APA - Austria Presse Agentur

Weiterer Wiener FPÖ-Gemeinderat wechselt zum Team Strache

22. Juli 2020 · Lesedauer 3 min

Der bisherige Wiener FPÖ-Landtags- und Gemeinderatsabgeordnete Günter Kasal, der auch blauer Bezirksparteiobmann in Hietzing ist, wechselt zum Team HC Strache. Das hat er am Mittwoch in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Heinz-Christian Strache bekanntgegeben. Auch alle sieben freiheitlichen Bezirksräte in Hietzing sind aus der FPÖ ausgetreten, wie Kasal berichtete.

Der Großteil von ihnen wird ebenfalls zur neuen Strache-Partei wechseln, hieß es. Kasal ist der vierte blaue Rathaus-Mandatar, der sich der Partei des ehemaligen FPÖ-Chefs Strache anschließt. Ende 2019 haben drei freiheitliche Abgeordnete einen eigenen Klub gegründet, damals noch unter der Bezeichnung Allianz für Österreich (DAÖ).

Günter Kasal, der laut eigenen Angaben 23 Jahre FPÖ-Mitglied war, begründete seinen Wechsel damit, dass er nicht einverstanden gewesen sei, wie die Partei nach der Ibiza-Affäre mit dem "verdienstvollen" ehemaligen Vizekanzler Strache und auch seiner Gattin Philippa umgegangen sei. Er habe versucht, dies zu ändern, sich in der FPÖ damit aber nicht durchsetzen können, sagte Kasal.

Er habe innerparteilich monatelang gekämpft, da er es nicht gut finde, dass die Kräfte nicht gebündelt seien. "Aber es ist nicht möglich, in irgendeiner Weise mit Dominik Nepp eine Zusammenarbeit zu finden", beklagte er sich über die laut seinen Angaben fehlende Gesprächsbasis mit dem neuen Wiener FPÖ-Chef. In vielen Gesprächen mit seiner Bezirksgruppe habe er zudem auch erfahren: "Niemand wollte Dominik Nepp als Spitzenkandidaten."

Die Menschen würden sich eine Bürgerbewegung wünschen, so wie sie jetzt von Heinz-Christian Strache ins Leben gerufen worden sei. "Für uns wird sich nicht viel ändern", befand Kasal. Man habe 2005, 2010 und auch 2015 mit Strache wahlgekämpft: "Das heißt, es bleibt alles gleich." Strache sei das "Original". Alle Personen, so versicherte der Gemeinderat, wären auch wieder auf FPÖ-Listen gestanden.

Strache zeigte sich über die Verstärkung für das Team HC erfreut: "Das zeigt schon, dass einiges hier in Bewegung ist." Gut laufe auch das Sammeln von Unterstützungserklärungen. Hier sei man im Zeitplan. Man stehe mit Info-Ständen vor den Bezirksämtern und habe einige Bezirke auch schon abgeschlossen.

Für die Wien-Wahl am 11. Oktober zeigte sich Strache zuversichtlich: "Ich halte es für möglich und denkbar, dass wir die prozentuelle Zweistelligkeit schaffen können. Das ist ein Ziel und das wäre natürlich ein politisches Erdbeben für Österreich."

Nach außen hin entspannt gab sich die FPÖ über Kasals Wechsel um Team HC Strache. Dieser werde "mit größter Gelassenheit" zur Kenntnis genommen, ließ Landesparteisekretär Michael Stumpf via Aussendung wissen. Auch glaubte er den Grund für den Schritt zu wissen: "Es ist lediglich anzumerken, dass Herr Kasal noch bis vor wenigen Tagen Dominik Nepp um die Kooptierung in den Landesparteivorstand angebettelt hat und beim nächsten Parteitag als sein Stellvertreter kandidieren wollte. Auch wenn eine diesbezügliche Absage ihn wohl geschmerzt hat, wäre das eigentlich kein Grund, die freiheitliche Familie zu verlassen."

Einen Ersatz für Kasal in Hietzing hat die FPÖ bereits parat: Der einstige Landesparteiobmann Hilmar Kabas wird die Bezirksorganisation interimistisch leiten, hieß es. Kabas bringt in dieser Hinsicht eine gewisse Erfahrung mit: 2005 wurde er vorübergehend mit der Führung der FPÖ-Bundespartei betraut, nachdem Jörg Haider das BZÖ aus der Taufe gehoben hatte.

Quelle: Agenturen