APA - Austria Presse Agentur

Wegen Omikron: Gipfel mit kritischer Infrastruktur in Oberösterreich

29. Dez 2021 · Lesedauer 4 min

Die oberösterreichische Politik berät am Mittwoch zusammen mit Vertretern der kritischen Infrastruktur über mögliche Auswirkungen der Omikron-Variante.

In Oberösterreich bereitet man sich auf die herannahende Omikron-Welle und die möglichen Auswirkungen auf die kritische Infrastruktur vor. Mittwochvormittag fand im Linzer Landhaus ein Koordinierungstreffen statt, an dem u.a. auch die Versorgungsunternehmen Energie AG (EAG) und Linz AG teilnahmen. Am Nachmittag war zudem ein Abstimmungstreffen mit dem Lebensmittelhandel, in dem man sich über die Sicherstellung der Logistik austauscht, geplant.

Stelzer: Große Personalausfälle möglich

"Noch sind die genauen Auswirkungen von Omikron für die Expertinnen und Experten nicht absehbar. Es ist aber davon auszugehen, dass die neue Virusvariante aufgrund ihrer hohen Ansteckungsrate zu großen Personalausfällen führen kann", warnte LH Thomas Stelzer (ÖVP). Man wolle sich "rechtzeitig vorbereiten und alles tun, um insbesondere die kritische Infrastruktur und eine bestmögliche Versorgung zu sichern".

Neben ihm, seinen Stellvertretern Christine Haberlander (ÖVP), Manfred Haimbuchner (FPÖ) und Pflege-Landesrat Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) saßen auch Vertreter von Krisenstab, Polizei, Feuerwehr, Rotem Kreuz, Arbeiter-Samariter-Bund, Bundesheer und Zivilschutzverband, der Spitäler, der Ärzte- und Apothekerkammer sowie des ORF mit am Tisch.

Bei den Versorgungsunternehmen geht es vor allem um die Frage, wie man Personalengpässe durch hohe Infektionszahlen vermeiden bzw. damit umgehen kann. Die EAG setzt neben den üblichen Vorsichtsmaßnahmen - Abstand halten, Maskenpflicht, etc. - vor allem auf Home Office und hat in sensiblen Bereichen bereits ein System der Teamtrennung und der kontaktlosen Übergaben installiert, wie Manfred Hofer, Geschäftsführer der Netz OÖ und Leiter der Corona-Taskforce der EAG schilderte. Zudem versuche man, gezielt Personalreserven zu schaffen. Auch die Linz AG arbeitet mit räumlicher Trennung verschiedener Teams. Dabei werden auch vorhandene Reservestandorten genutzt, erklärte Vorstandsdirektor Josef Siligan.

Spitäler vorbereitet

Die Spitäler sehen sich mit ihren Stufen- und Einsatzplänen ebenfalls gut auf einen neuerlichen Anstieg der Infektionszahlen vorbereitet, versicherten Walter Kneidinger, Geschäftsführer des Ordensklinikums, und der Geschäftsführer der Oö. Gesundheitsholding Franz Harnoncourt. Entscheidend sei "ein praxistaugliches Quarantänemanagement", mit dem man auch bei größeren Zahlen asymptomatischer Infektionen und Kontaktpersonen in der Belegschaft den Betrieb aufrechterhalten könne, so Harnoncourt.

Die Spitäler würden "das Nötige und das Mögliche dazu beitragen", die Versorgung der Akutpatientinnen und -patienten aller Indikationen so lange wie möglich sicher zu stellen, versicherte er.

Bisher 155 Omikron-Fälle in OÖ

In Oberösterreich wurden bisher 155 Omikron-Fälle bestätigt, 56 davon sind schon wieder genesen. Von den rund 3.300 aktiven Corona-Infektionen am Mittwoch sind also nur 99 als Omikron sequenzierte. Allerdings geht man im Krisenstab davon aus, dass Omikron noch im Jänner auch in Oberösterreich die dominierende Variante sein wird und, dass es rasch wieder zu einem In-die-Höhe-Schnellen der Infektionszahlen kommen wird. Ein steigender Trend war diese Woche bereits zu erkennen.

Auf den Intensivstationen des Bundeslandes liegen derzeit 57 Corona-Patienten - Anfang Dezember waren es bis zu 138. Wie Harnoncourt kürzlich ausgeführt hat, würden 25 mit Covid-Patienten belegte Intensivbetten einen Normalbetrieb im Spital erlauben, 50 einen Hybridbetrieb, bei dem man aber elektive Eingriffe verschieben müsse, und bei 75 "konzentrieren wir uns nur mehr auf das Akutgeschehen". Derzeit werden 103 der 250 Intensivbetten im Bundesland für Covid-Patienten vorgehalten, insgesamt kann man auf bis zu 333 ICU-Einheiten aufstocken.

SPÖ sieht "One-Man-Show" Stelzers

SPÖ-Klubvorsitzender Michael Lindner vermisste bei dem Gipfel andere "zentrale Säulen der sicheren Versorgung, wie Sozial-, Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen, Unternehmen des öffentlichen Verkehrs" und eine Einladung der anderen Landtagsparteien. Auch den auch den Lebensmittelhandel, mit dem noch Gespräche folgen sollen, hätte man gleich in die Runde holen sollen, kritisierte er. Er ortet eine von Stelzer organisierte "One-Man-Show ohne kritische Störgeräusche". Denn die Energieversorger hätten sich längst selbst krisenfit gemacht, um die Versorgung sicherstellen zu können.

Quelle: Agenturen / Redaktion / apb