Venezuela steht vor ungewisser Zukunft
Der US-Präsident ließ offen, wie eine US-Verwaltung Venezuelas konkret aussehen könnte. Die konservative venezolanische Oppositionschefin und Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado bezeichnete er bei seiner Pressekonferenz nach der Gefangennahme Maduros als ungeeignet für das Präsidentenamt, da sie nicht die nötige "Unterstützung oder den Respekt" genieße.
Maduros bisherige Stellvertreterin Rodríguez habe hingegen zu erkennen gegeben, dass sie zur Zusammenarbeit mit den USA bereit sei, sagte Trump. Rodríguez versetzte dieser Aussage jedoch schnell einen Dämpfer: In einer Fernsehansprache betonte sie, Maduro sei "der einzige Präsident Venezuelas" und forderte von Washington dessen Freilassung. Zugleich sagte sie, ihre Regierung werde Venezuela und seine "natürlichen Ressourcen verteidigen".
Gemäß der Entscheidung des Obersten Gerichts in Caracas soll Rodríguez "vorübergehend alle mit dem Amt des Präsidenten verbundenen Eigenschaften, Pflichten und Befugnisse übernehmen und ausüben". Das Gericht erklärte Maduro nicht für dauerhaft aus dem Präsidentenamt ausgeschieden. Ein solcher Schritt hätte Neuwahlen binnen 30 Tagen erforderlich gemacht.
US-Elitesoldaten nahmen den langjährigen linksnationalistischen Staatschef Maduro und seine Frau Cilia Flores in der Nacht auf Samstag bei einem Blitzeinsatz in Venezuela gefangen und brachten sie außer Landes. Trump verbreitete danach ein Foto Maduros, das ihn an Bord des US-Kriegsschiffs "USS Iwo Jima" in Handschellen, mit einer schwarzen Augenmaske und in einem grauen Jogginganzug zeigte.
Später zeigte ein vom Weißen Haus veröffentlichtes Video, wie der 63-Jährige in Handschellen und Sandalen von Beamten in eine Einrichtung der US-Drogenbekämpfungsbehörde DEA in New York gebracht wurde. "Gute Nacht, frohes neues Jahr", sagte Maduro dabei auf Englisch.
In New York soll Maduro wegen "Verschwörung zum Drogenterrorismus" der Prozess gemacht werden. Trump wirft Maduro vor, in den Drogenhandel verwickelt zu sein. Dieser werde "den vollen Zorn der amerikanischen Justiz" zu spüren bekommen, erklärte Justizministerin Pam Bondi.
Land verfügt über immense Ölvorkommen
Trump hatte Venezuela in den vergangenen Monaten immer wieder vorgeworfen, den Drogenschmuggel in die USA aktiv zu fördern und damit die Sicherheit der USA und ihrer Bürger zu gefährden. Die venezolanische Regierung warf den USA dagegen vor, es allein auf die riesigen Ölreserven des Landes abgesehen zu haben.
Tatsächlich kündigte Trump bei seiner Pressekonferenz an, die großen US-Ölkonzerne würden nun in Venezuela "reingehen, Milliarden Dollar ausgeben, die schwer beschädigte Infrastruktur reparieren, die Öl-Infrastruktur, und anfangen, Geld für das Land zu machen". "Wir werden große Mengen Öl verkaufen", sagte er. Doch würden die US-Sanktionen auf Öl aus Venezuela vorerst "voll in Kraft bleiben".
Trump beschuldigte die Regierung Maduro, "unser gesamtes Öl" gestohlen zu haben. "Wir werden es zurückholen", sagte er. Das werde die USA nichts kosten. "Viel Geld kommt aus dem Boden, wir werden zurückbezahlt für alles, was wir ausgeben." Venezuela verfügt über die größten bekannten Erdöl-Vorkommen der Welt.
Zusammenfassung
- Das Oberste Gericht in Caracas ernannte Delcy Rodríguez zur Interimsstaatschefin, betonte aber, dass Maduro nicht dauerhaft aus dem Amt entfernt wurde und forderte damit keine Neuwahlen.
- US-Präsident Donald Trump kündigte an, dass große US-Ölkonzerne Milliarden Dollar in die Reparatur und Nutzung der venezolanischen Öl-Infrastruktur investieren sollen, während die US-Sanktionen auf Öl weiterhin bestehen bleiben.
