Die letzte Prinzessin von Hawaii Abigail Kinoiki Kekaulike Kawananakoa

Verehrt und entmündigt: Hawaiis "letzte Prinzessin" gestorben

13. Dez. 2022 · Lesedauer 3 min

Das letzte Mitglied einer royalen Familie in den USA, Abigail Kawananakoa, starb am Sonntag mit 96 Jahren im Beisein ihrer Ehefrau Veronica in Nu'uanu in Hawaii, wie der Iolani-Palast mitteilte.

Abigail Kinoiki Kekaulike Kawananakoa ist die letzte Erbin jener Familie, die Hawaii bis zum Ende des 19. Jahrhunderts regierte. Den offiziellen Titel Prinzessin durfte sie nicht führen, im Inselstaat wurde sie von vielen trotzdem als letzte Alii (Royal) bezeichnet. Ihr Tod wurde am Montag vor dem Iolani-Palast, der ehemaligen königlichen Residenz in Honolulu, verkündet. Nach ihrem Tod ließ Hawaiis Gouverneur Josh Green die Fahnen auf Halbmast setzen. 

Irisches Zuckerplantagen-Vermögen

Kawananakoas Urgroßvater war der irische Geschäftsmann James Campbell, der durch Zuckerplantagen immensen Reichtum anhäufte und einer der größten Grundbesitzer der Insel war. Dessen Tochter heiratete den hawaiianischen Thronfolger. 

Amerikas "letzte Prinzessin" sei im Beisein ihrer Ehefrau Veronica Gail Kawananakoa friedlich eingeschlafen, wurde mitgeteilt. "Abigail wird für ihre Liebe für Hawaii und seine Bevölkerung in Erinnerung bleiben", teilte die 69-jährige Witwe und langjährige Lebensgefährtin mit. "Ich werde sie von ganzem Herzen vermissen." 

"Von Hawaiianern wurde sie immer 'Prinzessin' genannt, weil die Hawaiianer die königliche Erbfolge anerkannten", zitiert die "AP" Kimo Alama Keaulana, Assistenzprofessor am Honolulu Community College. Die Prinzessin entstammte dem königlichen Geschlecht und wurde nach dem Tod ihres Vater zusätzlich von ihrer Großmutter adoptiert. Hätte die Monarchie noch Bestand, wäre es jedoch ihr Cousin, der auf dem Thron gesessen wäre. 

Der Großteil des Campbell-Vermögens ging an Abigail, ihr Trustfund war rund 215 Millionen Dollar schwer. Ihr Geld setze sie unter anderem ein, um Stipendien zu finanzieren. Sie kämpfte gegen das Honolulu Rail Transit Project, die Errichtung eines riesigen Teleskops auf einem heiligen Berg und erhielt den Iolani-Palast. 

Jahrelanger Kampf ums Geld

Kritiker warfen ihr vor, dass sie nur wegen ihres Reichtums als letzte Prinzessin bekannt sei und weil andere Nachkommen des Königshauses nicht auf Titel bestünden. 2018 verlor sie nach einem monatelangen Rechtsstreit die Verfügungsgewalt über ihr Vermögen, wie der "Spiegel" berichtete. Nach einem Schlaganfall war ihr langjähriger Anwalt als Treuhänder eingesetzt.

Sie feuerte ihn jedoch und wollte unter anderem ihre langjährige Lebensgefährtin ein Jahr nach der Hochzeit als dessen Nachfolgerin. Die Verfügungsgewalt über ihr Vermögen ging an eine Bank. Ihr Testament durfte sie jedoch selbst aufsetzen. 

1898 annektierten die Vereinigten Staaten Hawaii, 1959 wurden die Inseln ihr 50. Bundesstaat. 

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam