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Während G20-Gipfel: Russland greift Kiew an

15. Nov. 2022 · Lesedauer 3 min

Russland hat nach Angaben der Ukraine am Dienstag mehrere ukrainische Städte aus der Luft angegriffen.

Am Nachmittag ertönten laut einer Luftabwehr-App in der gesamten Ukraine Sirenen, kurz darauf waren Explosionen in Kiew, Lwiw und Charkiw zu hören. Nach den Angriffen fiel in mehreren Regionen des Landes der Strom aus, wie die ukrainischen Behörden berichteten.

Luftalarm im gesamten Land

In Kiew wurden nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko im Onlinedienst Telegram bei einem Raketenangriff zwei Wohngebäude in der Hauptstadt getroffen. Rettungskräfte seien vor Ort. Die ukrainische Luftabwehr habe mehrere Raketen über Kiew abgefangen. Mindestens die Hälfte der Bewohner sei ohne Strom, erklärte Klitschko.

Bei dem Angriff auf Kiew ist Klitschko zufolge mindestens eine Person ums Leben gekommen. Eine Leiche sei aus einem Wohngebäude in dem Bezirk Petschersk gezogen worden.

Bevölkerung soll in Schutzräumen bleiben

Der stellvertretende Leiter des ukrainischen Präsidialbüros, Kyrylo Tymoschenko, erklärte, die Raketen seien von russischen Streitkräften abgefeuert worden. Er verbreitete Filmmaterial, auf dem ein Feuer aus einem fünfstöckigen Wohnhaus in Kiew zu sehen ist. "Die Gefahr ist nicht vorbei", erklärte Tymoschenko und forderte die Bewohner auf, in Schutzräumen zu bleiben.

Insgesamt sollen ungefähr 70 Raketen auf die Ukraine abgefeuert worden sein, wie der Berater im ukrainischen Verteidigungsministerium, Yuriy Sak, erklärt.

Auch andere ukrainische Städte waren von Angriffen betroffen. "Es gibt Explosionen in Lwiw", erklärte der Bürgermeister der westukrainischen Stadt in Onlinemedien. Der Bürgermeister von Charkiw im Nordosten des Landes sprach von einem "Raketenangriff" auf die Stadt. Beide Bürgermeister meldeten Stromausfälle in ihren Städten.

Russland will keinen Frieden

Die neuerlichen Angriffe sind die ersten seit dem russischen Rückzug aus Cherson und folgten auf die Abreise des russischen Außenministers Sergej Lawrow vom Treffen der G20. Die Raketenangriffe sind wohl als Reaktion auf die Rede des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj bei den G20 zu deuten, wie der Chef des Präsidentenbüros, Andriy Yermak, via Twitter mutmaßt.

"Glaubt irgendjemand, dass Russland ernsthaft Frieden will? Der Kreml will Gehorsam. Aber am Ende verlieren die Terroristen immer", so Yermak.

Stoltenberg: Russland nicht unterschätzen

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg warnte unterdessen davor, Russlands militärische Fähigkeiten nach den jüngsten Niederlagen zu unterschätzen. "Wir haben gesehen, dass Russland bereit ist, hohe Verluste in Kauf zu nehmen", sagte der Norweger am Rande eines Treffens der EU-Verteidigungsminister in Brüssel. Moskau verfüge über beträchtliche militärische Fähigkeiten. Zudem gehe Russland brutal gegen Zivilisten vor. "Wir müssen die Ukraine so lange unterstützen, wie es nötig ist."

Die ukrainische Armee hatte etwa in der vergangenen Woche einen großen Erfolg verbucht: Nach erfolgreichen Gegenoffensiven zogen sich die Russen im südlichen Gebiet Cherson aus der gleichnamigen Gebietshauptstadt und weiteren Orten auf der rechten Seite des Dnipro zurück. Trotz Niederlagen halten russische Truppen aber immer noch knapp ein Fünftel des Nachbarlandes besetzt.

Quelle: Agenturen / Redaktion / msp