Wagner-Chef sieht Verräter im Kreml und will YouTube-Verbot

18. Jan. 2023 · Lesedauer 3 min

Die Spannungen zwischen der Söldner-Gruppe Wagner und dem Kreml nehmen zu. Der Chef der russischen Privatarmee, Jewgeni Prigoschin, hat Mitarbeitern aus dem Umfeld von Kremlchef Wladimir Putin in der Präsidialverwaltung Verrat vorgeworfen. Außerdem pocht er auf eine Blockade der US-Videoplattform YouTube.

Er kritisierte russische Regierung, weil diese YouTube nicht blockiert habe. "YouTube ist die Informationspest unserer Zeit", erklärte der Unternehmer auf dem Kurznachrichtendienst Telegram.

Bezüglich der Kreml-Mitarbeiter, behauptete Prigoschin einer am Mittwoch veröffentlichten Mitteilung zufolge, diese täten so, als seien sie auf Putins Kurs, störten aber in Wahrheit den Kriegsverlauf und warteten auf ein rasches Ende, um sich bei einer Niederlage Russlands den USA anzudienen. Die Truppen des Geschäftsmanns kämpfen neben der russischen Armee in der Ukraine. Zugleich forderte er, dass Moskau demnächst seinen Forderungen nach einer Sperrung der Videoplattform YouTube nachkommen solle.

Verräter erwartet "Wagners Vorschlaghammer"

40 Prozent der Videos seien "politisiert und gegen Russland gerichtet", teilt er mit, ohne allerdings einen Beleg dafür zu liefern. Bisher sei der Dienst in Russland - anders als etwa Twitter, Instagram und Facebook - nicht blockiert, "weil in der Präsidentenadministration eine große Zahl an Menschen arbeitet, die nur an eins denkt - dass Russland baldigst den Krieg verlieren möge". Diese Leute seien die "Verräter ihres Volkes und ihres Landes", auf sie warte in Zukunft "Wagners Vorschlaghammer", sagte Prigoschin.

Die Aussage ist eine Anspielung auf ein von Wagner veröffentlichtes Video, das die Tötung eines abtrünnigen Söldners aus den eigenen Reihen zeigen soll. Der Wagner-Kämpfer hatte sich demnach erst freiwillig in ukrainische Gefangenschaft begeben, kam dann aber im Zuge eines Gefangenenaustauschs zurück nach Russland und wurde dem Video zufolge mit einem Vorschlaghammer erschlagen. Der Clip löste international Entsetzen aus. Prigoschin ist in den USA mit einer Belohnung für seine Ergreifung zur Fahndung ausgeschrieben, weil er sich in die US-Präsidentenwahl eingemischt haben soll.

YouTube letzte ungehinderte Informationsquelle

Es gebe weitere Gründe dafür, dass YouTube in Russland noch immer zugänglich sei: Die Plattform sei angeblich unverzichtbar zum einen für die gewöhnlichen Bürger und zum anderen für die Opposition gegen die Führung von Präsident Wladimir Putin, so Prigoschin. "Diejenigen, die gegen die Schließung von YouTube sind, sind meiner Meinung nach Menschen, die Verräter an ihrem Volk und ihrem Land sind, Verräter an früheren und zukünftigen Generationen von Russen. Sie leben im Ausland, machen Urlaub im Ausland, ziehen Kinder im Ausland groß, verkünden hohe Werte, aber dennoch unterstützen sie den Westen auf jede erdenkliche Weise und leben von ihm."

Wer nach der Sperrung von YouTube weiter den Dienst nutze, solle bestraft werden, forderte Prigoschin. Eine Sperrung von YouTube in Russland nach dem Vorbild anderer blockierter sozialer Netzwerke im Internet stand zu Beginn des Krieges einmal zur Diskussion. Allerdings verliefen die Pläne im Sand. Für viele Russen, die eine Manipulation durch die einseitige Propaganda im Staatsfernsehen beklagen, ist YouTube eine der letzten Quellen ungehinderten Zugangs zu einer breiten Vielfalt an Informationen. Prigoschin behauptete, dort würden nur "Falschnachrichten" verbreitet.

Spannungen zwischen Wagner-Chef und russischer Regierung

Die Differenzen zwischen dem Söldner-Chef und der Regierung sind am Freitag offen zu ausgebrochen, als das Verteidigungsministerium die Eroberung der ukrainischen Stadt Soledar meldete, die Rolle der Söldner-Organisation, die außerhalb der Befehlskette der Armee operiert, diese aber unterstützt, hingegen nicht erwähnte.

Quelle: Agenturen / Redaktion / poz