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Verschleppt: Wie Moskau aus ukrainischen Kindern Russen macht

17. Okt. 2022 · Lesedauer 3 min

Seit Kriegsbeginn gibt es Berichte darüber, dass ukrainische Kinder nach Russland verschleppt werden. Die Ukraine spricht von mittlerweile 8.140 Fällen. Hinweise deuten darauf hin, dass diese Kinder vom Kreml zu Russen "umerzogen" werden.

Die US-Nachrichtenagentur "Associated Press" (AP) berichtet von tausenden ukrainischen Kindern, die in den von Russland besetzten Gebieten in Kellern und Waisenhäusern gefunden wurden. Recherchen der AP ergaben, dass "Beamte ukrainische Kinder ohne ihre Zustimmung nach Russland oder in russisch besetzte Gebiete abgeschoben haben, sie anlogen, dass sie von ihren Eltern nicht erwünscht seien, sie zu Propagandazwecken benutzten und ihnen russische Familien und die russische Staatsbürgerschaft gaben".

Verstoß gegen Völkerrecht

Russland behaupte, diese Kinder hätten keine Eltern oder Vormünder oder dass diese nicht erreicht werden können. In vielen Fällen stimme das nicht. Doch selbst wenn die Erziehungsberechtigten nicht mehr am Leben wären, müssten die Kinder in ukrainischen Familien untergebracht und adoptiert werden - und nicht nach Russland abgeschoben werden. Ein solches Aufziehen von Kriegskindern in einem anderen Land könnte laut der AP "ein Zeichen für Völkermord sein, ein Versucht, die Identität einer feindlichen Nation auszulöschen".

Auch die US-Denkfabrik ISW (Institute for the Study of War) stellt klar: Die gewaltsame Überführung von Kindern von einer Gruppe in eine andere "in der Absicht, eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe ganz oder teilweise zu vernichten" stellt einen Verstoß gegen die Konvention zur Verhütung und Bestrafung des Völkermordes dar.

1.000 Babys aus dem "befreiten" Mariupol

Laut einem Bericht des ISW sollen russische Regierungsquellen bestätigt haben, dass der Kreml ukrainische Kinder nach Russland bringt und sie dort von russischen Familien adoptieren lässt. Demnach informierte die Stadtverwaltung Krasnodar am 23. August auf ihrer offiziellen Website über ein Programm, in dem Adoptionseltern für Kinder aus Mariupol gesucht werden.

"Mehr als 1.000 Babys aus dem befreiten Mariupol haben bereits neue Familien in Tjumen, Irkutsk, Kemerowo und im Altai-Territorium gefunden. Mehr als 300 Babys werden vorübergehend in spezialisierten Einrichtungen der Region Krasnodar betreut und freuen sich darauf, ihre neuen Familien kennenzulernen", so die Behörde. Bürger, die sich für eine Adoption entscheiden, würden eine einmalige Prämie vom Staat erhalten.

Kurz nach der Veröffentlichung dieser Informationen, behauptete die Behörde, gehackt worden zu sein und dass der Beitrag nicht vom Amt selbst veröffentlicht wurde.

Putin unterzeichnet "vereinfachtes Adoptionsverfahren"

Bis vor kurzem war die Adoption ausländischer Kinder in Russland verboten. Im Mai unterzeichnete Staatschef Wladimir Putin jedoch einen Erlass, der es Russland erleichtert, ukrainische Kinder ohne elterliche Fürsorge zu adoptieren und ihnen die Staatsbürgerschaft zu verleihen. Die Vereinten Nationen zeigten sich "sehr beunruhigt" über dieses vereinfachte Adoptionsverfahren. Bereits im Juni forderten die UNO Russland auf, die Adoptionen ukrainischer Kinder zu unterlassen.

Negativität in Liebe zu Russland verwandeln

Marija Lwowa-Belowa, Ombudsfrau für Kinderrechte in Russland, erklärt laut "Kurier" bei einem Fersehauftritt, es würde sich bei den nach Russland gebrachten Kindern keinesfalls um Kriegsverbrechen handeln. Bei einem öffentlichen Auftritt vor Abgeordneten sagt sie: "Anfangs haben viele Kinder noch die ukrainische Hymne gesungen, sich negativ über unseren Präsidenten geäußert. Doch danach haben wir alles dafür getan, um diese Negativität in Liebe für Russland zu verwandeln."

Es ist schwer, die genaue Zahl der nach Russland deportierten Kinder zu ermitteln - ukrainische Behörden sprechen von 8.140 zum momentanen Zeitpunkt.

Dijana DjordjevicQuelle: Agenturen / Redaktion / ddj