APA/APA/ROLAND SCHLAGER/ROLAND SCHLAGER

Van der Bellen erinnert an Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma

02. Aug. 2022 · Lesedauer 3 min

Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat an die Hunderttausenden Sinti und Roma erinnert, die einst von den Nationalsozialisten in Europa ermordet wurden.

"Eine halbe Million Sinti und Roma wurden Opfer des größten Verbrechens in der Menschheitsgeschichte. Lange Zeit wurde ihr Schicksal verdrängt, verschwiegen, vergessen", schrieb Van der Bellen am Dienstag auf Twitter.

Sie und ihre Nachkommen müssten sich selbst um die Anerkennung ihrer Kultur und ihres Leidens in der Nazi-Zeit bemühen, so der Bundespräsident weiter. "Wir können Vergangenes nicht ungeschehen machen. Aber wir können die Gegenwart so gestalten, dass die Welt nachhaltig ein besserer Ort wird."

"Solidarität mit der größten ethnischen Minderheit"

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) erklärte am Dienstag via Twitter: "Angesichts des Genozids an den europäischen Roma und Sinti in der Zeit des Nationalsozialismus und dem heutigen Gedenktag ist es eine moralische Verpflichtung, Solidarität mit der größten ethnischen Minderheit Europas aufzuzeigen und sich gegen Antiziganismus zu wehren."

Bis heute gebe es in Österreich leider keine nationale Umsetzung des europäischen Holocaust-Gedenktages am 2. August, betonte Olga Voglauer, Landwirtschaftssprecherin der Grünen, am Montag in einer Aussendung. Nationale Gedenktage seien ein würdiger und wichtiger Teil der Gedenkkultur. Damit einher gehe die Anerkennung und Verurteilung des Porajmos - das Romanes-Wort für den Völkermord an den europäischen Roma in der Zeit des Nationalsozialismus. "Das ist nicht nur für die Opfer des Roma-Genozids und deren Angehörige von großer Bedeutung, sondern auch für das Selbstverständnis Österreichs", so Voglauer.

"Dem Grauen ins Gesicht zu schauen"

Auch der deutsche Bundesratspräsident Bodo Ramelow (Linke) mahnte, "Rassismus und Ausgrenzung den Boden zu entziehen. "Wir sind heute hier, um dem Grauen ins Gesicht zu schauen und es dadurch sichtbar zu machen", sagte Ramelow nach Angaben der Staatskanzlei Thüringen am Dienstag bei einer Veranstaltung in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau in Polen. Ramelow vertrat demnach die Meinung, dass der Umgang mit Minderheiten, "ein wichtiges Kriterium für die Aufnahme neuer Länder in die EU ist". Mit Verweis auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine mahnte er, dieser dürfe "nicht die Kulisse sein oder gar als Vorwand dienen für eine Vertreibung der Roma aus der Ukraine".

Mit dem Gedenktag wird an 4.300 Sinti und Roma erinnert, die im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau am 2. August 1944 von der SS ermordet wurden. In Österreich ist die Volksgruppe der Roma seit 1993 als sechste Minderheit anerkannt.

Quelle: Agenturen / koa