APA - Austria Presse Agentur

Vom liberalen Demokraten zum konservativen Hardliner: Wer ist Mike Pence?

28. Okt 2020 · Lesedauer 4 min

Einst Trump-Kritiker ist Mike Pence heute loyaler Weggefährte des US-Präsidenten. Er gilt als konservativer Hardliner in der Partei, das war aber nicht immer so.

Mike Pence ist "Christ, Konservativer und Republikaner - und das in dieser Reihenfolge", wie er selbst sagt. Der Vizepräsident ist bekannt für seine konservative Haltung zu Themen wie Abtreibung und Rechte von Homosexuellen. Das war aber nicht immer so.  

Aufgewachsen ist Pence in einer römisch-katholischen Familie in Indiana. Martin Luther King und John F. Kennedy waren einst seine Vorbilder. In den 70ern unterstützt er die demokratische Partei in seinem Heimatbezirk im Bundesstaat Indiana. 1980 gibt er seine Stimme dem demokratischen Präsidentschaftskandidaten Jimmy Carter. Bis zum College ändert sich auch nichts an seiner liberalen Haltung.

Sinneswandel im College

Während seines Studiums trifft er junge Menschen, die "eine Beziehung mit Jesus" pflegten, wie er in einem Interview sagte. Eine davon ist seine zukünftige Frau Karen. Pence findet Gefallen an der christlichen Bewegung, er steigt aus der katholischen Kirche aus und konvertiert zum Evangelikalismus. Sein Glaube wird zur Triebfeder seiner Politik. In seiner späteren politischen Karriere wird er unter anderem Abtreibungsgesetze verschärfen. Er nimmt, wie auch Donald Trump, an Großdemonstration von Abtreibungsgegnern teil.

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Während des Colleges wird auch seine politische Einstellung konservativer. Ronald Reagan wird zu seinem neuen politischen Vorbild. Nach seinem Bachelorabschluss in Geschichte studiert Pence Rechtswissenschaften an der Indiana University. Er arbeitet als Anwalt und Radiomoderator, bevor er 2001 als Abgeordneter in das Repräsentantenhaus in Washington einzieht. Dort bleibt er zwölf Jahre lang, knüpft Bekanntschaften und ebnet den Weg für seine spätere Karriere.

Umstrittener Gouverneur

2012 kandidiert Pence als Gouverneur in seinem Heimatstaat Indiana. Er gewinnt und setzt in den folgenden Jahren eine konservative Politik im Mittleren Westen durch. Als Gouverneur beschließt Pence Steuersenkungen, tritt für einen schlanken Staat ein und investiert mehr Geld in Bildung.

Umstritten ist er vor allem für seine Gesetze zu Abtreibungen und die Rechte Homosexueller. Pence setzt in Indiana eines der strengsten Abtreibungsgesetze in den USA durch. Er unterzeichnet auch ein Gesetz zur "Religionsfreiheit", wonach es Geschäftsinhabern erlaubt gewesen wäre, Homosexuelle nicht zu bedienen. Massive Proteste sind die Folge, daraufhin wird das Gesetz entschärft. Seither ist Pence immer wieder mit Vorwürfen der Homophobie konfrontiert.

Vom Kritiker zum loyalen Berater

2016 gibt Donald Trump bekannt, dass Mike Pence sein "Running Mate", also Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten, sein wird. Pence sollte als erfahrener Politiker die fehlende Erfahrung von Trump wettmachen. In den Vorwahlen kritisierte Pence seinen heutigen Chef noch. Trumps Vorschlag ein Einreiseverbot für Muslime zu verhängen sei "verfassungswidrig und unangemessen". Die Kritik ist mittlerweile verstummt. Heute gilt der 61-Jährige als loyaler Berater des Präsidenten.

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Während des Impeachment-Verfahrens gegen Trump, stärkt er dem Präsidenten den Rücken. Zuletzt musste Pence, als Leiter der Coronavirus-Taskforce, auch einige Kritik einstecken. "Das amerikanische Volk hat miterlebt, was der größte Misserfolg einer Regierung in der Geschichte unseres Landes ist", sagte die Demokratin Kamala Harris bei einem TV-Duell. Pence verteidigt den Präsidenten. Trump habe unverzüglich die Forschung zur Suche nach einem Impfstoff vorangetrieben, nur deswegen stehe jetzt bald ein Impfstoff zur Verfügung, sagte er und schob die Schuld China zu.

Wohl auch wegen seiner Loyalität hat Trump Pence im Sommer erneut zu seinem "Running Mate" ernannt.

Im Regierungsalltag hat der Vizepräsident in der Regel nur so viel Macht und Einfluss, wie es ihm der Präsident einräumt. Er übernimmt das Amt, falls der Präsident vor Ablauf seiner Amtszeit ausfallen oder sterben sollte. Der Vize ist außerdem Vorsitzender des Senats. Ein Stimmrecht hat er aber nur, wenn es zu einer Pattsituation kommt. Viele Präsidenten nutzten ihren Stellvertreter auch als Verbindungsmann zum Kongress bei Verhandlungen über neue Gesetze.

Soraya PechtlQuelle: Redaktion / spe