Was das Ende der Gratis-Coronatests bedeuten würde

17. Feb. 2022 · Lesedauer 4 min

Michael Havel, der Firmengründer von Lifebrain, sagt im PULS 24 Interview, dass er beim Ende von "Alles Gurgel" Jobs abbauen müsste. Hinter dem möglichen Ende der Gratistests vermutet er auch politische Motivationen.

Derzeit würden auf der Baumgartner Höhe, wo die Wiener "Alles Gurgelt"-Tests ausgewertet werden rund 1.600 Mitarbeiter arbeiten. 1.400 bis 1.500 davon könnten gehen müssen, wenn das Ende der Gratis-Corona-Tests kommt, sagt Michael Havel, Gründer von Lifebrain.

Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) sagte am Donnerstag im PULS 24 Interview, dass die Tests in ganz Österreich bisher rund 2,6 Milliarden Euro gekostet hätten und man sich fragen müsse, ob man das noch brauche. GECKO sei beauftragt, einen Bericht darüber zu schreiben. "Mit April werden wir eine neue Teststrategie haben", so Mückstein. "Die Öffnung wird stattfinden und dann braucht es auch keine Gratis-Tests mehr", sagt Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) gegenüber ATV.

Aus der Gratis-Tests sinnvoll?

Bis Ende März sollen die Tests laut Mückstein eigentlich gratis bleiben - geöffnet wird aber schon ab 5. März. Gratis bleiben sollten die Tests jedenfalls für Symptomatische, so der Gesundheitsminister.

Weniger überzeugt zeigt man sich in Wien - Bürgermeister Michel Ludwig und Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (beide SPÖ) möchten an den flächendeckenden Tests festhalten. Wenn der Bund aber nicht mehr finanziert, würde das das Ende bedeuten. Für Havel, der als SPÖ-nahe gilt, wäre das ein Ende eines "Leuchtturmprojektes".

Bei Lifebrain fordert man nun jedenfalls ein klares Statement, was die Regierung vorhabe, so Havel. Epidemiologisch hinterfragt er, warum der Bund "am vorläufigen Höhepunkt" der Pandemie die Maßnahmen einstelle. Ökonomisch wolle man aber wissen, wie es weitergeht. Wenn im Herbst immer noch nicht 90 Prozent geimpft sind und man wieder Tests brauche, könnte man die Mitarbeiter über den Sommer finanzieren, "um das Know-How nicht zu verlieren", so Havel. Wenn man sie nun kündigen würde, könne man sie im Herbst nur schwer wieder zurückgewinnen.

Sollten die Tests eingestellt werden, werde man auf genetische Tests umstellen - aber nicht mehr so viele Mitarbeiter benötigen. Dass man die Mitarbeiter ewig behalten könnte, damit hat man scheinbar ohnehin nicht gerechnet: Sie sind über eine Leasingfirma angestellt. 

Politische Motive?

Gesundheitsstadtrat Hacker zeigte sich auch "erstaunt" über die Geldbeträge, die der Bund für die jeweiligen Teststrukturen in den Bundesländern zahlt. Laut einem Sprecher von Hacker mache Wien rund 70 Prozent der PCR-Tests, verursache aber nur rund 20 Prozent der gesamten Testkosten in Österreich. 

Auch Havel kritisiert, dass hinter dem möglichen Ende der Gratis-Tests politische Motive stecken könnten. Er kritisiert vor allem Tirol Landeshauptmann Günther Platter und Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer (beide ÖVP) - diese hätten es nie zu Stande gebracht", flächendeckende Tests aufzubauen, daher seien sie für ein Ende des Testens.

Lifebrain habe zudem für Tirol Tests ausgewertet - man habe dann die Response-Zeit - also die Zeit, in der das Ergebnis kommen müsse - von 24 auf 14 Stunden verkürzt, "um uns los zu werden", wie Havel behauptet. Dann sei das Testen an eine Tiroler Firma vergeben worden, die nun 90 statt 40 Millionen Euro kosten würde. 

Starke Unterschiede bei Test-Kosten

Bisher wurden in Wien rund 40 Millionen "Alles Gurgelt"-Tests ausgewertet. Laut Lifebrain-Chef Michael Havel verrechnet das Labor der Stadt Wien knapp 6 Euro pro Test. Bei täglich 400.000 Gurgeltests macht das einen Tagesumsatz von 2,4 Millionen Euro. Im Gesamtjahr 2021 erzielte Lifebrain mit der Auswertung von rund 23 Millionen PCR-Gurgeltests einen Umsatz von etwa 300 Millionen Euro an dem Standort in Wien. Zum Vergleich: Apotheken bekommen 25 Euro pro Test - weil auch Personal für die Probenabnahme gebraucht wird. Je nach Größe der Labors kann ein Test dem Bund sogar bis zu 50 Euro kosten.

Konstantin AuerQuelle: Redaktion / koa