in Österreich (rund 2.600 bei einer Bevölkerung von 8,8 Millionen) gemeldet, gleichzeitig aber weniger Todesfälle (zuletzt 58 pro Tag). Einen Lockdown wie in vielen anderen europäischen Staaten dürfte es über Weihnachten wohl nicht geben. Das wäre auch rechtlich schwierig, ein Epidemiegesetz gibt es in Schweden nicht. Ein solches soll erst im Frühjahr 2021 verabschiedet werden.

Italien: Streit um Ausgangssperre zu Weihnachten

Auch in Italien gelten bisher regional unterschiedliche Maßnahmen, die sich an einer vierstufigen Corona-Ampel orientieren. Die Maßnahmen sind dabei sogar für die geringeren Ampelfarben sehr streng. Für ganz Italien gilt derzeit eine Ausgangssperre von täglich 22 Uhr bis 5 Uhr, am 1. Januar 2021 gilt diese bis 7 Uhr.

Vom 21. Dezember 2020 bis 6. Januar 2020 darf die eigene Region nicht verlassen werden. Am 25. und 26. Dezember 2020 sowie am 1. Januar 2021 darf zudem die eigene Gemeinde nicht verlassen werden. Ausnahmen bilden nachgewiesene Gründe (Arbeit, Situationen der Dringlichkeit, Gesundheit). Es ist immer erlaubt, an den eigenen Erstwohnsitz zurückzukehren.

Hotels und Geschäfte dürfen unter Einhaltung strenger Infektionsschutz- und Hygieneauflagen geöffnet bleiben. Bars und Restaurants müssen grundsätzlich um 18 Uhr schließen. Tische dürfen grundsätzlich mit maximal 4 Personen belegt werden. Ein Konsum außerhalb der eigenen Wohnung ist nach 18 Uhr nicht mehr erlaubt. In orangen und roten Regionen bleiben auch Gastronomie und Handel geschlossen.

Vor allem die Ausgangsbeschränkungen auf die eigene Heimatgemeinde in den Weihnachtsfeiertagen sorgt derzeit für hitzige politische Debatten. Viele könnten dadurch enge Familienmitglieder nicht sehen. Besonders die rechten Oppositionsparteien Lega und Forza Italia pochen auf mehr Bewegungsfreiheit zu Weihnachten. Der Gesundheitsminister hingegen würde am liebsten das ganze Land über die Feiertage auf die Ampelfarbe Rot mit den dazugehörigen Maßnahmen stellen. Staatspräsident Sergio Mattarella rief das italienische Volk unterdessen zu "Opferbereitschaft, Ernsthaftigkeit und Einigkeit im Kampf gegen das Virus" auf, insbesondere über die Feiertage.

Bei einer Bevölkerung von 60,3 Millionen Menschen hat Italien mit zuletzt rund 17.000 Neuinfektionen pro Tag verhältnismäßig gleich hohe Zahlen wie Österreich. Die Zahl der Todesfälle ist mit 887 Toten pro Tag zuletzt wieder stark gestiegen und deutlich über dem Verhältnis in Österreich.

Stephan HoferQuelle: Redaktion / hos