puls24.at

USA warnen Taliban vor Wiedereinführung von Hinrichtungen

24. Sept 2021 · Lesedauer 2 min

Die US-Regierung hat angebliche Pläne der radikal-islamischen Taliban zur Wiedereinführung von Exekutionen und Amputationen von Gliedmaßen scharf verurteilt. US-Außenamtssprecher Ned Price sagte am Freitag vor Journalisten, dass solche Bestrafungen eine klare Missachtung der Menschenrechte darstellten. Die Täter sollten dafür zur Rechenschaft gezogen werden.

Eine mögliche Anerkennung der neuen von den Taliban geführten Regierung in Kabul hänge davon ab, ob Menschenrechte respektiert würden. Die USA wollten die Lage sehr genau beobachten. Man werde nicht den Bekanntmachungen der Taliban zuhören, sondern ihr Verhalten analysieren. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP soll Taliban-Mitglied Mullah Nooruddin Turabi gesagt haben, dass es wieder Exekutionen und Handamputationen als Bestrafung geben werde.

Nach außen hin gab sich die neue Taliban-Regierung bisher moderat. Von den barbarischen Auswüchsen ihres ersten Regimes von 1996 bis 2001 war bisher nichts zu sehen. Dennoch ist unverkennbar, dass nach dem Sturz der vom Westen unterstützten Regierung jetzt Islamisten das Sagen haben - etwa auf dem Chaman-e-Uzuri, einem staubigen Feld in Kabul: Taliban-Vertreter drohten den Organisatoren eines gut besuchten Ringkampfes öffentlich, weil der Wettbewerb über die Zeit des Nachmittagsgebets hinaus ging.

"Dieses Mal kommen wir, um Euch zu warnen", sagte einer der Taliban am Freitagnachmittag. "Nächstes Mal werden unsere Anführer kommen." Die Wettkämpfe müssten künftig früher gestoppt werden, damit die Zuschauer beten könnten. Einer der Organisatoren sagte zu, sich an die neue Vorgabe zu halten. Ein Taliban-Vertreter kritisierte zudem, die beiden deutschen Reporter, die die Ringkämpfe beobachtet hatten und Zeugen der Zurechtweisung wurden, würden das Bild eines "staubigen Afghanistans" vermitteln. Der Name Chaman-e-Uzuri deutet eigentlich auf Gras hin, tatsächlich ist der ausgedörrte Boden des Feldes von Staub bedeckt.

Das Vorgehen erinnert an das der berüchtigten Religionspolizei des ersten Taliban-Regimes, die Männer verprügelte, die zur Gebetszeit nicht in der Moschee waren. Die Religionspolizei gehörte damals zum Ministerium zur Erhaltung der Tugend und Unterdrückung des Lasters. Dieses Ministerium hat die neue Taliban-Regierung wiederbelebt, es ist im Gebäude des ehemaligen Frauenministeriums untergebracht.

Das Feld, auf dem die Ringkämpfe stattfanden, liegt neben dem Nationalstadion in der afghanischen Hauptstadt. Dort ließen die militant-islamistischen Taliban während ihrer ersten Regierungszeit Menschen vor Publikum hinrichten. Die Taliban hatten Mitte vergangenen Monats wieder die Macht in Kabul übernommen.

Quelle: Agenturen